Britischer Sicherheitsberater Russland soll Skripal seit 2013 überwacht haben

Ex-Doppelagent Skripal soll jahrelang vom russischen Geheimdienst beschattet worden sein. Diesen Vorwurf erhebt der Sicherheitsberater der britischen Regierung in einem Brief an Nato-Generalsekretär Stoltenberg.

Krankenhaus in Salisbury
REUTERS

Krankenhaus in Salisbury


Russische Geheimdienste haben den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter nach Angaben der britischen Regierung mindestens fünf Jahre lang ausspioniert. Der Sicherheitsberater von Premierministerin Theresa May schrieb in einem Brief an Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Cyberspezialisten des russischen Militärgeheimdienstes GRU hätten Julija Skripals E-Mail-Konten 2013 ins Visier genommen.

Die britische Nachrichtenagentur Press Association veröffentlichte das Schreiben. Demnach sei es sehr wahrscheinlich, dass russische Geheimdienste zumindest manche Überläufer als legitime Attentatsziele betrachteten.

Der russische Botschafter in London zeigte sich von der Darstellung überrascht. "Wenn wirklich jemand spionierte, warum haben sich die britischen Dienste nicht darüber beschwert?", sagte Alexander Jakowenko.

Der frühere russische Agent Skripal lebt seit 2010 in Großbritannien. Er und seine Tochter, die ihn besuchte, wurden Anfang März zum Ziel eines Giftanschlags und erlitten dabei schwere Verletzungen. Großbritannien und viele andere westliche Staaten machen dafür Russland verantwortlich. Die Regierung in Moskau hat jede Beteiligung zurückgewiesen.

"Codewort FOLIANT"

Im Schreiben des Sicherheitsberaters Mark Sedwill heißt es laut Press Association weiter, Russland verfüge über die "technischen Mittel, die Einsatzerfahrung und ein Motiv für den Angriff auf die Skripals". Es sei "höchst wahrscheinlich", dass der russische Staat für den Anschlag verantwortlich sei.

Laut offenen und Geheimdienstquellen habe die Sowjetunion in den Achtzigerjahren Gifte der Nowitschok-Gruppe auf einem Stützpunkt bei Wolgograd entwickelt. Das "Codewort für das offensive Chemiewaffenprogramm (zu dem Nowitschok zählte) war FOLIANT". Nowitschok ist das Gift, das nach Angaben der britischen Regierung bei dem Angriff auf die Skripals verwendet wurde.

Als Russland 1993 dann der Chemiewaffenkonvention beigetreten sei, seien "wahrscheinlich" geringe Mengen des Gifts dem russischen Militär überlassen worden, schrieb Sedwill demnach. In den Jahren nach 2000 seien in Russland Armeeangehörige darin ausgebildet worden, diese Waffen zu nutzen, darunter auch durch den Einsatz auf Türklinken. Die höchste Konzentration des Gifts wurde laut britischen Ermittlern an der Haustür Sergej Skripals gefunden.

cte/Reuters/AFP



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