Krimkrise Russische Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen ukrainische Matrosen

Seit einer Woche hält Russland 24 ukrainische Marinesoldaten fest. Nun gibt es eine offizielle Anklage. Kiew kämpft für ihre Freilassung.

Ein Offizier des russischen Nachrichtendienstes FSB (l.) und ein ukrainischer Marinesoldat
DPA

Ein Offizier des russischen Nachrichtendienstes FSB (l.) und ein ukrainischer Marinesoldat


Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eskalierte vor gut einer Woche. Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung auf dem Meer vor der Halbinsel Krim setzten russische Soldaten 24 ukrainische Marine-Matrosen fest. Sie kamen allesamt in Untersuchungshaft. Jetzt hat die russische Staatsanwaltschaft offiziell Anklage sie erhoben.

Den Matrosen werde illegaler Grenzübertritt vorgeworfen, meldete die Agentur Tass unter Berufung auf Nikolai Polosow, den Anwalt der Matrosen. Er habe jedoch keinen direkten Kontakt zu seinen Klienten, seit sie von der Krim nach Moskau verlegt wurden. Die Matrosen sollen mindestens zwei Monate in Untersuchungshaft bleiben.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verlangte, dass die russische Regierung offenlege, wo die Matrosen sich befänden und wie es ihnen gehe. Zudem solle Moskau eindeutig juristisch die Festnahmen begründen. Kiew werde weiter alles für die baldige Rückkehr aller in Russland gefangenen Ukrainer unternehmen, twitterte Poroschenko.

Putin glaubt nicht an Frieden

Die neueste Eskalation löste international große Besorgnis aus - auch, weil sich der Konflikt nach dem Vorfall in der Meerenge von Kertsch weiter zuspitzte. Zunächst verhängte Kiew in großen Teilen des Landes das Kriegsrecht. Russland, das die Konfrontation im Meer als "Provokation" der Ukraine darstellt, kündigte eine Verstärkung der Luftabwehr auf der Krim an, wenige Tage später verhängte die Ukraine eine Einreisesperre für russische Männer zwischen 16 und 60 Jahren.

Auch auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires war der Streit ein wichtiges Thema. Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte, in der argentinischen Hauptstadt in einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu vermitteln. Der Kreml-Chef allerdings hält Frieden mit der Ukraine für ausgeschlossen.

US-Präsident Donald Trump hatte ein geplantes Treffen mit Putin schon am Vortag des Gipfels abgesagt. Er nannte die festgenommenen Seeleute, die nun angeklagt wurden, als Begründung. Letztlich sprachen sie aber doch noch kurz über die Ukraine.

aev/dpa

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