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Russische S-400-Flugabwehr: Hightech-Raketen verschärfen Situation in Syrien

Von , Brüssel

REUTERS/ RIA Novosti

Nach dem Abschuss seines Jagdbombers will Russland hochmoderne Flugabwehrraketen des Typs S-400 nach Syrien verlegen. Sie wären für fast alle westlichen Kampfflugzeuge eine Bedrohung - und auch für Israels Luftwaffe.

Moderne russische Flugabwehrsysteme im Nahen Osten - dieses Szenario beunruhigt westliche Militärs seit Jahren. Nach dem Abschuss eines Suchoi-24-Jagdbombers durch die türkische Luftwaffe macht Moskau nun offenbar ernst - und will das hochmoderne S-400-System nach Syrien verlegen. Die Raketen würden demnächst an der Luftwaffenbasis in Latakia stationiert, kündigte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch nach Angaben des Regierungssenders "RT" an.

Was bedeutet dieser Schritt für den Bürgerkrieg in Syrien? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was kann das S-400-System?

Das S-400 "Triumf", von der Nato als SA-21 "Growler" bezeichnet, gilt als eines der effektivsten Langstrecken-Flugabwehrsysteme der Welt. Es besteht aus acht Raketen-Startvorrichtungen, einer Kontrollstation und einem Radar, das bis zu 300 Ziele zugleich erfassen kann.

Das System verfügt über drei unterschiedliche Arten von Abfangraketen. Sie sollen Ziele in einer Entfernung von bis zu 400 Kilometern und einer Flughöhe von 27 Kilometern bekämpfen können. Dazu gehören Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper oder ballistische Raketen, selbst Tarnkappen-Flugzeuge sollen laut einigen Quellen nicht sicher vor einem Abschuss durch das S-400-System sein.

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S-400-Waffensystem: Russlands Hightech-Raketen im Detail
Was bedeutet die S-400-Stationierung für die Lage in Syrien?

Es gibt schon seit Mitte November Berichte, laut denen Russland das S-400-System nach Syrien gebracht haben könnte. Jetzt aber ist es offiziell - und es macht die Situation in dem Bürgerkriegsland noch komplizierter.

Derzeit bombardieren die USA gemeinsam mit arabischen Verbündeten den "Islamischen Staat". Die Türkei fliegt im Grenzgebiet zu Syrien Angriffe auf die kurdische Arbeiterpartei PKK, und seit Ende September führt auch Russland eine große Zahl von Luftangriffen durch. Die Abstimmung zwischen allen Parteien ist komplex, zumal die Unterscheidung zwischen Freund und Feind zwischen Flugzeugen der Nato und Russlands weder technisch noch prozedural vereinheitlicht ist.

Wozu diese Probleme führen können, zeigte am Dienstag der Abschuss des russischen Jagdbombers.

Wie könnten die Flugabwehrsysteme die Situation im Nahen Osten langfristig verändern?

Schon vor einigen Jahren reagierte der Westen äußerst beunruhigt, als Russland und Iran einen Vertrag über die Lieferung von S-300-Abwehrsystemen an Teheran unterschrieben. Während der kurzen Präsidentschaft von Dmitrij Medwedew stoppte der Kreml dann die Auslieferung des Systems - sie widerspreche "dem Geist der Sanktionen" gegen Iran.

Seit der Einigung im Atomstreit mit Teheran hat Russland unter Präsident Wladimir Putin nun aber die Gespräche über die Lieferung wieder aufgenommen. Ende Juli kündigte Moskau an, die Waffensysteme für Iran zu "modernisieren". Zudem befürchten westliche Militärs, dass Russland über dem östlichen Mittelmeer eine faktische Flugverbotszone für westliche Streitkräfte schaffen könnte. So warnte Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove bereits Ende September vor einer russischen "Luftverteidigungsblase" in der Region.

Wie reagiert Israel auf die russische Ankündigung?

Israels Regierung beobachtet die Stationierung der Raketen mit großer Sorge, denn sie gefährdet die Lufthoheit der israelischen Streitkräfte. In den vergangenen Jahren hat die Luftwaffe mehrfach Ziele in Syrien angegriffen, um Raketenlieferungen an die mit Syrien und Iran verbündete Hisbollah zu verhindern.

Im Oktober 2013 bombardierte Israel einen Luftwaffenstützpunkt in der Provinz Latakia. Dieser liegt nur wenige Kilometer von der Basis entfernt, auf der nun die S-400-Raketen stationiert werden sollen. Künftig würde Israel bei einem ähnlichen Vorgehen eine direkte Konfrontation mit Russland riskieren - mit unkalkulierbaren Folgen.

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Syrisch-türkische Grenze: Der Absturz der Su-24
Damit hat die Hisbollah im Schatten der russischen Raketen künftig deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Auch als Russland 2010 den Verkauf des Schiffsabwehrsystems "Jahont" an Syrien festzurrte, protestierte das israelische Außenministerium umgehend: Russlands Vorgehen "erschwere die Lage in der Region" und trage "nicht zur Stabilisierung und der Schaffung eines Friedens" bei. Das "Jahont"-System kann auch schwere Kriegsschiffe auf eine Distanz von mehreren Hundert Kilometern versenken.

Im Video - Der Abschuss der russischen Maschine:




Mitarbeit: Benjamin Bidder, Christoph Sydow

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 394 Beiträge
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1.
marinero7 25.11.2015
Dafür kann die NATO sich bei der türkischen Armee bedanken!
2.
kuac 25.11.2015
Jetzt haben wir den Salat. Danke Erdogan. Möchte er unbedingt die NATO in den Krieg hineinziehen? Das ist der Wahnsinn.
3.
wo_ist_all_das_material? 25.11.2015
Habe ich das richtig verstanden? Problematisch an den russischen Systemen ist, daß sie die illegalen und völkerrechtswidrigen Bombardements einiger Länder be- oder verhindern könnten? Dann hätte Moskau ja erneut etwas Sinnvolles in dieser destabilisierten Region getan! Nur weiter so!
4. Mit dem Verschärfen ist das so eine Sache...
obsurfer 25.11.2015
Denn dies machen grundsätzlich ja alle neuen, hochmodernen Waffen - für den jeweiligen Gegner! Aber vielleicht dürfen die Guten sowas im Prinzip ja immer! Dumm nur, dass sich wohl jede Seite immer gern als die solchen fühlen und bezeichnen - wer da nicht mitzieht, kommt allzu leicht in den Geruch eines Vaterlands-Verräters... In diesem Sinne dann also: Die Russen verschärfen ja mal wieder ganz arg!
5.
Sisingamangaraja 25.11.2015
Selber schuld, wie wäre es damit, die Türkei an der Leine zu halten? Dann kamen solche Waffensystemen gar nicht zum Einsatz.
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