65. Geburtstag des russischen Präsidenten Dutzende Festnahmen bei Protesten gegen Putin

Sie rufen "Herzlichen Glückwunsch" als Zeichen des Protests: In Russland gingen Anhänger des Oppositionellen Nawalny auf die Straße - zum 65. Geburtstag von Präsident Wladimir Putin. Es gab mehr als 60 Festnahmen.

Demonstration in Moskau
AP

Demonstration in Moskau


Bei Demonstrationen gegen Präsident Wladimir Putin sind in St. Petersburg mehr als 60 Menschen festgenommen worden. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Bürgerrechtsorganisation OVD-Info. Die russische Polizei löste eine regierungskritische Demonstration demnach gewaltsam auf.

Zuvor hatte die Organisation bereits erklärt, dass in ganz Russland in 22 Städten mindestens 100 Menschen festgenommen wurden - das sind bedeutend weniger als noch im März und Juni bei den landesweiten Demonstrationen. Damals wurden 1750 Festnahmen registriert.

In Jekaterinburg nahm die Polizei am Samstag 15 Menschen mit. Wie Vertreter der Opposition mitteilten, gingen die Sicherheitskräfte auch in den Städten Twer und Samara im Zentrum des Landes gegen die Protestierenden vor.

Zu den Kundgebungen am 65. Geburtstag von Putin hatte der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny aufgerufen. In rund 80 Städten waren Demonstrationen geplant. Es kamen weniger Menschen als noch bei den letzten Kundgebungen am 12. Juni.

Die Behörden in Moskau und Sankt Petersburg hatten die in den Stadtzentren geplanten Versammlungen verboten, in Sankt Petersburg kündigten sie an, hart gegen Demonstranten vorzugehen. Dennoch versammelten sich am frühen Abend die ersten Menschen.

Polizei in Moskau hält sich zurück

In Moskau kamen mehr als 1000 Menschen am Nachmittag ins Zentrum, um bis zum Abend zu demonstrieren. Laut Augenzeugen ist die Polizei mit einem starken Aufgebot vor Ort, hielt sich aber im Vergleich zu den letzten beiden Demonstrationen auffallend zurück. Über Lautsprecher forderten die Beamten die Demonstranten auf, die Gehwege freizuhalten und freundlich miteinander umzugehen. Es soll nur eine Festnahme gegeben haben.

Der kremlkritische Sender Doschd zeigte, wie vor allem junge Leute über die Twerskaja Straße im Zentrum Moskaus liefen, sich sowohl auf dem Puschkin-Platz als auch am Manegenplatz in Nähe des Kreml versammelten. Sie riefen "Herzlichen Glückwunsch" und "Freiheit für Nawalny". Andere skandierten "Russland ohne Putin", "Putin muss zurücktreten" oder "Putin ist ein Dieb". (Lesen Sie hier die Analyse "Nawalnys Präsent für den Präsidenten".)

Fotostrecke

8  Bilder
Geburtstag des Kreml-Chefs: Proteste statt Geschenke

Nawalny ist einer der bekanntesten Kreml-Kritiker und will Putin bei der Präsidentschaftswahl im März 2018 herausfordern - allerdings darf er laut Wahlkommission wegen einer fragwürdigen Verurteilung wegen angeblicher Betrugs nicht antreten. Im März und im Juni waren Zehntausende dem Aufruf des 41-jährigen Anwalts zu Protesten gegen Putin in ganz Russland gefolgt. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und überwiegend jungen Demonstranten, Hunderte Menschen wurden festgenommen.

Nawalny sitzt derzeit zum wiederholten Male in Haft. Er war im September auf dem Weg zu einer Demonstration festgenommen worden. Am Montag verurteilte ihn ein Moskauer Gericht zu einer 20-tägigen Haftstrafe, weil er wieder zur Teilnahme an einer angeblich nicht-genehmigten Kundgebungen aufgerufen hatte.

Auch führende Mitarbeiter von Nawalny wurden im Zusammenhang mit den Demonstrationen am Samstag in Gewahrsam genommen, so etwa im südrussischen Krasnodar.

Die symbolträchtigste Demonstration gegen Putin, der seit 1999 die politischen Geschicke des Landes führt, ist für den späten Nachmittag in Sankt Petersburg geplant. Putin wurde in der zweitgrößten Stadt Russlands geboren und begann dort seine politische Karriere. Er regierte fünf Jahre als Regierungschef und war insgesamt 13 Jahre lang Präsident.

In der Stadt wurde Berichten zufolge ein Anwalt von Nawalnys Stab festgenommen. Schon Stunden vor der Kundgebung in der früheren Zarenmetropole waren zahlreiche Polizisten beim Marsfeld am Newa-Ufer im Einsatz.

heb/apr/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.