Mittelmeer und Atlantik Russische U-Boote nahe Datenkabeln machen Nato nervös

Am Grund des Atlantiks liegen Datenkabel, die den Internet- und Telefonverkehr zwischen Europa und Nordamerika sicherstellen. Entlang der Kabeltrassen sind immer mehr russische U-Boote unterwegs. Die Nato ist besorgt.

Russisches Atom-U-Boot "Dmitri Donskoj"
Getty Images

Russisches Atom-U-Boot "Dmitri Donskoj"


Russische U-Boote sind zunehmend im Mittelmeer und im Atlantik unterwegs. Dabei konzentrieren sie sich besonders auf die Gebiete, in denen Datenkabel verlaufen, sagte Andrew Lennon, Kommandeur der U-Boot-Streitmacht der Nato. "Wir sehen eine russische Aktivität unter Wasser in der Nähe der Unterseekabel, wie wir sie noch nie gesehen haben. Russland interessiert sich ganz offensichtlich für die Infrastruktur der Nato und ihrer Mitgliedstaaten", sagte Lennon der "Washington Post".

Die Kabel stellen den Internetverkehr und andere Kommunikationsverbindungen nach Europa und Nordamerika sicher. Über diese Kanäle würden auch täglich Handelsgeschäfte im Umfang von Billionen Dollar abgewickelt. Wenn es gelänge, diese Verbindungen zu kappen, hätte das immense Folgen für die globale Wirtschaft. Würden die Kabel angezapft, könnten sie Moskau wertvolle Einblicke in den internationalen Internetverkehr geben.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilt die Besorgnis seiner Militärs: "Russland hat massiv in seine Marine investiert, insbesondere in U-Boote", sagte Stoltenberg der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Seit 2014 seien 13 weitere U-Boote ausgeliefert worden. Die U-Boote operierten überall im Atlantik und auch näher an den Küstenlinien der Nato-Staaten.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg beklagt eigene Defizite

Stoltenberg wies auf die Gefahr hin, dass die Verbindung zwischen den Verbündeten in Europa und in Nordamerika gekappt werden könnte. "Wir sind ein transatlantisches Bündnis, und wir müssen deshalb in der Lage sein, Truppen und Ausrüstung über den Atlantik zu transportieren. Wir brauchen dafür sichere und offene Seewege." Zugleich wies der Nato-Generalsekretär auf Defizite der eigenen Seestreitkräfte hin. "Nach dem Ende des Kalten Kriegs hat die Nato ihre Fähigkeiten zur See vermindert, insbesondere in der Bekämpfung von U-Booten. Wir haben weniger geübt und Fertigkeiten eingebüßt", sagte Stoltenberg.

Als Reaktion darauf plant das Militärbündnis einen speziellen Kommandoposten für den Nordatlantik wieder einzurichten, den man nach Ende des Kalten Kriegs abgeschafft hatte. Zudem wollen die Nato-Verbündeten ihre Fähigkeiten zur Bekämpfung von U-Booten zügig ausbauen.

Die russischen Aktivitäten unter Wasser fügen sich in ein Muster: Am Himmel dringen Moskaus Militärflugzeuge regelmäßig in den Luftraum von Nato-Staaten ein, im September führte die Armee das Großmanöver "Sapad" an der Grenze zu mehreren Nato-Mitgliedstaaten durch.

syd/Reuters/dpa



insgesamt 164 Beiträge
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Bürger Icks 23.12.2017
1. Diese unsägliche Kriegstreiberei
muss langsam mal ein Ende finden, aber scheinbar braucht da jemand einen Krieg um von den Problemen zu Hause abzulenken. Die NSA und all die Konzerne wie Google und Facebook, die nicht nur mit U-Booten an Datenkabeln entlang tauchen sondern sich Zutritt zu unser alles Privatsphäre verschaffen und alles sammeln und speichern, wenn man nicht explizit etwas dagegen tut, die machen die NATO aber nicht nervös, oder? Warum nicht?
0pti0nal 23.12.2017
2. Sind Sie auch schon so nervös?
Ich sage nur USS Jimmy Carter http://www.spiegel.de/politik/ausland/die-uss-jimmy-carter-soll-fuer-die-nsa-glasfaserkabel-anzapfen-a-908815.html Wenn die USA die eigenen NATO Parter ausschnorchelt das natürlich okay.
divb0 23.12.2017
3. Konjunktiv
Was heißt "Wenn es gelänge"? Es ist kein Problem die Kabel zu zerstören oder? Und auch das abhören ist bei Lichtwellenleitern ohne Probleme möglich: Man krümmt den Lichtwellenleiter und koppelt Strahlung in einen parallel verlegten Leiter ein.
quark2@mailinator.com 23.12.2017
4.
Was ich selber denk und tu ... Ist ja nun lange genug bekannt, daß die USA solche Dinge im Kalten Krieg gemacht haben und das sie paar ihrer U-Boote speziell ausgerüstet haben, um an solchen Kabeln in Ruhe arbeiten zu können. Wenn man sich entsinnt, wie wenig effektiv dagegen die russische Seite war, als es darum ging, die Leute aus der Kursk zu holen (und auch danach noch mal bei einem kleineren Wartungs-U-Boot) ... das riecht ziemlich nach "Haltet den Dieb" ... zumal es die USA dank der 5-Eyes-Koalition und dem Fakt, daß nahezu jedes wichtige Betriebssystem von dort kommt, nicht nötig haben, Löcher zu graben, weil sie eh überall reinkommen. Aber hey, der böse Russe ... hätte 1995 nicht gedacht, daß wir 20 Jahre später wieder mit diesem dusseligen Feindbild rumhängen.
robertgsm 23.12.2017
5. Ziele??
Ich über lege die ganze Zeit was Russland für ein Vorteil hat den "Westen" zu schaden. Russische Bürger nutzen ebenfalls Facebookn und Google, kaufen auch Bitcoins. Ich denke der Nato gehts um sich selbst.
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