Deal mit Frankreich Russland kündigt Übernahme von Helikopterträger an

Das Geschäft ist wegen der Ukraine-Krise höchst umstritten - nun meldet zumindest Moskau Vollzug: Im November wird Frankreich demnach ein hochmodernes Kriegsschiff an Russland ausliefern.

AFP

Moskau - Will Moskau nur eine rasche Einigung herbeireden? Oder steht der äußerst brisante Rüstungsdeal mit Frankreich wirklich kurz vor einem entscheidenden Schritt? Russland wird nach eigenen Angaben am 14. November den ersten von zwei in französischer Regie gebauten Hubschrauberträgern übernehmen.

Die Nachrichtenagentur Ria zitierte am Mittwoch den stellvertretenden Ministerpräsidenten Dmitrij Rogosin mit den Worten, Russland habe eine Einladung für die Übergabe des Schiffes an diesem Tag erhalten.

Der Hubschrauber-Träger "Wladiwostok" werde im westfranzösischen Hafen Saint-Nazaire übergeben, so Rogosin weiter. Dann solle auch bereits der Stapellauf für das zweite Mistral-Kriegsschiff erfolgen, dessen Lieferung an Russland für das kommende Jahr vorgesehen ist. Über den Kurzbotschaftsdienst Twitter veröffentlichte Rogosin ein Schreiben vom 8. Oktober, das nach seinen Angaben die Einladung zu der Übergabezeremonie in Saint-Nazaire ist.

Von der Nachrichtenagentur Reuters kontaktierte Vertreter des Präsidialamtes sowie des Außen- und des Verteidigungsministeriums erklärten am Mittwoch, es gebe noch keine Entscheidung über Auslieferungstermine.

Die USA und einige ihrer Verbündeten hatten Frankreich gedrängt, die Auslieferung der Kriegsschiffe wegen der Ukraine-Krise zu stoppen. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte in der vergangenen Woche, die ursprünglich für Ende Oktober geplante Auslieferung des ersten Schiffes solle verschoben und das zweite gar nicht ausgeliefert werden. Der Deal hat ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro, ein Teil ist schon bezahlt. Russland droht bei Nichterfüllung des Vertrages mit Forderungen nach Schadenersatz.

Moskau: Frankreich sollte an seinen Ruf denken

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hatte am Dienstag erklärt, sein Land werde erst im November über die Lieferung des Kriegsschiffes vom Typ Mistral an Russland entscheiden. Die Übergabe des Hubschrauberträgers hänge weiter von den politischen Rahmenbedingungen ab.

Rogosin wurde dagegen mit den Worten zitiert: "Alles läuft so ab, wie es in den Bedingungen für die technische Erfüllung des Vertrages geplant ist, und wir halten uns daran." Frankreich sollte seinen Ruf als verlässlicher Partner wahren, und zwar auch im militärischen und im technischen Bereich.

jok/Reuters/AFP



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insgesamt 37 Beiträge
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demokratie-troll 29.10.2014
1. Verrätergeschäft
Wie? Die Franzosen haben den Angriffskriegern und Okkupanten europäischen Territoriums immer noch keine Absage erteilt, eines dieser Hubschrauberträger auszuliefern? Putin hat mit der Ukraine Europa angegriffen. Das Baltikum zittert und in der Ukraine wird gestorben. Die Franzosen aber liefern dem Feind die Waffen, die auf uns gerichtet werden? Ekelhaft!
MtSchiara 29.10.2014
2. wozu braucht Rußland Kriegsschiffe der Mistral-Klasse?
Diese Frage hat sich nach dem russischen Überfall auf die Krim und die Ostukraine erübrigt: Rußland braucht diese Schiffe für seine Invasionsarmee. Denn geht es um andere Aufgaben in der Welt, bei denen die UNO um Unterstützung bittet und solche Gerätschaften sinnvoll sein könnten, zählt Rußland zu den letzten Staaten, die sich engagieren. Ist ein Einsatz nicht mit dem Gewinn von Territorium oder sonstigem Profit für Rußland verbunden, dann ist Rußland normalerweise nicht mit dabei. Da man bisher noch nichts davon gehört hat, daß Frankreich mit seinen Nato-Partnern über andere Verwendungsmöglichkeiten dieser Schiffe verhandelt, irritiert die russische Äußerung in der Tat. Auf der anderen Seite gehören Propaganda und Desinformationen zum täglichen russischen Geschäft. Sollte Frankreich die Schiffe aber tatsächlich ausliefern, dann wäre dies eine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen des Flugzeugabschusses und gegenüber den Opfern des russisch-ukrainischen Krieges in der Ostukraine.
fritze_bollmann 29.10.2014
3. Nur mal so
Die Vertragsstrafe beträgt 265 Millionen Euro bei Nichterfüllung des Vertrages zuzüglich der Rückgabe das als Beistellung gelieferten Antriebs-Segmentes des Schiffes. Darüber hinaus ist das Ding ja auch schon fast so gut wie bezahlt. Also Knete auch zurück. Noch Fragen?
moehre94 29.10.2014
4. Deutschland als Käufer?
Wieso nicht einfach vdL ein gutes Geschäft anbieten (1,2 Milliarden sind doch ein Schnäppchen) und wir können die Kähne dann zu Lazarettschiffen umbauen. So haben alle Seiten was davon - bis auf die Russen. Denen sollte man aber momentan keine Angriffsschiffe verkaufen.
Miracle 29.10.2014
5. Oder so
die lieben Produzenten der Flugzeugträger feiern gerade in Moskau Ball verkehrt, währenddessen europäische Großdemo an der Atlantikküste aufläuft. Gegen Waffen für den Angreifer in der Ukraine. Der Franzose muss begreifen lernen und auch darum, dass deutsche Waffenproduzenten gar nicht auf ähnlich verwegene Ideen kommen: Russland ist zur Zeit nicht gut Freund mit uns, es lässt Flieger hochsteigen und seine Jungs gegen Kiev kämpfen. Kann das mal jemand ins Französische translieren?
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