Moskaus Antwort auf Trump-Drohung "Wir beteiligen uns nicht an Twitter-Diplomatie"

Als Vergeltung für einen gemeldeten Giftgaseinsatz kündigte Donald Trump per Tweet einen Raketenangriff auf Syrien an. Die Regierung in Moskau kritisiert dieses Vorgehen - und will Militärpolizei nach Duma verlegen.

Kremlsprecher Peskow
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Kremlsprecher Peskow


Auf Donald Trumps Ankündigung eines Raketenangriffs auf Syrien hat Russland weiter zurückhaltend reagiert - und zur Vorsicht gemahnt. "Wir nehmen an dieser 'Twitter-Diplomatie' nicht teil, wir bevorzugen seriöse Handlungen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Nachrichtenagentur Interfax.

Zuvor hatte der US-Präsident nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien via Twitter einen Militärschlag angedroht. Trump schrieb: "Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach' Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen."

Trump macht die Regierung von Syriens Machthaber Baschar al-Assad für den Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ost-Ghuta verantwortlich. Moskau ist im Bürgerkrieg ein enger Verbündeter der syrischen Regierung. Russland erklärte, die Rebellen hätten den Angriff inszeniert.

Bei dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz sollen am Samstag nach neuen, korrigierten Angaben der Hilfsorganisation Weißhelme mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt.

Putin: Weltlage besorgniserregend

Peskow betonte abermals, dass die USA mit einem Militärschlag die ohnehin schwierige Situation in Syrien weiter destabilisieren würden. Der russische Präsident Wladimir Putin ging auf Trumps Drohungen nicht ausdrücklich ein. Aber auch er zeigte sich angesichts der internationalen Spannungen besorgt und rief zur Vernunft auf.

"Die weltweite Lage wird immer chaotischer", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern im Kreml. "Wir hoffen, dass letztlich der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt und die internationalen Beziehungen in eine konstruktive Richtung gehen." Der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sassypkin, hatte zuvor erklärt, dass Russland jegliche US-Rakete über Syrien abfangen werde.

Die Spannungen zwischen Washington und Moskau haben sich mit den jüngsten Äußerungen weiter verschärft. Lesen Sie hier den Überblick: "Der Nervenkrieg".

Russland hat nun zudem angekündigt, Einheiten seiner Militärpolizei nach Duma zu verlegen. Sie sollen die Rechtsordnung in der Stadt wiederherstellen, sagte Viktor Posnichir vom Generalstab der russischen Streitkräfte der Nachrichtenagentur Tass zufolge. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff hatten sich die Rebellen aus der Region zurückgezogen. Die Evakuierung der Stadt war unter Beteiligung Russlands ausgehandelt worden.

Syrische Armee räumt offenbar Stützpunkte

In Syrien bereitet sich die Armee derweil offenbar auf einen möglicherweise bevorstehenden Angriff vor. Nach Trumps Angriffsdrohungen habe sie weitere Stützpunkte geräumt, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien. Deren Angaben können nicht unabhängig überprüft werden, haben sich aber in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen.

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Russischer Militäreinsatz in Syrien: Moskau unterstützt Damaskus

Auch die Militärbasis Dmeir, von der aus zuletzt die Luftangriffe der Regierung auf Ost-Ghuta ausgeführt wurden, soll demnach geräumt worden sein. Bereits am Dienstag hatte die syrische Armee damit begonnen, sich von einigen Stützpunkten zurückzuziehen, um bei einer möglichen Attacke weniger Angriffsfläche zu bieten.

Die USA arbeiten laut Verteidigungsminister James Mattis derweil noch daran, Informationen zu dem Giftgasangriff zu prüfen. "Wir sind noch dabei, die Geheimdienstinformationen auszuwerten, wir selbst und unsere Verbündeten." Das Pentagon sei bereit, Trump militärische Optionen zur Verfügung zu stellen.

apr/dpa/Reuters

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