Besuch in der Türkei Lawrow hält US-Sanktionen für rechtswidrig

Russland schlägt sich auf die Seite der Türkei: Mit den Strafmaßnahmen gegen Ankara und Moskau wollten sich die Amerikaner Handelsvorteile verschaffen, sagte Außenminister Sergej Lawrow.

Sergej Lawrow
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Sergej Lawrow


Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat bei einem Besuch in der Türkei die US-Sanktionspolitik als rechtswidrig bezeichnet. Die Strafmaßnahmen gegen Russland und die Türkei seien ein Weg für die USA, sich einen unfairen Vorteil im internationalen Handel zu verschaffen, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu. "Diese Politik darf nicht fortgesetzt werden", sagte Lawrow. Sie sähen die Verschärfung von Sanktionen als nicht legitime Politik.

Cavusoglu forderte während der gemeinsamen Pressekonferenz, dass die "Ära der Schikanen" enden müsse. Die USA würden nur respektiert, "wenn sie anderen Ländern und ihren Bedenken zuhören und alle als gleich ansehen".

Regierung in Moskau warnte vor Wirtschaftskrieg

Die US-Regierung hatte wegen des Russland angelasteten Anschlags auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia neue Sanktionen angekündigt. Russland hat eine Beteiligung an dem Attentat in Südengland mit dem Nervengift Nowitschok stets bestritten. Die Sanktionen sollen Exportgüter aus den Bereichen Elektronik, Laser, Sensoren sowie Öl- und Gastechnologie betreffen. Sie sollen um den 22. August in Kraft treten. Die Regierung in Moskau warnte vor einem Wirtschaftskrieg mit unabsehbaren Folgen.

US-Sanktionen sind auch ein Grund, warum die türkische Wirtschaft zunehmend unter Druck gerät. Aus Protest gegen die fehlende Unterstützung im Kampf gegen den Erdogan-Rivalen Fethullah Gülen hatten türkische Behörden im Oktober 2016 den evangelikalen Pfarrer Andrew Brunson in Haft genommen. Zu Wochenbeginn hatten die Vereinigten Staaten deshalb ihre Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt. Während der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zuletzt noch Verbalattacken gegen US-Präsident Donald Trump fuhr, schlug sein Außenminister etwas versöhnlichere Töne an. Trumps Antwort steht noch aus.

Unterdessen zogen auch die Kurse der türkischen Banken am Dienstag an der Istanbuler Börse wieder merklich an. Am Morgen legte der türkische Bankenindex rund viereinhalb Prozent zu. Zu Wochenbeginn waren die Anleger aus Angst vor einem Zahlungsausfall der Türkei noch massiv aus den Titeln der türkischen Geldinstitute geflohen.

kev/Reuters/dpa/AFP



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sven2016 14.08.2018
1.
Strafzölle und Handelssanktionen, die dann aber auch alle anderen Handelspartner mitzumachen haben, mehr kann der Immohai aus New York nicht. So lassen sich weder der Welthandel verbessern noch politisches Wohlverhalten erzwingen. Import amerikanischer Elektronik untersagen klingt schlau, wird aber nirgendwo funktionieren. Es sei denn, Herr Erdogan möchte künftig ohne funktionierende Computer auskommen. Weise Ratschläge von Russland führen auch nicht weiter. Raus aus der Ukraine, dann können sie wieder Partner sein.
dunnhaupt 14.08.2018
2. Russische Hegemonie
Die Russen wollen ihren Einfluss über Syrien nun offenbar auf die Türkei ausdehnen. Dazu kann man ihnen nur Glück wünschen.
biesi61 14.08.2018
3. Natürlich handeln die USA rechtswidrig!
Sie verstoßen gegen eine jahrtausende alte Rechtstradition: Keine Strafe ohne Schuld! Im Fall Skripal gibt es nichts als substanzlose Anschuldigungen, keine Beweise, nicht einmal ernsthafte Indizien, absolut nichts! Und der Umgang der USA mit der Türkei ist ebensowenig nachvollziehbar. Der Fall dieses Pfarrers rechtfertigt niemals derart tiefgreifende Sanktionen mit dem Vorschlaghammer. In beiden Fällen ganz klare wirtschaftliche Aggression!
christa.hans 14.08.2018
4. Nicht Russland ...
Nicht Russland biedert sich der Türkei an, Trump treibt die Türkei in die Arme Russlands. Auch die EU wird von Trump immer mehr verprellt . Es werden sich gezwungener maßen neue Koalitionen bilden.
KingTut 14.08.2018
5. Alles hat seinen Grund
Die Sanktionen gegen Russland wurden wegen der Annexion der Krim verhängt sowie aufgrund des Einsatzes von chemischen und biologischen Waffen (Fall Skripal). Bei dem letztgenannten Vorfall greifen die Sanktionen aufgrund eines gesetzlich festgelegten Automatismus, dem sich sogar Trump nicht verschließen konnte. Die Türkei wurde sanktioniert, weil sie einen US-Amerikaner gefangen genommen hat, um die Auslieferung von Herrn Gülen zu erpressen. Beide Länder haben es in der Hand, die Gründe für die US-Sanktionen zu beseitigen und fortan ein konstruktives Mitglied der Völkergemeinschaft zu sein. Dann erübrigen sich auch die Sanktionen. Die USA-kritischen Verlautbarungen der beiden Außenminister sind Theaterdonner, um der eigenen Bevölkerung zu demonstrieren, wie stark man sei.
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