Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kampfjets und Raketen: Russland stoppt brisante Waffenlieferungen an Syrien

Abwehrraketen und Kampfjets: Russland stoppt Export nach Syrien Fotos
DPA

Die Regierung in Moskau hat offenbar den Export einiger besonders umstrittener Waffensysteme nach Syrien eingestellt. Offizielle Begründung: Das Assad-Regime soll seine Rechnungen nicht bezahlt haben. Die Lieferung der Rüstungsgüter käme derzeit zu einem brisanten Zeitpunkt.

Moskau - Die geplanten Deals sorgen seit Jahren für Ärger zwischen den USA und Russland: Syrien will in Moskau hochentwickelte Flugabwehrraketen des Typs S-300 kaufen, dazu eine modernisierte Variante des Kampfjets MiG-29 sowie Flugzeuge des Typs Jakowlew Jak-130.

Jetzt wird es laut Medienberichten bis auf weiteres zu keiner Lieferung kommen. Der angebliche Grund: Die syrische Regierung soll ihre Rechnungen nicht bezahlt haben. Nach dem Eingang der ersten Raten habe das Regime von Präsident Baschar al-Assad die Zahlungen unvermittelt ausgesetzt, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des staatlichen Rüstungskonzerns Rosoboronexport der russischen Tageszeitung "Kommersant".

Die geplanten Lieferungen von zwölf MiG-29M/M2, sechs Raketenabwehrsystem S-300 PMU-2 und 36 Trainingsflugzeugen Jak-130 seien auf Eis gelegt worden. Es gebe aber keinen politischen Hintergrund, sagte der Mitarbeiter. "Wir hoffen, dass die Verträge in vollem Umfang erfüllt werden können." Verhandlungen mit einer syrischen Militärdelegation in Moskau seien aber erfolglos verlaufen, sagte er. Kreml-Berater Juri Uschakow habe die Probleme indirekt bestätigt, berichtete "Kommersant".

Dass politische Gründe bei der Entscheidung überhaupt keine Rolle gespielt haben, erscheint allerdings schwer vorstellbar. In den vergangenen Jahren hatten besonders die USA und Israel vor allem den geplanten Export des Abwehrsystems S-300 scharf kritisiert. Die Uno-Vetomacht Russland hatte dagegengehalten, dass es kein bindendes Waffenembargo gegen Syrien gebe. Ob aber tatsächlich bereits S-300-Batterien nach Syrien geliefert wurden, erscheint unwahrscheinlich.

Die "PMU-2"-Variante des S-300-Systems wurde 1997 eingeführt, soll über eine Reichweite von 195 Kilometern verfügen und nicht nur Flugzeuge, sondern auch ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen abschießen können. Würde ein russisches S-300 westliche Kampfflugzeuge über Syrien abschießen, könnten die politischen Folgen gravierend sein.

100 Millionen Dollar waren bereits gezahlt

Auch die Jak-130 wäre für das syrische Regime wertvoll gewesen. Zwar wird die Maschine meist als Trainingsflugzeug bezeichnet, kann aber auch bis zu drei Tonnen Waffen tragen und wäre dann als leichter Jagdbomber gegen Aufständische einsetzbar. Syrien hatte bereits 100 Millionen Dollar für die Flugzeuge angezahlt. Die erste Lieferung sollt noch in diesem Jahr erfolgen, eine zweite erst nach Zahlung einer weiteren Rate, berichtete "Kommersant" unter Berufung auf Kreise aus Russlands Rüstungsindustrie.

Die MiG-29M/M2 wiederum ist eine der modernsten Varianten des 1983 in Dienst gestellten Kampfjets. Die Variante gilt durch diverse Verbesserungen nun als Mehrzweck-Kampfjet, der sowohl Luft- als auch Bodenziele bekämpfen kann.

Offen ist allerdings, ob sämtliche Waffenlieferungen Russlands an Syrien von dem aktuellen Stopp betroffen sind. Russland hat Syrien in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Insbesondere die Flugabwehr des Assad-Regimes hat davon profitiert, selbst wenn keine S-300 geliefert worden sein sollten. So besitzt Syrien eine große Menge kleinerer Abwehrraketen sowie zahlreiche Kampfflugzeuge und Hubschrauber aus russischer Produktion.

Und derartige Waffen dürften für das Assad-Regime eine weit größere Rolle spielen als etwa Überschall-Kampfflugzeuge wie die MiG-29. Deren Lieferung sei "weder militärisch noch politisch sinnvoll, weder für Moskau, noch für Damaskus", sagte Konstantin Makienko vom Moskauer Rüstungs-Think-Tank Cast. Assad brauche für den Kampf gegen die Rebellen eher Panzer, Gewehre und Kampfhubschrauber. Zudem sind sich Experten weitgehend einig darin, dass die syrische Luftwaffe und Luftverteidigung gegen einen massiven Angriff des Westens ohnehin nicht allzu lange bestehen würde.

Russland hatte bereits einige der für Syrien gedachten MiGs hergestellt, sie aber wegen des andauernden Konflikts nicht geliefert. Die Jets wurden unter anderem Ende 2011 auf einer russischen Militärbasis vor den Toren Moskaus gesichtet.

Nach Angaben des Rüstungs-Fachblatts "Jane's Defense Weekly" hat Russland für die Kampfflugzeuge inzwischen womöglich andere Abnehmer gesucht. So soll Moskau Serbien den Kauf von sechs bis acht MiGs angeboten haben, die ursprünglich für Assad gebaut worden waren.

beb/mbe/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 169 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Massenmord durch russiche Waffen-das übliche
yokya 31.08.2013
Mich wundert einfach wenn die Rebellen schon soviel C-Waffen in Damaskus abschussbereit hatten, dann warum haben die das Zeug nicht ins Regierungsviertel abgeschossen und beschiessen sich selbst mit alles möglichem...Es hat immer noch sinnvolle Verschwörungstheorien und sinnlose. Die Kommentare hier sind sehr aufschlussreich, die Wurzeln von Nazismus zu studieren... Der Chef der syrischen Militärpolizei ist zu den Rebellen übergelaufen. In einem Video beschimpft Abdelasis al-Schalal die Soldaten als marodierende und mordende Banden. Die Freie Syrische Armee umfasste im Juni 2013 etwa 80.000 bewaffnete Kämpfer.[5] Im Dezember 2011 gab es nach Angaben der Aktivisten etwa 15.000 bis 25.000 Überläufer von den syrischen Streitkräften Generalmajor Adnan Sillu war unter Präsident Baschar al-Assad verantwortlich für das syrische Chemiewaffenprogramm. Im Juli lief er zu den Aufständischen über und flüchtete in die Türkei ins Exil. In einem Interview mit dem US-Sender «National Public Radio» warnte Sillu vor einem «letzten Verzweiflungsakt» Assads. Er ist überzeugt, dass der syrische Präsident den Einsatz von Senfgas, Sarin will. (RIA NOVOSTI)
2. Das ist gut so, denn
yokya 31.08.2013
Damaskus ist laut dem früheren syrischen Armeegeneral Adnan Sillu bereit, im bewaffneten innersyrischen Konflikt Chemiewaffen „unter äußersten Umständen“ einzusetzen. "Wir haben über den Einsatz chemischer Waffen ernsthaft diskutiert, auch darüber, wie und wo diese angewendet werden könnten", sagte der in die Türkei geflohene Generalmajor Sillu der britischen Zeitung „The Times“. Der Einsatz von Chemiewaffen sei als äußerste Maßnahme für den Fall diskutiert worden, dass das Regime die Kontrolle über eine wichtige Ortschaft wie zum Beispiel Aleppo verliert, so Sillu. Laut Sillu, der in der Armee für Chemiewaffen zuständig war, war mit der Erörterung von Möglichkeiten zum Einsatz von Chemiewaffen gegen die Bevölkerung und die militante Opposition das Maß seiner Geduld erschöpft. Dies hätte für ihn den Ausschlag zum Verlassen der Regierungsarmee gegeben. Die syrischen Militärs hätten auch erwogen, Chemiewaffen an die libanesische rad ikal-islamische Hizbollah zu übergeben. Die mit Chemiewaffen bestückten Gefechtsköpfe von Raketen sollten dann gegen Israel eingesetzt werden. (RIA NOVOSTI)
3. Umsichtiger Putin
aljoschu 31.08.2013
Ich würde mir wünschen, dass die Herrschenden in den USA einmal vergleichbare Umsicht walten ließen wie der Herrscher im Kreml. Warum verspricht eigentlich keine der Kleingeister in der deutschen Parteienlandschaft in ihrem Programm, die Beziehungen zu Russland zu intensivieren? Warum verspricht keines der Programme, dem Whistleblower Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren? - Dafür wäre es doch höchste Zeit.
4. echt ?
uspae2007 31.08.2013
man wirft ein Stück Speck hin, und die Hunde werfen sich darauf. Natürlich wird jetzt Russland wirklich solche Dinge bringen. Der Westen ist nicht nur dumm, sondern auch noch naiv. Also lasst die Jets fliegen, wir lachen und sammeln auf.
5. Die Meldungen überschlagen sich mal wieder
Ottokar 31.08.2013
Glaubwürdig oder nicht. Ich lese morgen weiter.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite



PDF-Download


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: