Verfolgungskampagne in Russland "Schwule sind Teufel. Nehmt sie alle mit"

In Tschetschenien sollen Dutzende schwule Männer gefoltert und ermordet worden sein. Nun hat sich Republikchef Ramsan Kadyrow im US-Fernsehen dazu geäußert.

Republikchef Kadyrow (Archiv)
AFP

Republikchef Kadyrow (Archiv)


Russlands muslimisch geprägte Unruheprovinz Tschetschenien will sich ein modernes Gesicht geben. Republikchef Ramsan Kadyrow hat in der Hauptstadt Grosny ein Hochhausviertel errichten lassen. Daneben bauen Arbeiter am Akhmat Tower, der Wolkenkratzer soll einmal mit 435 Metern Europas höchstes Haus werden.

Nun hat der vom Kreml gestützte Kadyrow dem US-Sender HBO ein entlarvendes Interview gegeben. Es lässt erkennen, wie es hinter Tschetscheniens glänzenden Fassaden in Wirklichkeit aussieht. Reporter David Scott sprach Kadyrow auf Berichte über die Verfolgung und Ermordung Homosexueller in Tschetschenien an. Das sei Unsinn, sagte Kadyrow. Dann setzte er zu einer hasserfüllten Tirade an. "Bei uns gibt es solche Leute gar nicht. Wir haben keine Schwulen. Und wenn es sie gibt, nehmt sie mit nach Kanada, weit weg von uns, damit unser Blut gesäubert wird."

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TV-Mann Scott setzte nach: Berichte über Folter müssten Kadyrow als obersten Repräsentanten Tschetscheniens doch beunruhigen, schließlich gehe es um "Recht und Ordnung in der Republik". "Sie sind Teufel", erwiderte Kadyrow. "Sie sind käuflich. Sie sind keine Menschen. Sollen sie verflucht sein."

Die regierungskritische russische Zeitung "Nowaja Gaseta" hatte im März von einer gezielten Verfolgungskampagne gegen Homosexuelle in der Kaukasusrepublik berichtet. Seit Februar wurden demnach mehr als hundert tatsächlich oder vermeintlich homosexuelle Männer von Milizen des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow verschleppt und inhaftiert, mindestens zwei von ihnen sollen an Folgen von Misshandlungen gestorben sein. Die Bundesrepublik hat einem schwulen Tschetschenen ein humanitäres Visum ausgestellt, um ihm die Einreise zu ermöglichen.

beb



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