Putin über Ölpreisverfall "Wir haben gefährliche Einbußen zu verzeichnen"

Wladimir Putin hält den niedrigen Ölpreis für schlimmer als die Sanktionen des Westens. In einem Interview kündigt er an, der Münchner Sicherheitskonferenz fernzubleiben, und erklärt, warum er seinen Hund an Angela Merkel schnuppern ließ.

Wladimir Putin (Archivaufnahme): "Wiedervereinigung der Krim mit Russland ist gerecht"
REUTERS

Wladimir Putin (Archivaufnahme): "Wiedervereinigung der Krim mit Russland ist gerecht"


Wladimir Putin hat die Strafmaßnahmen gegen Russland erneut kritisiert, weil sie beiden Seiten schadeten. "Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen", sagte der Kreml-Chef der "Bild"-Zeitung in einem Interview. Denn Russland habe dadurch Probleme, sich international Geld zu beschaffen.

Die EU und die USA hatten die Sanktionen 2014 wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und der russischen Hilfe für die Separatisten in der Ostukraine verhängt. Kritik an seinem Vorgehen wies Putin zurück: "Ich sage Ihnen: Die Wiedervereinigung der Krim mit Russland ist gerecht."

"Größerer Schaden entsteht derzeit jedoch durch den Verfall der Energiepreise", gab Putin in seiner südrussischen Residenz in Sotschi zu. Beim Export von Öl und Gas habe Russland deshalb "gefährliche Einnahme-Einbußen zu verzeichnen, die wir an anderer Stelle zum Teil ausgleichen können."

Der russische Präsident erneuerte Vorwürfe, die er 2007 bei einer Rede in München erhoben hatte: Die Nato habe mit der Ausdehnung nach Osten gegen Absprachen verstoßen. "Die Nato und die USA wollten den vollen Sieg über die Sowjetunion", sagte er. Putin ließ das Argument nicht gelten, dass Polen und andere Staaten in die Nato wollten. Das westliche Bündnis hätte sie nicht aufnehmen sollen.

Absage an München

Zur Münchener Sicherheitskonferenz Mitte Februar werde er nicht kommen, verkündete Putin. Wegen der Konflikte zwischen Moskau und dem Westen hatten die Organisatoren der Konferenz gehofft, bei dem informellen Treffen wieder mit ihm sprechen zu können.

Dennoch warb Putin für Kooperation: "Wir sollten weltweit viel enger zusammenstehen im Kampf gegen den Terror, der eine große Herausforderung ist."

Russland stabilisiere die Wirtschaft derzeit Schritt um Schritt, sagte Putin weiter. "Das Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gesunken, die Industrieproduktion um 3,3 Prozent. Die Inflation liegt bei 12,7 Prozent", sagte er. Die Handelsbilanz sei jedoch positiv, und Russland exportiere zum ersten Mal seit Jahren deutlich mehr Güter mit hoher Wertschöpfung. Russland besitze "über 300 Milliarden Dollar an Goldreserven", ergänzte der Präsident.

Was war mit Putins Hund?

Sein Verhältnis zu Angela Merkel (CDU) nannte Putin "professionell und offen". Bei einem ihrer ersten Treffen 2007 in Sotschi habe er die Kanzlerin nicht mit seinem Hund erschrecken wollen. "Ich wollte ihr eine Freude machen." Von Merkels Abneigung gegen Hunde habe er nichts gewusst. "Als ich erfuhr, dass sie Hunde nicht mag, habe ich mich natürlich entschuldigt."

Putin hatte damals seine ungestüme Labrador-Hündin Koni ins Zimmer gelassen, die auch an der Kanzlerin schnüffelte. Merkel überspielte die Situation. Auf deutscher Seite wurde nicht ausgeschlossen, dass der Kreml-Chef die Kanzlerin absichtlich in Bedrängnis bringen wollte.

als/dpa

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Lignite 11.01.2016
1. Die Verlierer
Kann es das geben? Internationale Sicherheit ohne die modernste Atommacht der Welt, die mit China und den anderen SCO-Staaten (4 Mrd. Menschen) vernetzt ist? Die westlichen Länder in alter kolonialistischer Arroganz bestätigen sich nur noch gegenseitig und bauen sich eine eigene Welt, die mit der realen Welt nichts mehr zu tun haben will.
dirk1962 11.01.2016
2. Beiderseitig mehr Vernunft
Ich denke es ist an der Zeit für mehr Vernunft auf beiden Seiten. Niemand kann einem wirtschaftlich schwachen Russland interessiert sein. Es bleibt genug Zeit für konstruktive Gespräche, damit Russland an der Konferenz im Februar teilnehmen kann. Ohne Russland am Tisch kann die Konferenz gleich ganz abgesagt werden.
rafterman 11.01.2016
3. da gibt es ein filmzitat
aus jagt auf roter oktober. "die russen gehen nicht ohne einen plan aufs wc" klar wusste putin nichts von der abneigung. genausowenig wie von russischen soldaten in der ukraine
Thomas McKean 11.01.2016
4. Diktator
Den alten Trick Zahlen und Änderungen nicht in Relation zu stellen hat er aber drauf. Die 300 Mia Währungsreserven (nur 47 davon sind Gold) waren letztes Jahr noch über 400 und vor der Krim-Eroberung noch über 500 Milliarden Dollar. Die "Export Steigerung" dann umgekehrt. Export gestiegen gegenüber einem Katastrophalen 2014 und selbst das nur in einem definierten Sektor. ..und weshalb die doch so "gerechte" Krim "Befreiung" nicht in der Zeit von Janukowytsch stattfand, wo Russland noch einen Verbündeten in der Ukraine hatte bleibt auch unbekannt..
Nabob 11.01.2016
5. Akzeptable Position von Putin
In Deutschland sollte man beginnen, sich mit den eigenen nationalen Problemen zu beschäftigen und nicht den - schon in der deutschen Geschichte vorherrschenden - Fehler begehen, die Welt nach deutschen Grundsätzen zu bewerten. Was wir aber tun können, wenn wir mit Putin reden wollen - hinfliegen. Momentan aber schlagen die Wellen über Deutschland zusammen und weisen den Weg in mangelnde Vorbereitung, politische Versäumnisse und kindliche Visionen, wie uns die amerikanische Presse meist zutreffend bestätigt.
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