Hyperschall-Waffe Russland verkündet erfolgreichen Test von Hyperschall-Rakete

Mit der Rakete "Avangard" will Russland Abwehrsysteme etwa der Amerikaner aushebeln. Die neue Hyperschall-Waffe habe den abschließenden Test bestanden, heißt es aus Moskau. 2019 soll sie einsatzbereit sein.

RUSSIAN DEFENCE MINISTRY PRESS SERVICE/HANDOUT/EPA-EFE/REX

"Russland hat eine neue strategische Waffe", sagte Präsident Wladimir Putin nach dem Test, der am heutigen Mittwoch im russischen Fernsehen übertragen wurde. Der abschließende Test der neuen Überschallrakete sei "absolut erfolgreich" gewesen. Die Interkontinentalrakete "Avangard" werde ab 2019 einsatzbereit sein.

Nach Angaben des Kremls gab Putin den Befehl zum Test von einem Kontrollzentrum in Moskau aus. Die Überschallrakete sei im Süden Russlands gestartet und habe ihr Ziel 4000 Kilometer entfernt auf der Halbinsel Kamtschatka im äußersten Osten Russlands erreicht. Die Nachrichtenagentur "Ria Novosti" hat ein Video veröffentlicht, das den Start der Rakete zeigen soll.

Putin hatte das "Avangard"-System im März vorgestellt und es als "unbesiegbar" bezeichnet. Die Überschallrakete sei 20 Mal schneller als die Schallgeschwindigkeit und könne auf- und abbewegt werden, sagte er damals. Sie könne Raketenabwehrsysteme durchbrechen. Eine Geschwindigkeit von Mach 20 entspricht 25.000 km/h.

"Unvorhersehbare Flugbahn"

In einem PR-Video war damals zu sehen, wie die "Avangard" Abwehrsysteme weiträumig umkurvt und in wechselnden Höhen unterwegs ist. Herkömmliche ballistische Raketen können solche Flugmanöver kaum ausführen. Nach einer kurzen Boost-Phase direkt nach dem Start fliegen sie antriebslos Richtung Ziel. Kleine Steuerklappen können die Flugbahn zwar minimal korrigieren - die Bahn steht jedoch nach Ende der Boost-Phase weitgehend fest.

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Russlands neue Waffe: Die Hyperschall-Rakete "Avangard"

Das "Avangard"-System werde in der Lage sein, jedes Raketenabwehrsystem der nächsten 30 bis 50 Jahre zu überwinden, erklärte ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums. Die Rakete könne auf einer "unvorhersehbaren Flugbahn" auch durch untere Schichten der Atmosphäre fliegen. Die Tests der Hyperschall-Rakete seien nun abgeschlossen, die Herstellung laufe bereits seit Juli. 2019 sollen nach Angaben von "Ria Novosti" 31 Systeme der Interkontinentalraketen "Yars" und "Avangard" in Dienst gestellt werden.

Streit mit den Amerikanern

Die Ankündigung Putins zum neuen "Avangard"-System erfolgt vor dem Hintergrund eines möglichen neuen Wettrüstens: US-Präsident Donald Trump hatte im Oktober den Rückzug seines Landes aus dem INF-Abrüstungsvertrag von 1987 angekündigt. Putin drohte mit der Entwicklung neuer Atomraketen, sollten die USA ihre Ankündigung umsetzen.

Die USA werfen Russland vor, gegen den INF-Vertrag zu verstoßen. Der 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossene Abrüstungsvertrag sieht die Abschaffung aller bodengestützten, nuklear bestückbaren Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite über 500 Kilometer vor. Im Dezember räumte Washington Moskau eine letzte Frist von 60 Tagen bis Mitte Februar ein, um zu den Bestimmungen des Vertrags zurückzukehren.

hda/AFP



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