"Russisches Blackwater" Moskau will Privatarmeen aufbauen

Die russische Regierung plant den Einsatz privater Sicherheitsfirmen. Die nichtstaatlichen Kämpfer sollen einspringen, wenn es politisch brenzlig wird.

Von , Moskau

Russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen (im März auf der Halbinsel Krim): "Instrument zur Durchsetzung nationaler Interessen"
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Russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen (im März auf der Halbinsel Krim): "Instrument zur Durchsetzung nationaler Interessen"


Abgeordnete und Militärs in Moskau arbeiten an einem Gesetzentwurf, der für Unruhe sorgt in Russlands Nachbarländern. Die Arbeitsgruppe bereitet den Aufbau privater Sicherheitsfirmen vor. Von einem "russischen Blackwater" ist in Moskauer Medien die Rede, in Anlehnung an die Söldner des berüchtigten US-Unternehmens Blackwater (inzwischen umbenannt in Academi).

Das russische Parlament soll schon im Herbst über die Initiative entscheiden. Die Unterstützung des Kreml gilt als sicher. Präsident Wladimir Putin sieht private Sicherheitsfirmen als probates "Instrument zur Durchsetzung nationaler Interessen ohne eine direkte Einmischung des Staates".

Die Sicherheitsfirmen sollen einspringen, "wenn der Einsatz regulärer Streitkräfte politisch oder juristisch schwierig ist", heißt es in dem Gesetzentwurf. Ihre Mitarbeiter sollen sich den Plänen zufolge vor allem aus ehemaligen Militärs und Soldaten der Eliteeinheit "Speznas" zusammensetzen. Die Aufsicht über die Unternehmen soll dem Inlandsgeheimdienst FSB obliegen.

Die Autoren des Entwurfs machen keinen Hehl daraus, wo sie ein erstes Einsatzgebiet für russische Söldnereinheiten sehen: in der Ukraine. Der Westen unterstütze die ukrainische Armee mit privaten Sicherheitsfirmen im Kampf gegen die prorussischen Separatisten, Russland müsse dagegenhalten.

Mögliches Einsatzgebiet Kaukasus

Die Rebellen in der Ostukraine verfolgen die russische Initiative mit großem Interesse. "Das wird ein gutes Mittel sein, um uns zu helfen", sagte der Separatisten-Funktionär Denis Pischulin SPIEGEL ONLINE. Im Kaukasus könnten die Söldner reguläre russische Soldaten ablösen, etwa in den Separatistenstaaten Abchasien und Südossetien.

Die Dienste der Russen könnten aber auch in entfernteren Weltregionen gefragt sein. Im libyschen Bürgerkrieg etwa hatte der damalige Diktator Muammar al-Gaddafi auf eigene Faust ukrainische und russische Militärexperten für den Kampf gegen Aufständische angeheuert.

Moskau folgt mit diesen Plänen ausgerechnet einem amerikanischen Vorbild. Washington setzt seit Jahren private Sicherheitsfirmen in Krisengebieten überall auf der Welt ein. In Lateinamerika bekämpfen sie im Auftrag der US-Regierung den Rauschgifthandel. In Abu Dhabi schützen sie die Fürstenfamilie.

Vor allem Einsätze im Irak brachten die Branche in Verruf. Blackwater war verantwortlich für Misshandlungen und Erschießungen von Zivilisten. Enthüllt wurden die Vorfälle erst durch Veröffentlichungen von WikiLeaks.

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insgesamt 60 Beiträge
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Liberalitärer 23.07.2014
1. Sacco di Moskau
Zitat von sysopDPADie russische Regierung plant den Einsatz privater Sicherheitsfirmen. Die nicht-staatlichen Kämpfer sollen einspringen, wenn es politisch brenzlig wird. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-kreml-plant-privatarmee-nach-dem-vorbild-blackwater-a-982559.html
Nette Idee, aber die sind einfach zu schlecht ausgebildet. Nebenbei ist das eine dumme Idee. Wer die Höllenhunde des Krieges von der Leine lässt, der kann nicht bei klarem Verstand sein. Viele der Menschen, die dort antreten haben schwerste psychische Schäden - auch erlitten, angerichtet ohnehin. Ein neuer sacco di roma oder di Moskau erscheint da wenig wünschenswert.
Leser1000 23.07.2014
2. Na dann mal los!
Vielleicht stehen sich demnächst "Blackwater" und eine obskure russische Privatarmee (da in Russland mehr oder weniger alles staatlich geregelt ist, ist der Begriff russische Privatarmee per se ein Anachronismus) gegenüber. Gilt dann eigentlich der Kombattantenstatus gemäß Kriegvölkerrecht? Spannnende Frage! Übrigens halte ich auch nichts von "Blackwater", wenn Krieg im Sinne des Vökerrechts geführt wird. Dies dürfte egal von wem rechtswidrig sein. Im Übrigen wenn ich nur formal das Hoheitsabzeiche weglasse, dürfte dies juristisch nichts an der Zurechenbarkeit(zum entsendeten Staat) ändern - wie auch der Irak gezeigt hat.
Whitejack 23.07.2014
3.
Man würde sich wünschen, der Rest der Welt würde nicht immer den Mist nachahmen, an dem sich schon die USA verschluckt hat.
robbyy 23.07.2014
4. Hach, ein Krieg der Konzerne....
Staaten schicken in Zukunft keine Soldaten sondern Söldner in den Krieg. Da lässt sich sicher gut Geld verdienen. Die Deutsche Bank und die Allianz werden auf den Zug aufspringen, sobald es möglich ist.... Wer mit Lebensmittel spekuliert spekuliert ja schon mit Menschenleben... der Schritt ist also nicht mehr weit!
LiRaWiWi 23.07.2014
5. Die Welt dreht durch ..........
warum kann nicht die UN generell den Einsatz von privaten militärischen-, Polizeieinheiten verbieten und als Verstoss gegen die Menschenrechte definieren. Aber ja klar, neben den durchgeknallten Erfindern dieser Killer-Organisationen stimmem dann jetzt schon zwei im Welt-Sicherheitsrat dagegen . Zumindest einmal Übereinstimmung - die zukünftigen Toten werden es zu schätzen wissen . Schande
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