Russland Medien boykottieren Staatsduma wegen Belästigungsvorwürfen

Drei Frauen werfen dem russischen Politiker Leonid Sluzki Belästigung vor. Verschiedene Medien stellen nun keine Reporter mehr für das Unterhaus des Parlaments ab, das den Politiker verteidigt hatte.

Staatsduma in Moskau
AFP

Staatsduma in Moskau


Russische Medien ziehen Konsequenzen aus den Belästigungsvorwürfen gegen Leonid Sluzki. Mehrere Medienunternehmen wollen sich nun weigern, vor Ort über die Staatsduma, das Unterhaus des russischen Parlaments, zu berichten. Sluzki ist dort Vorsitzender des Außenausschusses.

Der russische Hörfunksender Echo Moskwy gab bekannt, er halte die Duma nicht mehr für sicher. Deshalb schicke er keine Reporter in das Unterhaus. Das Medienunternehmen RBK schloss sich an und rief seine Reporter aus der Duma zurück. Die Zeitung "Kommersant" erklärte, sie werde keine Aussagen Sluzkis verwenden.

Drei Journalistinnen hatten ihn zuvor beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Der 50-Jährige weist die Vorwürfe zurück. Die Duma allerdings entlastete den Politiker. Das Ethik-Komitee kam am Dienstag zusammen, fand aber "keine Verstöße" in Sluzkis Verhalten. Diese Entscheidung sorgte in russischen Medienkreisen für große Empörung.

Die Vorwürfe gegen Sluzki waren die ersten ihrer Art in Russland seit dem Start der #MeToo-Debatte in den USA. Zuvor hatte ein Großteil der russischen Öffentlichkeit das Thema als politische Korrektheit des Westens abgetan.

aev/AP



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