Nach türkischer Vermittlung Russland lässt zwei Krimtataren frei

Russland hat zwei Krimtatarenführer in die Türkei ausreisen lassen. Sie hatten gegen die Annexion der Halbinsel Widerstand geleistet - und waren deshalb zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Krim-Tataren (Archiv)
REUTERS

Krim-Tataren (Archiv)


Russland hat zwei im Zuge der Krimkrise zu Haftstrafen verurteilte Führer der Krimtataren freigelassen. Achtem Tschigos und Ilmi Umerow seien freigekommen und in die Türkei geflogen worden, sagte die Ehefrau einer der Männer.

Zuvor hatte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan erst den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dann den ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko getroffen. Poroschenko dankte Erdogan auf Twitter für seine Bemühungen um die Freilassung der beiden "Helden". Zwischen den muslimischen Krimtataren und der Türkei gibt es traditionell enge Verbindungen.

Tschigos und Umerow, der frühere und der aktuelle Vize-Präsident der Krimtataren-Vertretung Medschlis, waren wegen ihres Widerstands gegen die russische Annexion der Halbinsel Krim zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Die Krim war im Frühjahr 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen darin einen Verstoß gegen das Völkerrecht und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Während die Bevölkerung auf der Krim überwiegend prorussisch ist, unterstützt die muslimische Minderheit der Tataren mehrheitlich die Regierung in Kiew.

Gegen Tschigos wurde wegen Protesten im Februar 2014 acht Jahre Haft verhängt. Grund war eine Demonstration vor dem Krim-Parlament in Simferopol, bei der es Zusammenstöße zwischen pro-russischen Demonstranten und Anhängern der pro-europäischen Regierung in der Ukraine gegeben hatte.

Ilmi Umerow
AP Photo/Sergei Grits, File

Ilmi Umerow

Umerow wiederum wurde wegen "Verherrlichung des Separatismus" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte 2016 in einem Interview bekräftigt, die Krim gehöre zur Ukraine und die Russen müssten von der Halbinsel vertrieben werden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die Prozesse als "Farce" bezeichnet. Das Europaparlament forderte die Freilassung der beiden Männer.

apr/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.