Bomber über der Nordsee Kreml brüstet sich mit Militärflügen über Westeuropa

Moskau hat Testflüge von Langstreckenbombern über der Nordsee bestätigt. Angeblich trainieren die Besatzungen nur Luftbetankungen. Doch Nato-Militärs gehen davon aus, dass das Manöver einen anderen Zweck hat.

REUTERS

Moskau - Der Kreml hat eingeräumt, dass die russische Luftwaffe verstärkt Testflüge über der Nordsee durchführt. "Russische strategische Raketenträger Tu-95 haben in Begleitung von MiG-31-Kampfjets Flüge über neutralen Gewässern der Nordsee trainiert", teilte der Sprecher der Luftstreitkräfte, Oberst Igor Klimow, in Moskau mit.

Damit bestätigt Russland entsprechende Meldungen der Verteidigungsministerien in Den Haag und London. Sie hatten mitgeteilt, dass am Mittwoch mehrere Nato-Kampfjets aufgestiegen waren, um zwei russische Langstreckenbomber vom Typ Tu-95 abzudrängen.

Das russische Verteidigungsministerium gab am Donnerstag Details zu dem Manöver bekannt, die den Angaben von Niederländern und Briten zumindest zum Teil widersprechen. "Die Route des Fluges verlief über neutralen Gewässern der Nordsee, entlang der Kola-Halbinsel", sagte Luftwaffensprecher Klimow. "Die Flugzeuge legten über 12.000 Kilometer zurück. Die Flugdauer betrug mehr als 16 Stunden."

"Fliegender Radar" koordinierte die Testflüge

Nach Angaben aus Russland trainierten die Besatzungen Flüge über orientierungslosem Gelände und die Luftbetankung. Die Bomber wurden von zwei Kampfjets MiG-31 begleitet. Das Zusammenwirken erfolgte mit Hilfe des "fliegenden Radars" Berijew A-50, einem "Awacs"-Flugzeug, das auf einer Iljuschin Il-76 basiert.

Militärexperten im Westen gehen jedoch davon aus, dass die russischen Flugzeuge mit ihren Manövern noch andere Ziele verfolgen. Offenbar testet die Armee die Reaktionszeiten und Fähigkeiten der Nato-Luftverteidigung. Hochrangige Kommandeure rechnen laut "Telegraph" damit, dass sich diese Vorfälle häufen werden, sollte die Ukraine-Krise andauern.

In der nächsten Woche will Großbritannien vier "Typhoon"-Jets - in Deutschland als Eurofighter bekannt - nach Litauen entsenden. Dadurch soll die Nato-Luftabwehr im Baltikum verstärkt werden. Außerdem sollen vier dänische F-16-Jets in Estland stationiert werden. Nach Angaben der Regierung in Vilnius sollen sich russische Jets inzwischen im Wochentakt dem litauischen Luftraum so nähern, dass Abfangjäger aufsteigen müssen.

Üblicherweise hat die Nato vier Flugzeuge für die Überwachung in den baltischen Staaten, ab kommender Woche sind es dann zwölf Jets. Das Militärbündnis reagiert damit auf die russische Annexion der Krim und die Politik des Kreml gegenüber der Ukraine.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die russischen Bomber seien nach Angaben des Majors Wilko Ter Horst eine halbe Meile in den niederländischen Luftraum eingedrungen. Das hatte der US-Sender CNN berichtet, es stimmt aber offenbar nicht. Wir haben die entsprechende Passage entfernt und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

syd

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 164 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
acitapple 24.04.2014
1. optional
provokationen seitens russland wo man nur hinschaut. die wahrscheinlichkeit eines zwischenfalls steigt täglich und ist wohl auch gewollt. was aber würde passieren, wenn z.b. ein russisches flugzeug in fremden luftraum eindringt und abgeschossen wird ? wird putin einmarschieren oder gleich einen vergeltungsangriff fliegen ? vor einem jahr noch absolute utopie, heute leider sehr realistisch.
xm29oicw 24.04.2014
2. Es dauert nicht mehr lange
Wir sollten uns diese ständigen russischen Provokationen nicht mehr gefallen lassen. Die NATO muss jetzt geschlossen und energisch handeln und Russland bzw. insbesondere Putin ein so eindeutiges Signal senden, dass er endlich klein beigibt. Ansonsten kann die Alternative nur sein, militärische Maßnahmen zu ergreifen.
normalo3006 24.04.2014
3. Erwachen im Wohlstands-Ponyhof EU/NATO
Jetzt begreifen schön langsam einige in unserer naiven, gutmenschelnden EU/NATO wen man da eigentlich zum Nachbarn hat. Ein KGB-Apparatschik agiert eben nicht in den Denkschablonen unserer pazifismus-triefenden Berufspolitiker. Aber Friedenspalaver über 'diplomatische Lösungen' verkauft sich eben gut bei der nächsten Wahl. In Russland verkauft sich lautes Säbelrasseln und Annexion 'heiliger russischer Erde' offensichtlich besser. Good morning Europe!
mariameiernrw 24.04.2014
4. In der Tat
Zitat von acitappleprovokationen seitens russland wo man nur hinschaut. die wahrscheinlichkeit eines zwischenfalls steigt täglich und ist wohl auch gewollt. was aber würde passieren, wenn z.b. ein russisches flugzeug in fremden luftraum eindringt und abgeschossen wird ? wird putin einmarschieren oder gleich einen vergeltungsangriff fliegen ? vor einem jahr noch absolute utopie, heute leider sehr realistisch.
In der Tat ist dies eine interessante Frage: Was passiert, wenn die Nato mal ernst macht und ein Flugzeug abschießt. Bisher war man ja sehr sehr besonnen. Einmarschieren wird Putin wohl eher nicht in ein Nato-Land. Auch er weiß, dass jedes Nato-Land unter den atomaren Schutzschild ist, d.h. wird es angegriffen, dann wird die Nato auch mit Atombomben antworten, falls konventionelle Waffen nicht ausreichen (und dies wird nicht ausreichen bei einem Angriff Russlands, da die zahlenmäßig massiv überlegen sind).
andreashofer2013 24.04.2014
5. wegen 2 Flugzeugen bricht der Westen in Panik aus !
Das sind ganz normale Übungen - wenn Nato-Schiffe und Flugzeuge an den russischen Grenzen patroullieren, ist es normal daß Russland sich diese Rechte auch nimmt. Hier sollte uns bewußt werden, daß ein möglicher Krieg alle europäischen Staaten mit hineinzieht - die Amerikaner sind territorial nicht betroffen und genau deshalb haben die die große Fresse und provozieren. Europa muß sich von den USA militärisch distanzieren und einen eigenen Weg mit Rußland gehen !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.