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Russisch-chinesisches Seemanöver: Kanonengrollen im Mittelmeer

Von und

Fotostrecke: Waffenschau im Mittelmeer Fotos
AP

Die Botschaft an den Westen ist deutlich: Erstmals feuern russische und chinesische Schiffe gemeinsam bei einer Übung auf dem Mittelmeer. Die zehntägige Militäraktion soll erst der Anfang sein.

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Zwar betonen zumindest die Russen, dass sich die "Übung gegen keine Dritte Partei" richtet. Doch was da derzeit im Mittelmeer passiert, darf getrost als militärischer Machtbeweis verstanden werden - in Richtung Washington. Russland und China halten erstmals gemeinsam ein Militärmanöver auf dem Mittelmeer ab.

Seit Montag nehmen insgesamt zehn Kriegsschiffe der beiden Länder an einer zehntägigen Übung teil. Auch Schießübungen mit scharfer Munition würden stattfinden, hieß es vom chinesischen Verteidigungsministerium.

Mit der gemeinsamen Aktion wollen Moskau und Peking ihre strategische Partnerschaft vertiefen. Die beiden schweißt ein gemeinsamer Gegner zusammen. Zusammen wollen sie den weltweiten Einfluss der USA zurückdrängen.

Die USA waren auf dem Mittelmeer bisher die unangefochten Seemacht. In Neapel sind die rund 40 Schiffe und 175 Flugzeuge der Sechsten US-Flotte stationiert, die Fünfte unweit entfernt im Persischen Golf.

An diesen Kraftverhältnissen können Moskau und Peking so schnell wenig verändern. Doch ihre gemeinsame Übung sendet die Botschaft an Washington, dass es in Zukunft eine neue Konkurrenz auf dem Mittelmeer geben wird. Demnächst wollen China und Russland auch im Pazifik ein gemeinsames Marinemanöver abhalten.

Das Mittelmeer steht im Zentrum von Putins Ambitionen

Das Mittelmeer steht im Zentrum von Wladimir Putins Vision, Russland wieder zur Weltmacht aufzubauen. Putin hat angekündigt, dass die russische Flotte dort dauerhaft präsent sein soll. Es ist ein vergleichsweise kostengünstiger Weg, um außenpolitischen Einfluss auszuüben, sei es in Südeuropa oder im Nahen Osten.

Hätte Russland 1999 eine ähnlich moderne Flotte gehabt wie heute "hätte es keine Bombenangriffe auf Jugoslawien gegeben", glaubt der Marine-Historiker Sergej Gorbatschow. Die Nato hatte damals Belgrad im Kosovo-Krieg bombardiert. Das mit Serbien befreundete Russland protestierte, Moskau waren aber die Hände gebunden.

Schon seit Längerem verhandelt der Kreml mit Zypern über die Nutzung von Häfen und Militärbasen auf der Insel. Auch Optionen in Ägypten werden sondiert. Am syrischen Tartus, Russlands derzeit einzigem Übersee-Stützpunkt außerhalb seiner traditionellen Einflusssphäre, hält Moskau entschieden fest - und liefert Waffen an den verbündeten Diktator Baschar al-Assad.

Auch China wagt sich immer weiter hinaus auf die Weltmeere: Seine kleine Zwölfte Flotte eskortiert am Golf von Aden Handelsschiffe, um sie vor Piraten zu schützen. 2011 rettete Pekings Marine 250 chinesische Staatsbürger aus Libyen; im April zog Peking per Schiff das chinesische Botschaftspersonal aus dem Jemen ab. Dort hatte sich die Sicherheitslage rapide verschlechtert.

Für Putin ist China der Partner der Stunde

Für Russland ist China der Partner der Stunde. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping war der prominenteste ausländische Gast bei der Parade zum Gedenken an den Sieg der Roten Armee über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Westliche Staats- und Regierungschef hatten den Termin auf dem Roten Platz demonstrativ gemieden.

Auch auf Rüstungsebene kommt man sich näher: Als erstem ausländischen Staat wurde China im April gestattet, S-400-Raketen zu kaufen, Russlands modernstes Luftabwehrsystem. "Russland und China werden nun, wie wir es wünschten - nicht nur Nachbarn, sondern tief integrierte Länder", sagte Russlands für Rüstung zuständiger Vizepremier Dmitrij Rogosin.

Rogosin kündigte an, Moskau werde zusammen mit Peking einen neuen Militärhubschrauber entwickeln; man denke auch über eine gemeinsame Mond-Basis nach. Anatolij Isajkin, Chef von Russlands Rüstungsexport-Agentur Rosoboronexport, glaubt sogar: "Wenn wir im Interesse der Volksrepublik arbeiten, arbeiten wir auch in unserem eigenen Interesse."

Auf Augenhöhe ist die neue Freundschaft nicht

Wie lange die neue Partnerschaft hält, bleibt abzuwarten. Auf Augenhöhe ist sie nicht, China sitzt am längeren Hebel: Es ist wirtschaftlich viel stärker als Russland; kürzlich hat es die USA als größte Volkswirtschaft der Welt abgelöst.

Zudem hält sich Peking - anders als Moskau - auch seine Optionen mit Washington offen. China und die USA unterzeichneten im November ein bilaterales Klimaabkommen; nun planen sie, bei der Atomenergie zusammenzuarbeiten.

Bisher scheint vor allem China von den seit Kurzem intensivierten Handelsbeziehungen mit Russland zu profitieren: So bekam Peking den Zuschlag für ein Milliarden-Projekt: den Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse der russischen Eisenbahn, die von Moskau nach Osten führen soll.

Vor Kurzem hat der Kreml außerdem zehn Prozent der Erschließung des russischen Erdölfeldes Wankor in Sibirien an China abgetreten. In der Regel sei man sehr vorsichtig, wenn es um ausländische Beteiligungen an Rohstoffprojekten gehe, so Putin zu dem Deal. Hier nun die Ausnahme: "Für unsere chinesischen Freunde aber gibt es keine Beschränkungen."

Zusammengefasst: Russland und China verstärken ihre Zusammenarbeit. Beide Länder wollen die militärische Vormachtstellung der USA zurückdrängen. Wie stabil das neue Bündnis ist, bleibt abzuwarten. Wirtschaftlich ist China stärker und hält sich seine Optionen mit Washington offen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 323 Beiträge
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1. Man kann nur hoofen das der Westen genau hinschaut...
Donald Knapp 11.05.2015
...wer hier kooperiert und entsprechende Konsequenzen zieht.
2.
bauklotzstauner 11.05.2015
Die USA ihrerseits nehmen sich das Recht heraus, im Schwarzen Meer vor einem der bedeutendsten russischen Flottenstützpunkte Manöver abzuhalten. Warum sollen die Russen dann nicht im Mittelmehr rumballern? Ach ja: Die Russen sind am Schwarzen Meer zu Hause. Die Amis weder dort noch im Mittelmeer, wo sie dem Artikel zufolge die "unangefochene Seemacht" sind. Mit welchem Recht eigentlich?
3.
guest54 11.05.2015
Zitat: Die beiden schweißt ein gemeinsamer Gegner zusammen. Zusammen wollen sie den weltweiten Einfluss der USA zurückdrängen. Behauptung
4. Na also!
auweia 11.05.2015
Unser Freunde Putins fragen doch immer ganz beleidigt, was denn die USA wohl täten, wenn die Russen oder die Chinesen in Ihrem Machtbereich ein Manöver abhielten. Hier die Antwort: Nix. Keine Schnappatmung, keine Protstnoten, keine Denunziation der "Kriegstreiber". Daher bitte keine Beschwerde mehr über zwei poplige US-Zerstörer im Schwarzen Meer oder ein Manöver in der Ostsee.
5. Hahaha
sebastian.teichert 11.05.2015
China tanzt auf mehreren Hochzeiten zieht Russland ab und Russland meint die beiden wären exklusiv. :'D Sowas gibt gewöhnlich böses Blut....^^ Man darf gespannt bleiben und hoffen das die Situation nicht entgleist!
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