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"Kiew in zwei Wochen": Kreml bestätigt Putin-Drohung - und wiegelt ab

Präsident Putin: Ukrainische Hauptstadt Kiew in zwei Wochen einnehmen Zur Großansicht
AP/ RIA-Novosti

Präsident Putin: Ukrainische Hauptstadt Kiew in zwei Wochen einnehmen

"Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen ein" - ein Kreml-Berater bestätigt das Zitat von Präsident Putin, das in einem Telefonat mit EU-Kommissionschef Barroso gefallen war. Es sei aber aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Moskau/Brüssel - Der Kreml hat auf Berichte reagiert, wonach der russische Präsident Wladimir Putin EU-Kommissionschef José Manuel Barroso am Telefon gedroht habe, er könne die ukrainische Hauptstadt Kiew in zwei Wochen einnehmen.

Der scheidende Kommissionspräsident Barroso hatte am Samstag in Brüssel den versammelten Staats- und Regierungschefs von einem Telefonat berichtet, das er soeben mit dem russischen Staatschef geführt habe. Barroso habe ihn wegen der grenzübergreifend operierenden Soldaten zur Rede stellen wollen, berichtete die italienische Zeitung "La Repubblica". Daraufhin habe Putin geantwortet, das Entscheidende sei vielmehr: "Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen."

Der Kreml-Berater Juri Uschakow bestätigte der Nachrichtenagentur Itar-Tass das Zitat indirekt, indem er am Dienstag erklärte: "Es wurde aus dem Zusammenhang gerissen und hatte eine ganz andere Bedeutung." Uschakow sagt, es sei unwürdig von Barroso, öffentlich über ein privates Gespräch zu sprechen.

Die Veröffentlichung solcher Äußerungen, ob sie getätigt worden seien oder nicht, gehe "über diplomatische Gepflogenheiten hinaus", sagte Uschakow nun. "Dies entspricht nicht dem Niveau einer ernstzunehmenden politischen Persönlichkeit", fügte er hinzu.

Verärgerte Kanzlerin

Ein westeuropäischer Diplomat, der den Gipfel begleitete, hatte SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass Barroso am Samstag die Episode so geschildert habe.

Laut "Repubblica" habe Putin mit dem Satz deutlich machen wollen, dass man ihn nicht mit neuen Sanktionen provozieren solle. Nach Barrosos Wortmeldung habe der britische Premier David Cameron vor einer Beschwichtigungspolitik gegenüber Putin gewarnt. Man dürfe nicht die Fehler des "Appeasement" gegenüber Nazi-Deutschland im Jahr 1938 wiederholen. Der Autor der "Repubblica" schreibt, Vertreter mehrerer Delegationen hätten ihm den Ablauf des Wortwechsels bestätigt.

Das Blatt berichtete auch, dass zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel das Wort ergriffen und wütend gewirkt habe. Putin bewege sich auf eine militärische Eskalation hin, wird sie zitiert. Demnach warnte die Kanzlerin davor, dass nach der Ukraine auch Lettland und Estland von russischen Plänen betroffen sein könnten.

Russland will auf stärkere Nato-Präsenz in Osteuropa reagieren

Moskau kündigte als Reaktion auf eine stärkere Präsenz von Nato-Truppen in Osteuropa eine Anpassung seiner Verteidigungspolitik an. "Alle Fakten" wiesen darauf hin, dass die USA und die Nato "ihre Politik der Verschlechterung der Beziehungen zu Russland fortsetzen" wollten, sagte der Vizechef des russischen Sicherheitsrats, Michail Popow, am Dienstag der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Die russische Militärdoktrin solle bis zum Jahresende aktualisiert werden. Er habe "keinen Zweifel" daran, dass eine Ausweitung der Nato-Aktivitäten "ihren Platz unter den äußeren militärischen Bedrohungen" finden werde, sagte Popow.

Wegen des Konflikts mit Russland will die Nato ihre Präsenz in Osteuropa erheblich verstärken. Entsprechende Beschlüsse will die Allianz bei ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag und Freitag in Wales fassen. Unter anderem plant die Nato eine Eingreiftruppe, die innerhalb kurzer Zeit an Gefahrenherde verlegt werden kann.

heb/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
mattotaupa 02.09.2014
Das war doch klar. Nur hätte sich der Gesamtzusammenhang nicht so fein medial inszenieren lassen.
2.
kdshp 02.09.2014
Was will uns herr putin damit sagen? Das wäre so als wenn herr obama jetzt sagen würde "Wenn ich will, nehme ich Moskau in drei Wochen ein". Ich meine das herr putin so langsam den rückhalt der oligarchen verliert. Denn die sanktionen zeigen wirkung und den oligarchen geht der arsch auf grundeis. Aus reichen oligarchen können so ganz schnell arme schlucker werden.
3.
StörMeinung 02.09.2014
Es ist auch im Forum das Standardargument der "Putin-Versteher" gegen eine Beteiligung der Russen an den Kampfhandlungen "dann wäre der Krieg schon lange entschieden", ... "dann wären die russischen Truppen schon lange in Kiew" ... nichts anderes hat auch Putin gesagt, ... Gegenfrage, warum sollte er mit der Eroberung von Kiew drohen, wenn er damit eine Verschärfung der Sanktionen provozieren würde. Drohungen höre ich im Moment nur vom Herrn Rasmussen.
4. Ich würd
stranger66 02.09.2014
sagen Russland braucht nicht länger als 3 Tage. Aber Putin will nicht mit Soldaten nach Kiew. Das weiß Rassmussen und der Sponleser auch. Putin hat nur noch mal deutlich gemacht was Alle wissen. Eine militärische Option des Westens gibt es nicht-obwohl es möglich wäre. Das sagt der Westen und damit nix anderes als Putin
5. was soll das theater
hjdelle 02.09.2014
er hat lediglich gesagt wenn er wolle und da hat er unbestreitlich recht - was der westen gesäht hat hat er auch zu ernten - nur noch dümmlich unsere maisstream westler und hirnlose aufrüstung -- wir hatten die chancen unter jelzin - in dieser zeit wurde wurde russland als willkommene beute angesehen und zum schaden des russischen volkes - am libsten wäre es dem westen gewesen russland in 100 einzelstaaten zu zerschlagen - blaupause ex jugoslavien - mit diktatoren wie idi amin besetzt die sich gegenseitig die köpfe einschlagen - wir der westen das notwendige kriegsgerät überteuert liefern und so einen schnäpchen preis für deren rohstoffe bezahlen - da ist mir der putin im arsch lieber wie unsere repressitanten des westen im gesicht um einen alten spruch eines csu mitglieds zu gebrauchen - strauss / wehner
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