Putins Tränen bei russischer Hymne Es ist zum Heulen

Russlands Nationalhymne ertönt - und Wladimir Putin kommen die Tränen. Doch die Bilder des weinenden Präsidenten blieben den russischen Fernsehzuschauern verborgen. Sie wurden nicht gezeigt.

YouTube/Tyvshintula Gavaa

Moskau - Wladimir Putins Gesicht bebt, die Augen bleiben geschlossen, doch mehrmals muss sich der russische Präsident die Tränen von den Wangen wischen. Beim Empfang seines mongolischen Amtskollegen Tsakhiagiin Elbegdorj am 3. September hat sich der Kreml-Chef nicht mehr ganz unter Kontrolle - und weint, als die russische Hymne erklingt.

Eine Szene, die den russischen Fernsehzuschauern jedoch verborgen bleibt. Das russische Staatsfernsehen berichtete zwar groß über Putins Sieben-Punkte-Plan für die Ostukraine, den er während seines Besuchs in der Mongolei vorstellte. Bilder des weinenden Staatsoberhaupts aber zeigten sie nicht. Im mongolischen Fernsehen wurde die Szene jedoch ausgestrahlt.

Bilder vom starken Mann

Das russische TV-Publikum ist bei Putin eigentlich Bilder vom starken Mann gewohnt: 2007 ließen seine PR-Strategen ihn mit nackter Brust durch Sibirien reiten, 2008 zu Forschungszwecken mit einem Betäubungsgewehr auf ein seltenes Exemplar des Amur-Tigers feuern. 2010 schoss Putin mit Armbrust in einer nebelverhangenen Bucht auf einen tonnenschweren Wal, um Gewebeproben zu entnehmen.

Im August 2011 stieg Putin im Neoprenanzug ins Schwarze Meer auf der Suche nach altertümlichen Amphoren, im September 2012 steuerte er eigenhändig einen Ultraleichtflieger, um vom Aussterben bedrohte Kraniche zu retten.

Dass dem russischen Machthaber die Tränen so peinlich sind, dass er sie nicht zeigen lässt, ist dennoch erstaunlich. Schließlich zeigte er, der die Macho-Pose so liebt, bereits bei seiner Rückkehr in den Kreml Emotionen: Als er im März 2012 nach seinem überragenden Wahlsieg auf der Bühne stand, den Roten Platz im Rücken und Zehntausende jubelnder Menschen vor sich, flossen bereits Tränen über seine Wangen. Putins Pressesprecher redete die Rührung seines Chefs anschließend allerdings klein, in Wahrheit sei der starke Wind der Grund gewesen.

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Wladimir Putin: Russischer Präsident zeigt seine weiche Seite
Bei der russischen Nationalhymne schluchzt Putin, in der Ukraine-Krise bleibt er hart: Seit Wochen schon dementiert er, die Aufständischen im Osten des Landes militärisch zu unterstützen, auch wenn die Fakten gegen ihn sprechen. Russische Prominente, die sich gegen Putins Kurs aussprechen, werden im Staatsfernsehen diffamiert.

Der Druck auf Putin, der Bewegung in die festgefahrene Situation bringen soll, ist jedoch vertagt: Die EU-Mitgliedstaaten haben zwar neue Sanktionen gegen Russland beschlossen, geben der Regierung in Moskau zugleich aber Zeit zum Einlenken. Die Umsetzung der Strafmaßnahmen wird um einige Tage verzögert.

DER SPIEGEL

beb/vek

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