Annektierte Halbinsel Russland verlegt offenbar Kampfjets auf die Krim

Moskau stationiert laut einem Medienbericht zehn Flugzeuge dauerhaft auf der Krim. Begründung: Die Ukraine bereite angeblich "eine Provokation" vor.

Kampfjets Suchoi Su-27
AFP

Kampfjets Suchoi Su-27


Russland verstärkt offenbar seine Militärpräsenz auf der annektierten Halbinsel Krim. Es würden mehr als zehn Kampfjets dorthin verlegt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau.

Sie sollten dauerhaft auf dem umgebauten Luftwaffenstützpunkt Belbek stationiert werden. Außenminister Sergej Lawrow habe erklärt, die Ukraine bereite "eine Provokation" vor dem Jahreswechsel vor, hieß es weiter. Bei den Flugzeugen soll es sich um Suchoi Su-27 und Su-30 Kampfjets handeln. Eine weitere Bestätigung für die Verlegung der Flugzeuge gibt es derzeit nicht.

Russische Medien hatten bereits Ende November von Plänen der Regierung in Moskau berichtet, ein Flugabwehr-Raketensystem des Typs S-400 auf die Krim zu verlegen.

Russland hatte die Krim 2014 annektiert. Die Spannungen in der Region haben sich zuletzt nach einem Vorfall in der Meerenge von Kertsch am Zugang zum Schwarzen Meer verschärft. In den Grenzregionen der Ukraine zu Russland und Weißrussland gilt gegenwärtig das Kriegsrecht.

Sergej Lawrow
DPA

Sergej Lawrow

Der russische Außenminister Lawrow kritisierte am Montag die benachbarte Ukraine außergewöhnlich scharf. Es sei nicht Russland, das gegen das "ukrainische Regime" kämpfe, sagte in einem Interview des kremltreuen Massenblatts "Komsomolskaja Prawda" in Moskau. "Gegen das ukrainische Regime, das alle Eigenschaften von Nazis und Neonazis hat, kämpfen die russischsprachigen Ukrainer, die im Donbass wohnen."

Lawrow warnt Ukraine

Im Kohlerevier Donbass in der Ostukraine wehrt sich die ukrainische Armee seit 2014 gegen prorussische Separatisten. Deren Kampfkraft beruht vor allem auf dem ständigen Nachschub an Waffen, Munition und Kämpfern aus Russland. Lawrow sprach sich aber dagegen aus, die separatistischen Volksrepubliken Donezk und Luhansk als eigene Staaten anzuerkennen. "Und was dann?", fragte er. "Auch noch den Rest der Ukraine verlieren und den Nazis überlassen?"

Er warnte den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko vor einem angeblich geplanten Angriff auf die Grenze zur Halbinsel Krim. "Dann bekommt er eine Reaktion, dass ihm Hören und Sehen vergeht", drohte Lawrow. Die Gründung einer ukrainischen orthodoxen Nationalkirche vom Wochenende erwähnte er nicht. Die kirchliche Loslösung der Ukraine ist aber eine Niederlage für die russisch-orthodoxe Kirche wie für die Moskauer Politik.

mho/Reuters/dpa



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