Russischer Propaganda-Troll "Unser Ziel war, Unruhen in den USA zu provozieren"

Immer gegen Hillary Clinton - und bloß nicht mit einer russischen IP-Adresse auffallen! Ein Ex-Mitarbeiter einer Kreml-nahen Troll-Fabrik erzählt, wie er Einfluss auf die öffentliche Meinung in den USA nehmen sollte.

In diesem Gebäude saß die Troll-Fabrik in Sankt Petersburg.
AP

In diesem Gebäude saß die Troll-Fabrik in Sankt Petersburg.


Wie sahen Russlands Versuche aus, Einfluss auf die US-Politik zu nehmen? Recherchen des russischen Senders "TV Rain" beleuchten eine Facette der wohl von Moskau gesteuerten und gegen die US-Demokraten gerichtete Kampagne.

TV Rain ist ein Kreml-kritischer Kanal, der vor allem über das Internet verbreitet wird. Der Sender strahlte am Samstag ein Interview mit einem jungen Mann aus, der offenbar für eine berüchtigte russische Troll-Fabrik gearbeitet hat. (Hier geht es zu dem russischen Bericht.) Auf Weisung seiner Vorgesetzten hätten er und andere Mitglieder seiner Abteilung auf Englisch Kommentare für Foren von US-Medien wie der "New York Times" und der "Washington Post" verfasst.

"Es gab das Ziel, die Meinung zu beeinflussen, die Diskussion zu lenken", so der Mann, der in dem Bericht als "Maxim" vorgestellt wird. "Wir hatten das Ziel, die Amerikaner gegen ihre Regierung aufzubringen", sagte er. Der Auftrag sei gewesen, "Unruhen in den USA zu provozieren, Unzufriedenheit hervorzurufen, die Umfragewerte von Obama zu senken".

Immer gegen Clinton

Er und seine Kollegen von der "internationalen Abteilung" hätten sich als eine Art Elite verstanden. Während Beiträge für Foren russischer Medien häufig plump gehalten seien ("Obama ist ein Affe, Putin ist toll"), hätten seine Vorgesetzten für ähnlich platte Posts auf Englisch sogar Strafen verhängt.

Wichtigstes Ziel der Attacken sei immer die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gewesen. Er habe immer über geleakte E-Mails schreiben sollen und "dass sie reich ist".

Um seine Spur nach Russland zu verwischen, habe er eine VPN-Verbindung ins Internet genutzt. Wer mit einer russischen IP-Adresse ertappt wurde, sei unverzüglich gefeuert worden. Um nicht mit gebrochenem Englisch aufzufallen, "hatten wir Englischstunden: Wir haben unsere Kommentare gegenseitig auseinandergenommen. Welche Fehler machen wir, wie sollte man nicht schreiben?"

"Auf religiöse Themen hinlenken"

Bei der Troll-Fabrik handelt es sich laut TV Rain um die berüchtigte "Internet Research Agency". Laut US-Medien schaltete die Firma im Wahlkampf für 100.000 Dollar bei Facebook Anzeigen. Diese Anzeigen warben entweder direkt für Donald Trump, sollten Clinton diskreditieren oder aber bereits vorhandene Konflikte in der amerikanischen Gesellschaft verstärken.

Ähnlich beschreibt es auch der Ex-Troll im TV-Bericht: "Die verbreitetsten Themen waren das Waffenrecht und Homosexuelle. Wenn es um Homosexuelle ging, sollten wir fast immer auf religiöse Themen hinlenken."

In der Vergangenheit hatten bereits ehemalige Mitarbeiter der "russischen Abteilung" der Troll-Fabrik über ihre Arbeit berichtet (zum Beispiel hier). Die Redaktion von TV Rain hält die Angaben ihres Gesprächspartners für glaubhaft. In seinen Arbeitspapieren fänden sich Einträge der Troll-Fabrik.

Hintermann des Unternehmens soll der Sankt Petersburger Geschäftsmann Jewgenij Prigoschin sein. Er soll mit Präsident Wladimir Putin gut bekannt sein - und ein Vermögen mit lukrativen Staatsaufträgen gemacht haben.

beb



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