Russland Moskau schließt Roten Platz in der Silvesternacht

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Moskau macht den Roten Platz an Silvester dicht. Offiziell wegen einer TV-Aufzeichnung - doch die Stadt treibt auch die Angst vor Attentaten um.

Roter Platz: Konzert für geladene Gäste geplant
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Roter Platz: Konzert für geladene Gäste geplant


Normalerweise feiern hier Tausende Menschen gemeinsam den Start ins neue Jahr - dann, wenn die Kreml-Glocken läuten. Jetzt will Moskau in der Silvesternacht zum ersten Mal den berühmten Roten Platz für die Öffentlichkeit schließen. Das kündigte Alexej Majorow, Sicherheitschef der Stadt, auf der Rathaus-Webseite an. Polizisten sollen die Menschen fortschicken, wird Majorow zitiert.

Offizielle Begründung: Auf dem Platz findet ein Konzert statt, das vom staatlichen TV-Sender Kanal Eins aufgezeichnet wird und bei dem nur geladene Gäste zuhören dürfen. Doch Kritiker halten den Grund für vorgeschoben - sie vermuten die Furcht vor Anschlägen hinter der Aktion. Die Schließung des Roten Platzes komme "einer Schließung des Times Square in New York gleich", sagte der frühere Abgeordnete Alexander Kliukin dem Radiosender Kommersant.

Nach den islamistischen Anschlägen in Paris wurden auch in Russlands Hauptstadt die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Schon der Absturz einer russischen Passagiermaschine über Ägypten Ende Oktober, bei dem 224 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte die Angst steigen lassen. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hatte sich zu einem Anschlag auf das Flugzeug bekannt. Es sei kein Geheimnis, dass Moskau "ein Wunschziel für einen Anschlag internationaler Terroristen ist", sagte Bürgermeister Sergej Sobjanin kürzlich.

kev/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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behemoth1 28.12.2015
1. Angst
Oh je, überall geht die Angst um, man scheint nirgends mehr sicher zu sein, selbst im Polizeistaat Russland scheint man nicht mehr alles im Griff zu haben. Als ich das letzt Mal über den Roten Platz in Moskau spazieren ging, da gabe es fast mehr Ordnungshüter als Touristen, aber das ist auch schon eine sehr lange Zeit her.
humorrid 28.12.2015
2. Angst vor Sprache und Inhalt
"Moskau macht den Roten Platz an Silvester dicht" - klasse Formulierung, es käme "einer Schließung des Times Square durch New York gleich". Geht nahtlos weiter mit: "doch die Stadt treibt auch die Angst vor Attentaten um", also wer treibt wem und wer treibt um? "Wenn die Kreml-Glocken läuten" - sorry, es gibt leider keine Kreml-Glocken. Gemeint ist wahrscheinlich die Uhr an Spasskaya Tower – zu Big Ben sagt aber auch keiner "die Glocke". Und dann "sie vermuten die Furcht vor Anschlägen hinter der Aktion". Chapeau, kev/AFP und SPON!
malocher77 28.12.2015
3. Wenn in Hannover
Fußball Stadion geräumt wird,aus Angst vor möglichen Anschlägen,dann muss man die Russen wohl verstehen.Die würden ohne dringende Hinweise auf Anschläge niemals den roten Platz dicht machen.Es gibt genug Rückkehrer aus Syrien,die Anschläge in Russland planen und schon einige wurden festgenommen.Ich finde es vernünftig wenn man eigene Bevölkerung schützt und nicht unnötigen Risiko aussetzt.
freebooter 28.12.2015
4. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Die russische Furcht vor einem islamistischen Anschlag ist nur allzu begründet. Vor ein paar Wochen haben islamistische Terroristen einen Anschlag auf ein russisches Verkehrsflugzeug verübt. Der "Islamische Staat" droht Russland - genauso wie dem Westen. Wie der "Islamische Staat" behauptet, sollte der Anschlag ursprünglich gegen ein westliches Flugzeug verübt werden. Aber seit September 2015 unterstützt Wladimir Putin Herrn Assad sowohl gegen innersyrische Gegner Assads als auch gegen den "Islamischen Staat". Die Anschläge von Paris und gegen ein russisches Verkehrsflugzeug machen deutlich: Der islamistische Terror ist eine Gefahr sowohl für den Westen als auch für Russland.
bertholdalfredrosswag 28.12.2015
5. Sicherheit muss garantiert werden können.
Sicherheit für die Bevölkerung hat absolut Vorrang wenn nicht tausendprozentig dafür gehaftet werden kann und das kann man auch in Russland nicht. Diese dümmliche Kritik sollte man sich schenken. Putin ist umsichtig und das ist gut so.
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