Nach Flugzeugabschuss Russland will Luftabwehrsystem an Syrien liefern

Raketen des Assad-Regimes haben offenbar versehentlich ein russisches Flugzeug abgeschossen. Die Schuld sieht Moskau bei Israel - und will nun Syrien mit einem modernen Luftabwehrsystem ausrüsten.

Eine Iljuschin Il-20 mit einem Flugzeug der britischen Royal Air Force (Archivbild)
DPA/ RAF/ BRITISH MINISTRY OF DEFENCE

Eine Iljuschin Il-20 mit einem Flugzeug der britischen Royal Air Force (Archivbild)


Nach dem Abschuss eines russischen Flugzeugs vor der syrischen Küste will Moskau Luftabwehrsysteme des Typs S-300 in das Bürgerkriegsland liefern. Dadurch könnten Angriffe innerhalb einer Reichweite von mehr als 250 Kilometern abgewehrt werden, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Das syrische Militär werde die moderne Flugabwehr innerhalb von zwei Wochen erhalten.

In der vergangenen Woche war ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Iljuschin Il-20 mit 15 Soldaten über dem Mittelmeer offenbar versehentlich von der syrischen Luftabwehr abgeschossen worden. Die Syrer hatten eigentlich auf vier angreifende israelische F-16-Jets gezielt. Aus Sicht des Kremls ist aber nicht der Verbündete, sondern Israel für das Unglück verantwortlich.

Nach dem Vorfall sieht Russland sein Verhältnis zu Israel beschädigt. Der Vorfall könne den Beziehungen beider Länder nur schaden, erklärte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow. Er machte "vorsätzliche" Handlungen der israelischen Kampfpiloten für den versehentlichen Abschuss durch die syrische Luftabwehr verantwortlich.

Russland gilt als militärische Schutzmacht des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Die syrische Armee setzt nach Angaben Moskaus das ältere System S-200 und andere russische Abwehrwaffen mit geringerer Reichweite ein. Russland schützt unter anderem seine syrische Luftwaffenbasis Hamaimim mit dem stärkeren Luftabwehrsystem S-400.

Russland hatte vor Jahren mit Israel vereinbart, die Lieferung von S-300 an Syrien auszusetzen. Nach dem Luftangriff der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf syrisches Territorium im April 2018 kündigte Moskau an, diese Zusage möglicherweise aufzuheben. "Die Situation hat sich geändert. Das ist nicht unsere Schuld", sagte Schoigu einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge.

asc/dpa/AFP/Reuters



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