Mehrstündige Pressekonferenz Putin lobt Trump

Russlands Präsident stellt sich in Moskau Journalisten, wie immer eine mehrstündige One-Man-Show. Auch zum Verhältnis zu den USA wurde Putin befragt.

Putin während der Jahrespressekonferenz
AFP

Putin während der Jahrespressekonferenz


Bereits eingeräumte und weitere mutmaßliche Kontakte seiner Berater nach Russland - seit Monaten steht US-Präsident Donald Trump deswegen unter Druck, das Thema ist immer wieder Anlass für Rufe nach Einleitung eines Absetzungsverfahrens.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin wurde bei einer mehrstündigen Pressekonferenz am Donnerstag in Moskau zu dem Thema befragt. Er tat die Russland-Kontakte als "Erfindung" von Trumps politischen Gegnern ab und sagte, das Verhältnis zwischen beiden Ländern könnte sich verbessern, wenn es auf amerikanischer Seite keine "Behinderungen" gäbe.

Auf die Frage, wie er Trumps Arbeit einschätze, reagierte Putin auf für ihn typische Weise: Es sei nicht an ihm, den US-Präsidenten zu bewerten, das müssten die amerikanischen Wähler tun, doch, fügte er hinzu, es gebe "deutliche Erfolge" von Trumps Regierung. Mittelfristig würden sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern normalisieren, es gebe zudem gemeinsame Herausforderungen wie den Kampf gegen Terrorismus, so Putin.

Eine der ersten Fragen, die der Präsident in der - alljährlichen - Runde mit russischen und ausländischen Journalisten beantworten sollte: Ob es nicht langweilig sei, so ganz ohne glaubwürdigen Gegenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen?

Putin zieht als unabhängiger Kandidat in Wahlkampf

Es sei nicht seine Aufgabe, Gegenkandidaten aufzubauen, sagte Putin. Die Opposition könne kein überzeugendes Programm vorweisen. Zudem verwies er auf Wirtschaftszahlen seiner Regierung.

Putin kündigte an, als unabhängiger Kandidat in den Präsidentschaftswahlkampf zu gehen. Unabhängige Kandidaten müssen vor der Wahl Unterschriften sammeln, um zugelassen zu werden. Parteikandidaten brauchen das nicht. Die Präsidentschaftswahl findet im März 2018 statt.

Putins Wiederwahl gilt als sicher, es wäre seine vierte Amtszeit. Er hoffe auf breite Unterstützung der politischen Parteien wie der russischen Gesellschaft, sagte Putin weiter bei seiner Jahrespressekonferenz. Derzeit liegen seine Zustimmungswerte bei mehr als 80 Prozent.

Zu der jährlichen Pressekonferenz in Moskau waren mehr als 1600 Journalisten aus Russland und dem Ausland angemeldet. Sie tragen traditionell Kostüme oder halten bunte Schilder hoch, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine Frage stellen zu dürfen. Erwartet wurden auch Fragen zu internationalen Themen wie den Spannungen mit dem Westen sowie den Konflikten in Syrien und Nordkorea.

Er wünsche sich mehr politischen Wettkampf, sagte Putin den versammelten Journalisten. Dadurch würde das politische System Russlands besser ausbalanciert. Dafür müssten die Oppositionsparteien an ihrer Glaubwürdigkeit arbeiten. Seine politischen Gegner veranstalteten eine Menge Lärm, hätten der Nation aber nur sehr wenig anzubieten, sagte Putin.

vks/dpa/Reuters



insgesamt 66 Beiträge
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wurmfortsatz 14.12.2017
1.
Trump ist doch das beste was Russland passieren konnte: Rückzug aus der Welt und damit freie Bahn für Russland.
Emderfriese 14.12.2017
2. Gegner
Bei 80% Zustimmung im Volk hat er es wohl nicht nötig, seine Gegner derartig zu behandeln. Im Übrigen gibt es genügend Opposition im Land, vier Parteien aller Couleur sitzen in der Duma: "Einiges Russland", die KP, die LDPD (Liberale) und das "gerechte Russland". Jedenfalls deutlich mehr als in den USA...
rabkauhala 14.12.2017
3. Wirtschaftswunder
"Zudem verwies er auf Wirtschaftszahlen" Moment, spricht da nicht der große, erfolgreiche Wirtschaftsweise dessen Land bezogen auf den Leitindex (RTX) eine Halbierung des Wertes seiner Indexunternehmen in den letzten zehn Jahren hingekriegt hat. Zudem hat sich der Wert des, nach Meinung der Putinfans, sterbenden Euros gegenüber dem Rubel fast verdoppelt. Whow, reife Leistung, mit der Inflation zusammenbetrachtet sieht solche Werte sieht man sonst nur bei südamerikanischen und afrikanischen Diktaturen. Aber RT wird es schon richten und wie immer sind alle anderen Schuld. "Es sei nicht seine Aufgabe, Gegenkandidaten aufzubauen" - in der Tat, in einer oligarchischen Mediendiktatur mit Verboten verhinderten Oppostionellen werden sind Gegenkandidaten nicht aufzubauen.
Raisti 14.12.2017
4.
Haben Sie dafür Belege ? z.b. Herr Nawalny der ja hier immer gerne als die Russische Opposition präsentiert wird, ist noch sehr lebendig. Er landet zwar ab und zu im Knast wegen nicht genehmigter Demonstration (dafür würde er bei uns auch entsprechend bestraft werden) kommt aber auch immer wieder raus. Bleibt noch Nemzow. Ja er wurde erschossen aber Beweise dafür das das es von Putin irgendwie in Auftrag gegeben wurde gibt es nicht. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Jefimowitsch_Nemzow "Am 8. März 2015 erfolgten fünf Festnahmen. Ein sechster Verdächtiger sprengte sich während seiner Festnahme in seiner Wohnung in Grosny mit einer Handgranate in die Luft. Die Tatverdächtigen stammen aus dem islamisch geprägten Tschetschenien oder benachbarten Kaukasusrepubliken. Sie stehen unter Verdacht, gemeinsam gemäß Artikel 105 Absatz 2 des russischen Strafgesetzbuchs „um sich zu bereichern oder im Auftrag“ einen Mord verübt zu haben..." Von daher finde ich es schon dreist solche Behauptungen aufzustellen ohne Beweise die die Position untermauern.
pansatyr 14.12.2017
5. Natürlich
lobt Putin seinen Kandidaten.
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