Prozess wegen Steuer- und Bankbetrug Geschäftspartner belastet Trumps Ex-Wahlkampfchef Manafort

Der einstige Wahlkampfchef von Donald Trump steht vor Gericht. Dort sagte nun ein wichtiger Zeuge aus - und erhob schwere Vorwürfe gegen Paul Manafort. Es geht unter anderem um 15 schwarze Auslandskonten.

Paul Manafort
REUTERS

Paul Manafort


Im Prozess gegen den ehemaligen Wahlkampfchef von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, hat ein zentraler Zeuge den Angeklagten belastet. Manaforts langjähriger Mitarbeiter und Vertrauter Rick Gates sagte nach Angaben der "Washington Post" am Montag im Gericht in Alexandria nahe der Hauptstadt Washington, er habe gemeinsam mit Manafort 15 schwarze Auslandskonten unterhalten. Auf Anweisung des Beschuldigten habe er von dort Gelder an Manafort geschickt, die als Darlehen statt als Einkommen deklariert gewesen seien, um Steuern zu hinterziehen.

Die Zeitung berichtete, Gates habe deutlich gemacht, dass er in der Hoffnung auf Strafmilderung gegen Manafort aussage. Er habe bei seiner Aussage auch eingeräumt, dass er Hunderttausende Dollar von Manafort gestohlen habe. Auf die Frage, ob er gemeinsam mit Manafort Straftaten begangen habe, habe Gates mit "Ja" geantwortet.

Gates hatte sich im Februar im Rahmen einer Vereinbarung mit US-Sonderermittler Robert Mueller für schuldig bekannt. Das Verfahren gegen Manafort ist das erste, das sich im Zuge von Muellers Russland-Untersuchungen ergeben hat (mehr zu den Vorwürfen gegen Manafort lesen Sie hier). Allerdings haben die Vorwürfe nicht direkt mit dem Kern von Muellers Ermittlungen zu tun, ob es im Wahlkampf 2016 Absprachen des Trump-Lagers mit Russland gab. Trump nennt Muellers Untersuchungen eine "Hexenjagd".

Richard Gates
AP

Richard Gates

Manafort muss sich seit vergangenem Dienstag wegen Steuer- und Bankbetrugs vor dem Gericht in Alexandria verantworten. Er wird beschuldigt, den Behörden Einkünfte in Millionenhöhe verschwiegen zu haben, die er als politischer Berater in der Ukraine machte. Außerdem wird ihm vorgeworfen, Banken belogen zu haben, um Kredite in Höhe von 20 Millionen Dollar (17 Millionen Euro) zu bekommen.

Video: "Trumps Kampagne gegen Mueller wird immer unglaubwürdiger"

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Manafort stand zunächst unter Hausarrest. Seit Juni sitzt er aber im Gefängnis, nachdem die Ermittler ihn beschuldigt hatten, Einfluss auf Zeugen nehmen zu wollen. Trump hat sich von ihm distanziert.

Manafort leitete von Juni bis August 2016 den Wahlkampf Trumps. Der Lobbyist und Politikberater war dabei unter anderem für den wichtigen Parteitag zuständig, bei dem sich Trump die Nominierung seiner Partei sicherte. In einem weiteren Verfahren in Washington, das im September beginnen soll, werden Manafort unter anderem Geldwäsche, Falschaussage und kriminelle Verschwörung vorgeworfen.

cop/aar/dpa/AP/Reuters

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KingTut 07.08.2018
1. Trump Tower Meeting
"Allerdings haben die Vorwürfe nicht direkt mit dem Kern von Muellers Ermittlungen zu tun, ob es im Wahlkampf 2016 Absprachen des Trump-Lagers mit Russland gab." Da Paul Manafort an dem fraglichen Meeting im Trump Tower teilgenommen hat, sehe ich eurchaus eine Relevanz zum Kern von Müllers Ermittlungen. Jenes Meeting, das laut Trump und Don Jr. niemals stattfand, was man später dahingehend korrigierte, dass es dabei nur um Adoptionen ging und bei dem man später doch zugeben musste, dass es stattfand, weil die Russen "Schmutz über Hillary Clinton" angeboten hatten. Das Netzwerk Manaforts umfasst mehrere russische Oligarchen mit Verbindungen zum Kreml. Einen Großteil seiner üppigen und dem amerikanischen Fiskus verschwiegenen Vergütungen erhielt er für seine geschäftlichen Verbindungen zum früheren ukrainischen Präsidenten und Putin-Vertrauten Viktor Janukowitsch. Auch die Anwältin, die am Trump Tower Meeting teilnahm, hat Verbindungen zum Kreml. Insofern könnte Manafort durchaus zur Aufklärung über die Hintergründe dieses Meetings beitragen, sofern er mit Müller zusammenarbeiten will. Da ihm bei einem Schuldspruch in allen Anklagepunkten bis zu 305 Jahre Haft drohen, dürften die Chancen dafür nicht schlecht stehen. Trump versucht jetzt seine Verbindung zu Manafort herunterzuspielen. Tatsache ist jedoch, dass dieser über Jahre für Trump gearbeitet hat (Trump behauptet nur 49 Tage, was in CNN widerlegt wurde), dann wurde Manafort Trumps Wahlkampfchef, und er schien auch wichtig genug zu sein, um an dem ominösen Trump Tower Meeting teilzunehmen. Trump soll ruhig weiter tweeten; er reitet sich damit nur noch mehr in den Schlammassel. Ein baldiges Ende dieser Präsidentschaft wäre ein Segen für uns alle.
jujo 07.08.2018
2. ....
Ich könnte mir vorstellen, das Manafort sich für Strafmilderung auf einen "deal" zulasten von Trump einläßt. Ebenso vermutlich Trumps ex Anwalt. Die Helfer von Trump sind alles keine jungen Männer mehr. Sie werden sich genau überlegen ob sie ihre Restlebenszeit oder einen Großteil davon im Knast verbringen wollen nur um Trump davonkommen zu lassen.
medienskeptiker 07.08.2018
3. Der war gerade mal 3 Monate Wahlkampfleiter
und es schon nicht mehr als es wirklich um Trump gegen Clinton ging. und das alles hat absolut nichts mit Trump zu tun. Mueller dagegen hat sich schon mehrerer Kompetenzüberschreitungen schuldig gemacht und absolut nichts Belastbares gefunden. Nach 15 Monaten sollte das ganze eigentlich eingestellt werden und die USA endlich wieder vernünftige diplomatische Beziehungen mit Russland einrichten
Palmstroem 07.08.2018
4. Wie glaubwürdig ist Gates?
"Er habe bei seiner Aussage auch eingeräumt, dass er Hunderttausende Dollar von Manafort gestohlen habe." Da kann Manafort ja wohl nicht die volle Übersicht gehabt haben, wie Gates behauptet.
daishi666 07.08.2018
5. Artikel nicht gelesen, hmm?
Zitat von medienskeptikerund es schon nicht mehr als es wirklich um Trump gegen Clinton ging. und das alles hat absolut nichts mit Trump zu tun. Mueller dagegen hat sich schon mehrerer Kompetenzüberschreitungen schuldig gemacht und absolut nichts Belastbares gefunden. Nach 15 Monaten sollte das ganze eigentlich eingestellt werden und die USA endlich wieder vernünftige diplomatische Beziehungen mit Russland einrichten
Manafort sitzt ganz tief drin, sowohl im Sumpf aus Korruption, Geldwäsche als auch geschäftlichen Beziehen zu Trump. Mueller leistet gute Arbeit und keineswegs seine Kompetenzen überschritten. Im Gegenteil, dieser Sumpf gehört ohne Rücksicht auf die Schlangen und Kröten darin ausgetrocknet.
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