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Russland und die Nato: Muskelspiele am Rande des Abgrunds

  Norwegische F-16, russische Tupolew (undatiertes Foto, ausgegeben von der norwegischen Armee): "Zwischenfälle nicht herunterspielen"  Zur Großansicht
REUTERS

Norwegische F-16, russische Tupolew (undatiertes Foto, ausgegeben von der norwegischen Armee): "Zwischenfälle nicht herunterspielen"

Riskante Manöver, provozierende Tiefflüge: Experten listen fast 40 militärische Zwischenfälle zwischen Russland und dem Westen auf. Ex-Minister Rühe warnt vor einer ungewollten Eskalation.

Berlin - Ein russischer Aufklärungsjet bringt eine Passagiermaschine in Bedrängnis. Die schwedische Marine jagt ein angeblich von Moskau geschicktes U-Boot. Russische Kampfjets donnern im Tiefflug über ein amerikanisches Kriegsschiff. Die Liste der unheimlichen, militärischen Begegnungen zwischen Russland und dem Westen aus den vergangenen Monaten ließe sich lange fortsetzen.

Seit Ausbruch der Ukraine-Krise hat die Zahl solcher Zwischenfälle und Muskelspiele dramatisch zugenommen. In einem Bericht des European Leadership Network (ELN), über den der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe vorab berichtet, werden mehr als drei Dutzend entsprechender Ereignisse aus den vergangenen acht Monaten aufgelistet.

Der Bericht des Netzwerks zählt unter der Überschrift "Gefährliche Politik am Rande des Abgrunds" insgesamt 39 Zwischenfälle aus den vergangenen acht Monaten auf. Drei davon stufen die ELN-Experten als "Hochrisiko-Zwischenfälle" ein, bei denen es leicht zu Opfern oder einer direkten militärischen Konfrontation zwischen russischen und Nato-Truppen hätte kommen können:

  • Anfang März kamen sich etwa 50 Meilen östlich von Malmö eine schwedische Passagiermaschine mit 132 Menschen an Bord auf dem Weg von Kopenhagen nach Rom und ein russisches Aufklärungsflugzeug gefährlich nahe. Der russische Jet soll seine Position nicht übermittelt haben, eine Kollision wurde demnach nur vermieden, weil die Piloten des Passagierfliegers bei guter Sicht äußerst aufmerksam waren.

  • Anfang September verschleppten russische Geheimdienstmitarbeiter im Grenzgebiet einen estnischen Sicherheitspolizisten - offenbar auf estnischem Territorium und unter Einsatz von Blendgranaten. Der Mann wurde nach Moskau gebracht, ihm wird Spionage vorgeworfen. Wäre der estnische Beamte bei der Aktion ums Leben gekommen, hätte dies zu einer "gefährlichen und unkontrollierten Eskalation" der Krise führen können, schreiben die Autoren.

  • Mitte Oktober verdächtigte die schwedische Marine ein russisches U-Boot, in schwedischen Hoheitsgewässern unterwegs zu sein, sie drohte, den Eindringling auch mit Waffengewalt an die Oberfläche zu bringen. Russland wies die Vorwürfe zurück - ob zu Recht, ist ungewiss, denn die tagelange Jagd blieb erfolglos. Hätte die schwedische Marine tatsächlich ein russisches U-Boot aufgespürt, wären Opfer und eine militärische Antwort Russlands nicht ausgeschlossen gewesen, heißt es in dem Bericht.

Darüber hinaus werden elf "ernste Zwischenfälle mit Eskalationsrisiko" aufgeführt:

  • Viermal wurden schwedische und amerikanische Aufklärungsflugzeuge im internationalen Luftraum von bewaffneten russischen Kampfflugzeugen bedrängt. In einem Fall näherten sich die Flugzeuge bis auf zehn Meter.

  • Zweimal überflogen russische Kampfjets amerikanische und kanadische Kriegsschiffe in niedriger Höhe über dem Schwarzen Meer.

Zudem dokumentierte der ELN 25 sogenannte Near Routine Incidents. Dazu zählten die Experten unter anderem einen Vorfall aus dem Mai 2014, als sich ein russisches Flugzeug bis auf 50 Meilen der kalifornischen Küste näherte. Seit Ende des Kalten Krieges hatte sich kein russisches Flugzeug mehr den USA so sehr genähert.

Diese Zwischenfälle entsprächen zwar grundsätzlich dem bekannten militärischen Wechselspiel zwischen Russland und der Nato, wie es heißt, sie trügen in ihrer jüngsten Häufung jedoch zum "Klima der Anspannung" bei, das den Druck auf die beteiligten Militärs erhöhe.

Vor diesem Hintergrund warnt der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe vor einer Eskalation der Ukraine-Krise und der "Gefahr einer unbeabsichtigten militärischen Konfrontation" zwischen der Nato und Russland. "Die sich häufenden Zwischenfälle sollten nicht heruntergespielt werden, sondern zum Anlass genommen werden, die politische und militärische Kommunikation zwischen beiden Seiten zu intensivieren und möglichst transparent miteinander umzugehen", sagte Rühe SPIEGEL ONLINE.

Der CDU-Politiker forderte beide Seiten zu militärischer Zurückhaltung auf. "Das heißt auch, dass die Nato in der jetzigen Situation keinesfalls Großmanöver in Osteuropa abhalten sollte." Solche Manöver mit mehreren zehntausend Soldaten nahe der Grenze zu Russland hatte zuletzt der deutsche Nato-General Hans-Lothar Domröse ins Spiel gebracht.

Rühe, 71, gehört zum 24-köpfigen Führungskreis des ELN, in dem sich prominente Sicherheitspolitiker und-experten aus ganz Europa verbunden haben. Aus Deutschland sind neben Rühe auch der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), und der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, dabei. Die russische Seite ist mit dem früheren Außenminister Igor Iwanow und Wjatscheslaw Trubnikow, ehemals Geheimdienstchef, vertreten. Vorsitzender des ELN ist der frühere britische Verteidigungsminister Des Browne.

syd/phw

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1. Nordkoreanisch
kategorien 10.11.2014
Russland hat keine andere Wahl. Das russische Militär befindet sich, trotz Reform in 2008, in einem katastrophalen Zustand. Auch nimmt Russland niemand wirklich ernst. Russlands Wirtschaft stagniert wieder seit einigen Jahren -- und hat dieses Jahr eine der größten Krisen der letzten Jahre erlebt. Mich wundert nicht, dass Russland sich gezwungen sieht, auf Nordkorea zu machen. Für Europa und den Westen geht von Russland allerdings keine Gefahr aus, weder in 10 noch in 20 Jahren. Zu klein.
2. ich dachte
ex2012 10.11.2014
gestern waren es noch dreißig? Heute schon vierzig? Vielleicht sollten sich manche in Politik und Medien an die Worte eines Astronauten erinnern, der vor wenigen Stunden zur Erde zurückekehrt ist: "Vielen Dank für die Freundschaft und die gute Zusammenarbeit zwischen den USA, Europa und Russland."
3. Bedrängt oder Abgefangen ?
Gastbeitrag25 10.11.2014
".....Viermal wurden schwedische und amerikanische Aufklärungsflugzeuge im internationalen Luftraum von bewaffneten russischen Kampfflugzeugen bedrängt. ...." Wenns die Nato war heisst es abgefangen. Wenn Russen waren heisst es bedrängt ?
4. Spannend
Satelit1 10.11.2014
Also, laut ihrem Bericht, an allem ist Russland schuld, und wir sind wie immer die Guten ! Denken Sie an den ersten Weltkrieg, die Ähnlichkeit ist frappierend!
5. nicht schön was die da tun.
WwdW 10.11.2014
Die Russen und die NATO sollte sich wirklich mal zurückhalten. Was die Russen tun wurde ja oben aufgelistet. Aber vor nicht allzulanger Zeit wurde doch in den Medien berichtet, dass bewaffnete NATO Kampfflugzeuge russische Flugzeuge über internationalem Gewässer abgefangen und bedrängt haben und zur Umkehr gezwungen haben. Wieso steht das nicht oben drin? Sind es nur die Russen? Oder sind auch wir (von der NATO) keine Waisenknaben?
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