Moskau/Damaskus - Die Angaben zur Fracht waren lapidar: Banknoten. So lautete laut einem Bericht des für investigativen Journalismus bekannten US-Dienstes ProPublica ein Posten auf der Liste von insgesamt acht Flügen zwischen Moskau und Damaskus in der Zeit vom 9. Juli und 15. September.
Das Flugzeug: eine Iljuschin 76, betrieben von der syrischen Armee. Die Transportmaschine hatte dem Bericht zufolge bei jedem der acht Flüge reichlich Banknoten geladen. 30 Tonnen pro Flug, insgesamt also 240 Tonnen. Die Iljuschin nahm nicht den direkten Weg über die Türkei, um an ihr Ziel zu kommen. Stattdessen flog sie über Aserbaidschan, Iran und Irak nach Damaskus - das Verhältnis zwischen den Regierungen in Ankara und Damaskus ist seit Monaten äußerst angespannt. Im Oktober zwangen türkische Jets eine syrische Passagiermaschine zur Landung, weil die Behörden in Ankara vermuteten, dass das Flugzeug Waffen an das Regime von Machthaber Baschar al-Assad liefern wollte.
Unklar ist laut dem ProPublica-Bericht, ob bei den acht Flügen nach Damaskus syrische Pfundscheine oder auch harte Währungen transportiert wurden. Regierungsvertreter in Damaskus und Moskau wollten demnach auch keine Angaben zur Authentizität der in Englisch und Farsi geschriebenen Flugdaten machen, auf die sich das Portal beruft. ProPublica gelang es allerdings, die einzelnen Flüge durch internationale Flugzeug-Tracking-Dienste sowie Fotos sogenannter Planespotter und Aufnahmen der Flugsicherung nachzuweisen.
Syriens Geldknappheit
Sicher ist: Das Assad-Regime leidet unter Geldknappheit, die ihm schon seit Monaten zusetzt. Westliche Geheimdienste wie der Bundesnachrichtendienst analysierten schon im Sommer, dass der Machtzirkel rund um den Diktator hektisch versuchte, an frische Devisen, aber auch an neues syrisches Geld zu kommen - um seinen letzten Unterstützern im Land zu helfen und auch dringend benötigte Importgüter wie Diesel und Mehl aus dem Ausland zu beschaffen.
Die ausländischen Devisen des Regimes dürften laut den Erkenntnissen der Geheimdienste mittlerweile so gut wie aufgebraucht sein. Mit dem frischen Geld, das die Maschinen aus Russland gebracht haben sollen, könnte die Regierung immerhin bei den Nachbarn Syriens noch Lebensmittel und vielleicht auch Sprit einkaufen, so die aktuelle Einschätzung aus Geheimdienstkreisen. "Das syrische Pfund ist nicht gerade so beliebt wie der Euro oder der Dollar", so ein Analyst eines westlichen Dienstes, "doch in Iran kann man mit der Währung zumindest noch zahlen - bisher jedenfalls."
Assad benötigt Geld, um seine Kriegsmaschinerie in Gang zu halten
In der Vergangenheit hatte die Österreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH, eine Tochtergesellschaft der österreichischen Zentralbank, syrische Banknoten gedruckt. Der Auftrag wurde beendet, als die Europäische Union Sanktionen gegen das Assad-Regime beschloss, das seit Monaten mit Gewalt gegen Aufständische im eigenen Land vorgeht. Auch die USA haben weitreichende Sanktionen gegen das Regime verhängt.
Für Assad werde es auch wegen der Strafmaßnahmen zunehmend schwierig, "die Kriegsmaschinerie zu finanzieren", sagte ein US-Regierungsvertreter laut dem Bericht. Allerdings konnte sich Syrien zuletzt immer noch auf seinen Verbündeten in Russland verlassen. Moskau hat im Uno-Sicherheitsrat nicht nur Sanktionsbemühungen gegen das Assad-Regime erschwert, es lässt auch syrische Banknoten drucken. Syriens Vizepremier Qadri Jamil hatte den Vertrag mit der russischen Druckerei Gosnak im vergangenen Sommer gefeiert und als "Triumph" über die westlichen Sanktionen bezeichnet.
David Butter, Nahost-Experte beim britischen Think-Tank Chatham House, sagte dem "Independent", dass Syrien das Geld vermutlich dafür benötige, um Soldaten und Behörden zu bezahlen. Das System der Steuereinnahmen liege infolge des blutigen Aufstands in dem Land praktisch danieder, die Einnahmen aus Ölverkäufen seien um rund 90 Prozent zurückgegangen. Zudem hat das syrische Pfund seit März 2011 - dem Beginn des Aufstands gegen Assad - 44 Prozent seines Wertes verloren.
Offen ist laut dem ProPublica-Bericht, ob es sich bei den Geldlieferungen Russlands ausschließlich um Banknoten handelte, die in dem Druckvertrag der beiden Länder vereinbart wurden - oder ob Moskau auch direkte finanzielle Hilfe an das Land leistete.
Es sei durchaus denkbar, dass Damaskus mit ausländischen Devisenreserven unterstützt würde, sagte Juan Zarate, einst Sicherheitsberater und Terrorismusexperte in der US-Regierung von George W. Bush. So habe etwa China Nordkorea unterstützt, Venezuela wiederum habe Iran geholfen.
hen/mgb
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