Presseschau zu Russland-Ukraine-Konflikt Frostiger Wind

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine droht zu eskalieren. Die internationale Presse fürchtet ein erneutes Aufflammen der Kämpfe in der Ostukraine - und spekuliert darüber, was der Westen tun sollte.

Russlands Präsident Wladimir Putin
AP

Russlands Präsident Wladimir Putin


Nach einem Vorfall im Asowschen Meer hat sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bedrohlich zugespitzt. Am Wochenende hatte die russische Küstenwache Patrouillenbooten der ukrainischen Marine die Durchfahrt in der Meerenge von Kertsch vor der annektierten Halbinsel Krim verweigert. In der Ukraine wurde daraufhin ein 30-tägiges Kriegsrecht verhängt. (Eine Erklärung, was das bedeutet, finden Sie hier.) International sorgt die jüngste Eskalation im Konflikt um die von Russland annektierte Insel Krim für Besorgnis.

Ein Blick auf internationale Medienreaktionen:

"Wenn frostige Winde wehen, gibt es weder Gute noch Böse", schreibt die regierungsnahe Budapester Tageszeitung "Magyar Idök". Erst recht dürfe niemand in diesem Konflikt zum moralischen Sieger erklärt werden, heißt es weiter. Bisher gebe es nicht mal in Ansätzen eine Lösung für den Konflikt, "weil man sich nicht nur (im Westen) vor dem (russischen) Bären fürchtet, sondern auch, weil der Bär nicht unbedingt einen zu starken Gegner angreifen würde", schreibt das Blatt weiter. Langfristig sei es jedoch vorstellbar, dass die Ukraine zu wertvoll und strategisch interessant sei, "als dass sie in echtem Frieden und frei von ausländischer Einmischung leben könnte".

Im niederländischen "De Volkskrant" fragt man sich, welche Auswirkungen die jüngste Eskalation in dem Konflikt für die Ostukraine haben könnten. "Die Machthabenden in den Separatistengebieten Donezk und Luhansk stehen wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation zunehmend unter Druck", heißt es. Das Blatt fürchtet ein erneutes Entflammen der Kämpfe an den Fronten. Außerdem heißt es: "Der Kreml weiß, dass die Ukraine wenig gegen den russischen Vorstoß ausrichten kann, das Asowsche Meer langsam, aber sicher zu einem ausschließlich russischen Gewässer zu machen."

In anderen Medien wird vor allem thematisiert, wie der Westen auf die jüngsten Entwicklungen reagieren soll. So schreibt die britische "Financial Times": "Westliche Staaten werden sich wie schon 2014 davor hüten, einen militärischen Schlagabtausch mit Russland zu riskieren." Gleichzeitig sollten sie jedoch klarmachen, dass sie nicht einfach zuschauen würden, wenn Russland das Asowsche Meer ebenso annektiere wie die Krim. Das Blatt spricht sich für neue Sanktionen gegen Moskau aus, sollte Russland nicht die freie Durchfahrt für ukrainische Schiffe garantieren.

Der Vorfall sei eine wichtige Bewährungsprobe für Donald Trump, heißt es weiter in der "Financial Times". Der US-Präsident hätte seinem Vorgänger Barack Obama die Schuld am Verlust der Krim zugewiesen, während er sich zugleich weigere, (Russlands Präsidenten Wladimir) Putin zu kritisieren.

Die "Neue Zürcher Zeitung" plädiert dafür, dass der Westen die Ukraine unterstützt. Das Blatt schreibt: "Moskau scheint gewillt, die Krim als 'Flugzeugträger' zu nutzen, um seine Macht über weite Teile des Gewässers zu entfalten." Die Nato müsse hier die Ukraine entschiedener unterstützen, durch verstärkte Patrouillen und Militärhilfe. Vor allem aber müsse der Ukraine-Konflikt auf der politischen Prioritätenliste wieder höher rücken. Das Interesse daran sei in den letzten Jahren merklich gesunken, und neue Ideen seien rar.

asc/dpa/AFP

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