Russland Polizei dringt ins Büro von Alexej Nawalny ein

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat zu Protesten gegen die Regierung aufgerufen. Die Polizei unterbrach nun die Live-Berichterstattung darüber und nahm mehrere seiner Mitarbeiter fest.

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Die russische Polizei ist am Sonntag in das Moskauer Büro des Oppositionellen Alexej Nawalny eingedrungen. Mitarbeiter Nawalnys berichteten, Sicherheitskräfte hätten sich mit einer Säge Zugang zu den Räumen verschafft und seien in die Aufnahme einer Videobotschaft hereingeplatzt. Mehrere Mitglieder seines Teams seien festgenommen worden.

Für den Nachmittag hatte Nawalny seine Anhänger zu landesweiten Protesten aufgerufen. Damit will der 41-jährige Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin gegen seinen Ausschluss von der Präsidentenwahl im März protestieren. Er darf wegen einer umstrittenen Bewährungsstrafe nicht antreten.

Die Polizei drang offenbar in Nawalnys Büro ein, um die Live-Berichterstattung über erste Kundgebungen im Osten des Landes zu unterbrechen. Wie Nawalnys Team in den sozialen Medien erklärte, wurden auch mehrere Mitarbeiter seiner Anti-Korruptions-Stiftung sowie weitere Anhänger inhaftiert.

In mehr als hundert Städten im ganzen Land sind für Sonntag Proteste geplant. In Moskau und St. Petersburg wurden die Routen der Kundgebungen nicht genehmigt. In den meisten Städten seien die Demonstrationen aber von den Behörden erlaubt worden, sagte Nawalny. In manchen Provinzstädten in Sibirien fanden erste Demos statt, nach Polizeiangaben mit je einigen Dutzend Teilnehmern und ohne Zwischenfälle.

Alexej Nawalny bei einer Anhörung in Straßburg
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Alexej Nawalny bei einer Anhörung in Straßburg

Am Samstag hatte Nawalny seinen Protestaufruf bekräftigt. "Zu Hause zu bleiben, wäre das Signal: "Ich halte das noch weitere sechs Jahre aus". Solche Signale dürfen wir ihnen (der Regierung) nicht geben." Nawalny hatte bereits 2017 mehrfach Großdemonstrationen gegen die Staatsführung und Korruption organisiert. Dabei waren Hunderte Menschen festgenommen worden.

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Wahlen in Russland: Nawalny versucht das Unmögliche

Der 41-jährige Blogger und Jurist ist ein scharfer Kritiker Putins. Bei der Präsidentenwahl darf er nicht gegen Amtsinhaber Wladimir Putin antreten. Die russische Wahlkommission begründete seinen Ausschluss mit einer Verurteilung Nawalnys zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Unterschlagung. Der Oppositionspolitiker bestreitet die Vorwürfe und spricht von einem politisch motivierten Urteil.

lov/AFP/dpa

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