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Rede an die Nation: Putin sieht Russland als Opfer des Westens

Russischer Präsident Putin: Wichtige Ansprache in kritischer Lage Zur Großansicht
AP

Russischer Präsident Putin: Wichtige Ansprache in kritischer Lage

Russland steckt in der Krise, politisch wie wirtschaftlich. Die angespannte Lage nutzt Präsident Putin zum Generalangriff: In einer Rede an sein Volk wettert er gegen den Westen.

Moskau - Die Rede zur Lage der Nation - für Wladimir Putin immer eine Gelegenheit für markige Sprüche und zu ausgiebiger Selbstinszenierung. In diesem Jahr stand die traditionelle Ansprache jedoch unter besonderen Vorzeichen: dem Dauerkonflikt in der Ukraine und Russlands schweren wirtschaftlichen Problemen durch Sanktionen und einem schwachen Ölpreis.

Mit Spannung wurde erwartet, wie sich der Kreml-Führer zu diesen Krisenthemen äußern würde. Tatsächlich verlor Putin nicht viel Zeit, sprach schon in seiner Einleitung von einer "schicksalträchtigen" Ära, in der sich sein Land befände. Die erste Hälfte seiner Ansprache stand ganz im Zeichen der massiven außenpolitischen Verwerfungen, die Russland in eine zunehmend isolierte Lage gebracht haben.

Als erstes ging der Präsident auf den Krim-Anschluss ein. Dieser habe für das russische Volk eine besondere Bedeutung, "weil auf der Krim unsere Leute wohnen, und das Territorium selbst strategisch wichtig ist". Dort liege, so der Präsident, der geistige Ursprung der großen russischen Nation. Die Krim sei für Russland, was der Tempelberg in Jerusalem für die Juden sei. Putin sprach von einer ewigen "heiligen Bedeutung der Krim" für sein Land. Schon deshalb werde sich Russland nicht der Unterwerfungspolitik des Westens beugen.

Erwartungsgemäß rechtfertigte der Präsident auch sein weiteres aggressives Vorgehen in der Ukraine - und wetterte gegen die Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Vor allem die harten Sanktionen schadeten "allen Staaten", so Putin. Russland werde in eine Opferrolle gedrängt, dafür sei die Ukraine nur ein willkommener Anlass für den Westen: "Hätte es die Ukraine-Krise nicht gegeben, hätte man einen anderen Vorwand gefunden, um Russland zu schaden", erklärte Putin wörtlich. So wolle der Westen die aufstrebende russische Nation kleinhalten, mutmaßte der Kremlchef. Noch mehr kämpferische Töne, vor allem in Richtung der USA.

Armee "höflich, aber stark"

Kaum verschleiert schickte Putin deutliche Drohungen in Richtung der "Gegner seines Landes". Man bemühe sich zwar um gute Beziehungen zum Ausland, explizit erwähnte Putin dabei Europa und nicht die USA, setze aber klare Prioritäten. Nummer eins sei "die Verteidigung der Sicherheit und Stabilität Russlands". Und weiter: "Unsere Armee ist höflich, aber stark. (...) Es ist nicht möglich, Russland militärisch zu besiegen."

Von einer wirtschaftlichen Krise seines Landes mochte der Präsident kaum sprechen, stattdessen bemühte er sich bei seinen Ausführung zur innenpolitischen und finanziellen Lage Russlands um Optimismus: "Das Geschäftsklima in Russland hat sich sehr gut entwickelt." Gleichwohl werde man sich bemühen, Kapitalrückflüsse zu unterstützen, Investitionen anzuschieben und steuerliche Anreize zu setzen.

Vor seiner Rede an die Nation hatte sich Putin heftige Kritik aus den USA gefallen lassen müssen. Präsident Barack Obama nannte die Politik der russischen Führer vor Wirtschaftsvertretern in Washington "nationalistisch und rückwärtsgewandt". Die Eskalation der Ukraine-Krise habe Putin seinem Eindruck nach überrascht, so Obama. Seitdem improvisiere dieser mit einer Politik, die Russlands Nachbarn verängstige und der Wirtschaft enorm schade. Von seinem Kurs werde Putin erst abrücken, wenn der Wirtschaftsabschwung dies erzwinge.

jok/syd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 335 Beiträge
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1. Putin liegt falsch
sponposter 04.12.2014
"Heilig" - nun ja. Es soll Möglichkeiten geben, mit Nachbarn so in Frieden zusammenarbeiten, dass emotional wichtige Gebiete kein Zankapfel mehr sind. Dazu gehört, auf Gewalt und Annexionen zu verzichten. Wenn es mit Zivilgesellschaft, Mitsprache, Demokratie, Rechtsstaat und Anti-Korruption nichts ist, stilisieren sich Führer immer gerne als die Verteidiger "heiliger" Werte und Gebiete. Ist einfacher, als die Macht und Geld zu teilen. Putin erweist seinem Land keinen guten Dienst.
2.
sunrise560 04.12.2014
ach so - "heilig", jaaa dann ist ja alles gut. Dann kann er ja auch das Völkerrecht brechen. Noch heiliger ist die Krim aber wohl den Krimtataren - aber die dürfen nicht mehr dahin, oder? Aber mit dieser Entschuldigung von Putin haben die ja jetzt ein ausreichendes Argument. Was kommt als nächstes? "So-gut-wie-heilig" für die Ostukraine? "Fast schon heilig"-für das Baltikum? Heiliger Bimbam!!!"!
3. na denn
Rassek 04.12.2014
lasst ihm doch seine Krim. Die wollen doch auch zu Russland
4. Heilig
ironcock_mcsteele 04.12.2014
Das Interesse an der Krim ist "heilig", also im Sinne von "mit rationalen Argumenten nicht so wirklich belegbar" sicherlich. Wenn man sich anschaut, welche langfristigen Probleme Putin sich und seinem Land mit der illegalen Besetzung eingebrockt hat, muss man in solchen Kategorien denken, um das Handeln zu rechtfertigen.
5. Ich möcht
DerLaunige 04.12.2014
gar nicht wissen, wie die Lage in der Region in ein paar Jährchen aussieht :(
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