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Russland: Lawrow lehnt Militäreinsatz gegen Iran und Syrien ab

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat vor einem militärischen Eingreifen in Iran und Syrien gewarnt und die westliche Nahostpolitik kritisiert. Die Konflikte in beiden Ländern könnten nur durch Verhandlungen gelöst werden. Andernfalls drohe eine "Kettenreaktion".

Russlands Außenminister Lawrow: "Für uns ist die rote Linie klar gezogen." Zur Großansicht
dapd

Russlands Außenminister Lawrow: "Für uns ist die rote Linie klar gezogen."

Moskau - Russland hält weiterhin seine schützende Hand über die Regime in Syrien und Iran. Ein militärisches Eingreifen des Westens in beiden Ländern lehne Moskau kategorisch ab, bekräftigte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf seiner Jahrespressekonferenz in Moskau.

Ein Angriff auf Iran würde eine "Katastrophe" auslösen, warnte der Politiker. "Zu der Wahrscheinlichkeit, dass diese Katastrophe eintritt, müssen sie jene Fragen, die immer wieder davon sprechen." Die Angriffsdrohungen des Westens würden die Spannungen in der Region zwischen dem schiitischen Iran und den mehrheitlich sunnitischen arabischen Staaten weiter anheizen und drohe eine Kettenreaktion auszulösen. "Ich weiß nicht, wo diese stoppen würde", warnte der Außenamtschef.

Lawrow kritisierte auch die Sanktionspolitik des Westens gegen Iran. Diese würde Verhandlungen über eine Lösung des Streits um Teherans Nuklearprogramm erschweren. "Alle vorstellbaren Sanktionen, die Irans Verhalten in der Atomfrage beeinflussen könnten, sind ausgeschöpft." Weitere Zwangsmaßnahmen hätten nur das Ziel, die iranische Wirtschaft "zu strangulieren" und die Situation des iranischen Volkes zu erschweren um die Unzufriedenheit mit dem Regime zu erhöhen.

Moskau gehe davon aus, dass es gute Chancen auf eine Wiederaufnahme der Atomgespräche gebe, betonte Lawrow. "Wir machen uns Sorgen, dass Hürden dafür aufgebaut werden." Ein Vertreter Teherans reiste nach Berichten der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA am Mittwoch zu Gesprächen mit Lawrow nach Moskau.

Russland verteidigt Waffenlieferungen nach Syrien

Auch vor einer militärischen Einmischung in Syrien warnte der Außenminister. Russland werde gegen Sanktionen und die mögliche Entsendung von Truppen nach Syrien sein Veto bei der UNO einlegen. "Für uns ist die rote Linie klar gezogen. Wir werden keinerlei Sanktionen unterstützen." In einem am Wochenende veröffentlichen Interview hatte Katars Emir Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani die Entsendung von ausländischen Soldaten angeregt.

Russland steht wegen seiner ablehnenden Haltung zu westlichen Sanktionen gegen Syrien in der Kritik. Im UN-Sicherheitsrat legte das Land einen eigenen Entwurf vor, der dem Westen aber nicht weit genug geht.

Moskau sieht die Verantwortung für das Blutvergießen in Syrien sowohl bei der Regierung als auch bei der Protestbewegung. Lawrow bezeichnete die Haltung des Westens am Mittwoch erneut als "einseitig". Die Angriffe der "bewaffneten extremistischen Opposition auf Regierungsgebäude, Krankenhäuser und Schulen" dürften nicht verschwiegen werden, sagte Lawrow. Die Waffenlieferungen an die syrische Opposition müssten enden.

Gleichzeitig verteidigte er Russlands Handel mit Damaskus.: "Wir halten es nicht für nötig, uns zu erklären oder zu rechtfertigen, weil wir weder internationale Vereinbarungen, noch Resolutionen des UN-Sicherheitsrats missachten."

Lawrow reagierte damit auf heftige Kritik aus den USA, nachdem vor rund einer Woche auf Zypern ein Schiff aus Russland abgefangen worden war. Medienberichten zufolge entdeckten Zollbeamte bis zu 60 Tonnen Munition und Sprengsätze an Bord, woraufhin die Weiterfahrt vorerst gestoppt wurde. Als die Reederei zusicherte, nicht nach Syrien zu fahren, durfte der Frachter wieder auslaufen. Das Schiff hielt laut der Reederei aber dann doch an seinem Kurs auf Syrien fest und steuerte die syrische Hafenstadt Tartus an. Dort betreibt Russland seit 2008 einen eigenen Flottenstützpunkt.

syd/dapd/AFP/Reuters

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Geschenk an Syrien
michael_hadi 18.01.2012
anstatt immer und immer wieder lesen zu müssen, wie die "Weltmächte" wie zu besten Zeiten des Kalten Krieges taktieren würde ich mich viel mehr auf Nachrichten freuen, die Zuversicht in diese Region bringen. Was wäre wenn Israel dem syrischen Volk die Golanhöhen als geschützte Flüchtlingszone anbietet und diese nach einem (unvermeidbaren?) Regimewechsel dem syrieschen Volk zum gemeinsamen Neuanfang zum Geschenk macht...
2. Israel
Tubus 18.01.2012
Zitat von sysopRusslands Außenminister Sergej Lawrow hat vor einem militärischen Eingreifen in Iran und Syrien gewarnt und die westliche Nahostpolitik kritisiert. Die Konflikte in beiden Ländern könnten nur durch Verhandlungen gelöst werden. Andernfalls drohe eine "Kettenreaktion". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809811,00.html
Die Konflikte müssen vor allem durch Verhandlungen zwischen den Großmächten gelöst werden. Das mittelalterliche Regime in Teheran würde sich nicht so verhalten, wenn die USA mit den Russen und Chinesen einen Ausgleich suchen würden. Niemand hat Interesse an einer iranischen Bombe. Am wenigsten die Russen. Aber Amerika vertraut lieber seiner Kanonenbootpolitik, weil man zu Kompromissen im Nahen Osten ohne Zustimmung Israels nicht fähig ist. Dort liegt für fast alle Probleme im Nahen und Mittleren Osten der Hund begraben.
3. Der
Claudio Soriano 18.01.2012
Zitat von sysopRusslands Außenminister Sergej Lawrow hat vor einem militärischen Eingreifen in Iran und Syrien gewarnt und die westliche Nahostpolitik kritisiert. Die Konflikte in beiden Ländern könnten nur durch Verhandlungen gelöst werden. Andernfalls drohe eine "Kettenreaktion". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809811,00.html
Außenminister Rußlands hat vollkommen recht! Das Säbelrasseln der USA und Israels sollte in Westeuropa verurteilt werden! Konflikte wurden noch nie durch Kriege gelöst. Lächerlich ist auch, das Obama den Friedensnobelpreis erhalten hat, denn er setzt das fort was seine Vorgänger seit 45 getan haben..... KRIEGE FÜHREN! Russen, und selbst Chinesen kann man dergleichen nicht vorwerfen. Und Lawrow hat sicherlich recht, indem er vor einer Kettenreaktion warnt. Amerika liefert schlechte beispiele für Demokratie und Frieden in der Welt!
4. Recht?
Medienkritiker 18.01.2012
Zitat von Claudio SorianoAußenminister Rußlands hat vollkommen recht! Das Säbelrasseln der USA und Israels sollte in Westeuropa verurteilt werden! Konflikte wurden noch nie durch Kriege gelöst. Lächerlich ist auch, das Obama den Friedensnobelpreis erhalten hat, denn er setzt das fort was seine Vorgänger seit 45 getan haben..... KRIEGE FÜHREN! Russen, und selbst Chinesen kann man dergleichen nicht vorwerfen. Und Lawrow hat sicherlich recht, indem er vor einer Kettenreaktion warnt. Amerika liefert schlechte beispiele für Demokratie und Frieden in der Welt!
Was Russland macht ist nicht besser! in dieser Zeit an Syrien Waffen zu liefern stellt eine ungeheuerliche Provokation dar. Das Machtgebahren Russlands erinnert tatsächlich an die Zeiten des Kalten Krieges...schade
5. Wirtschaftliche und geostrategische Interessen des autoritären Russlands
law1964 18.01.2012
Zitat von sysopRusslands Außenminister Sergej Lawrow hat vor einem militärischen Eingreifen in Iran und Syrien gewarnt und die westliche Nahostpolitik kritisiert. Die Konflikte in beiden Ländern könnten nur durch Verhandlungen gelöst werden. Andernfalls drohe eine "Kettenreaktion". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809811,00.html
Zitat aus dem Artikel." die Situation des iranischen Volkes zu erschweren um die Unzufriedenheit mit dem Regime zu erhöhen." Dies ist ja genau die Reaktion die durch die Sanktionen gewollt sind, eine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der autoritären Regierung des Irans. Nur so kann man mehr Freiheit erreichen von dem theologisch autoritärem Regime. Russland ist wirtschaftlich mit Syrien und Iran stark verbunden. Russland liefert u.a. Waffen und Rüstungsgüter in beträchtlichem Maß an beide Länder und macht so gute Geschäfte, die will man scih natürlich nicht nehmen lassen.
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