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Russland-Reise: Putin lädt Steinmeier überraschend in den Kreml ein

Russischer Präsident Putin: "Mit einem Lächeln und einem Revolver" Zur Großansicht
DPA

Russischer Präsident Putin: "Mit einem Lächeln und einem Revolver"

Diese Geste kommt unerwartet: Wladimir Putin will Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Rande seiner Russland-Reise persönlich treffen. Zuvor hatte sich Putin noch über die Ukraine-Krise lustig gemacht.

Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin will Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kurzfristig zu einem Besuch im Kreml empfangen. Die Begegnung soll noch am Dienstagabend stattfinden. Das verlautete aus deutschen Delegationskreisen. Die Einladung kam nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen völlig unerwartet. Erst nach Steinmeiers Landung in Moskau wurde der Besuch im Kreml geplant.

Steinmeier hält sich seit dem Nachmittag erstmals seit der russischen Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim wieder in Moskau auf. Putin hatte erst am Wochenende am Rande des G20-Gipfels in Australien mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Ukraine-Konflikt gesprochen.

Putin verballhornt Gangster-Spruch

Dabei hatte Putin noch im Laufe des Tages keinerlei Anstrengungen unternommen, die Ukraine-Krise zu entschärfen. Im Gegenteil, die angespannte Lage animierte Russlands Präsidenten zum Scherzen: In Anlehnung an einen Spruch des berühmten Chicagoer Gangsterbosses Al Capone lobte der Kreml-Chef am Dienstag die Vorteile von Waffen.

Beim Besuch einer Militärausstellung hielt er vor einem gepanzerten Fahrzeug, das wegen seiner Zwischenstellung zwischen einem Transporter und einem Panzer als "höfliches" gepanzertes Gefährt bezeichnet wird.

"Höfliche bewaffnete Fahrzeuge? Mit Höflichkeit und einer Waffe kann man weit mehr erreichen als nur mit Höflichkeit", bemerkte Putin trocken, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

Von Al Capone ist der Spruch überliefert: "Man kommt weit mit einem Lächeln. Aber noch weiter kommt man mit einem Lächeln und einem Revolver."

Dass Putin das Wort "höflich" aufgriff, war offenbar auch eine Anspielung auf die Annexion der Krim im März, die von schwer bewaffneten russischen Soldaten ohne Hoheitszeichen vorbereitet worden war. Die Truppen hatten damals die Kasernen belagert und so ein Ausrücken der ukrainischen Streitkräfte verhindert. Wegen ihres stummen Auftretens waren sie ironisch als "höfliche Leute" bezeichnet worden.

Putin am Pranger

Putin steht weiterhin international am Pranger. Kiew, EU, USA und Nato werfen Moskau insbesondere vor, die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine auch nach Aushandlung eines Waffenstillstands weiter militärisch zu unterstützen. Zuletzt hatte Kanzlerin Merkel Putin eine Annexionspolitik vorgeworfen, mit der er auf das Recht des Stärkeren setze.

Putin traf sich nach Besichtigung der Panzers mit Mitgliedern einer Kreml-nahen Vereinigung und kritisierte dabei die USA. "Die USA wollen, dass wir uns ihnen unterordnen. Aber Russland ergibt sich nie", sagte der Präsident. Die Mehrheit der Russen habe große Achtung für die USA, nicht jedoch für die Führung in Washington.

Die US-Regierung in Washington wolle die eigenen Probleme auf russische Kosten lösen, sagte Putin weiter. Dies sei aber in der Geschichte noch nie passiert und werde auch niemandem gelingen, betonte der Präsident.

mgb/amz/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 102 Beiträge
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1. Entscheidende Frage...
josho 18.11.2014
....gibt es Krim-Sekt?
2. Steinmeier
antifarce 18.11.2014
Nun soll unser Außenminister mal zeigen was er drauf hat.Bitte bitte den Konflikt entschärfen und schnell wieder Gemüse Obst und Milch nach Russland liefern.
3. Hoffentlich hat Steinmeier,
rosaberg 18.11.2014
sollte er die Einladung annehmen, einen Vorkoster dabei. Dem Putin traue ich alles zu!
4. Putin der Einflüsterer
gollygee01 18.11.2014
er weiss wie leicht Steinmeier einzuwickeln ist und möchte Deutschland gern aus der Europäischen Allianz herauslösen.
5. Putin'sche Fehlleistung
Bio4Life 18.11.2014
Aus seiner Sicht hat er die Krim "höflich" erobert; das macht in der Welt aber keinen Unterschied, ob er im 21. Jhd. mit Atomwaffen oder Soldaten ohne Abzeichen den verbrecherischen Krieg beginnt. Er wird als kleiner Hitler in die Geschichte eingehen, aber nichts positives aus 2 Jahrzehnten Putin bleibt für die Menschen und die Welt übrig, nur sein nutzloser Krieg.
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