Russland: Noch mehr Greenpeace-Aktivisten in Haft
"Wegen Fluchtgefahr und des Risikos weiterer Straftaten" hat ein russisches Gericht erneut Greenpeace-Aktivisten in Untersuchungshaft genommen. Nach den Protesten gegen Ölbohrungen in der Arktis sitzt nun die komplette Besatzung der "Arctic Sunrise" im Gefängnis.
Moskau - Nach dem Greenpeace-Protest gegen Ölbohrungen in der Arktis ist es in Russland zu neuen Verhaftungen gekommen. Ein russisches Gericht hat weitere Umweltschützer in Untersuchungshaft nehmen lassen. Ein schwedisch-amerikanischer Aktivist sowie zwei Niederländer, ein Ukrainer, eine Finnin und ein Brite müssen für zwei Monate hinter Gitter, wie Greenpeace am Sonntag bei Twitter mitteilte. Das Gericht in der nordrussischen Stadt Murmansk begründete die Maßnahme mit Fluchtgefahr sowie der Gefahr weiterer Straftaten und möglicher Beseitigung von Beweisen.
Damit sitzen nun - nach einer Entscheidung vom Donnerstag - alle der insgesamt 30 Besatzungsmitglieder des Aktionsschiffes "Arctic Sunrise" in U-Haft. Die Justiz ermittelt wegen des Vorwurfs bandenmäßiger Piraterie. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft.
"Ich bin kein Piratin. Ölbohrungen im Eis sind eine gewaltige Gefahr für die Natur weltweit", sagte die finnische Aktivistin Sini Saarela vor Gericht. Wie in Russland üblich, mussten die Beschuldigten in einem vergitterten Käfig die Verhandlung verfolgen. Saarelas russische Anwältin hatte Hausarrest oder Freilassung auf Kaution beantragt, da die junge Frau gesundheitlich angeschlagen sei und ärztliche Betreuung benötige.
Proteste gegen Verhaftungen gehen weiter
Greenpeace weist die Vorwürfe zurück, nach denen die Aktivisten am 18. September eine Ölplattform des Staatskonzerns Gazprom in der Petschorasee besetzen wollten. Weltweit demonstrierten Mitglieder der Umweltorganisation für eine Freilassung der Inhaftierten.
Die "Arctic Sunrise"-Crewmitglieder seien in Murmansk und der rund 200 Kilometer entfernten Stadt Apatity eingesperrt, sagte die Stadträtin Irina Paikatschewa der Agentur Interfax. Jeder habe eine Zelle für sich, allerdings wollten die Behörden diese Praxis aus Kostengründen schon bald ändern. Ein großes Problem sei weiter die Verständigung der Justizbeamten mit den Aktivisten aus 18 Ländern.
Gegen die Verhaftungen hatte es am Freitag zahlreichen Protest gegegeben. "Es gibt keinen Grund, Untersuchungshaft als präventive Maßnahme zu verhängen", sagte der bekannte Menschenrechtler Lew Ponomarjow am Freitag der Agentur Interfax. Außerdem verzichten mehrere russische Internetportale, zum Beispiel von "Novaya Gazeta", "Echo of Moscow"und "Russian Reporter", auf Bilder und zeigten nur schwarze Flächen - auch zahlreiche private Nutzer schlossen sich in sozialen Netzwerken dieser Form des Protests an.
hpi/dpa
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