Hilfe für Ostukraine Russischer Konvoi nimmt Kurs auf Separatistengebiet

Der umstrittene russische Hilfskonvoi fährt in Richtung der Separatistengebiete in der Ostukraine - offenbar auf dem Weg nach Luhansk. Internationale Kontrollen könnten so womöglich umgangen werden.

AP

Kiew/Moskau - Der russische Hilfskonvoi könnte internationale Kontrollen umgehen und direkt in ukrainisches Gebiet fahren, das von Separatisten kontrolliert wird. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass die Lastwagen die Grenze an einem Punkt passieren werden, der nicht unter Kontrolle der ukrainischen Armee steht.

Ein Beamter des Grenzübergangs Donezk (der auf russischem Territorium liegt und nicht mit der ostukrainischen Stadt zu verwechseln ist) erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass man sich dort auf die Ankunft des Konvois vorbereite. Der Grenzpunkt liegt auf direktem Weg nach Luhansk. Dort haben die prorussischen Separatisten ihre Hochburg.

Fahrzeuge des Konvois passierten gegen zehn Uhr deutscher Zeit die Stadt Millerowo, die vom Grenzpunkt etwa hundert Kilometer entfernt ist. Von dort nach Luhansk sind es noch rund 70 Kilometer.

Auch die Agentur AP berichtet von einer Kursänderung nach Luhansk. Die eingeschlagene Route macht es unwahrscheinlich, dass die Russen die Lastwagen Richtung Charkow bewegen würden. Dort kontrollieren ukrainische Regierungstruppen das Gebiet.

Kiew lehnt eine Einfahrt der Fahrzeuge kategorisch ab. Nur unter Kontrolle des Internationalen Roten Kreuzes und nach Abnahme durch ukrainische Grenzer sei eine Einreise möglich. Die Ukraine fürchtet eine Grenzüberquerung, weil man eine russische Militäraktion unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe befürchtet. Diese Verdächtigung hat Moskau inzwischen als "absurd" zurückgewiesen.

IRK: Hilfslieferungen "nicht politisieren"

Kiew teilte am Mittwoch mit, man werde nun auch selbst eine Ladung Hilfsgüter ins umkämpfte Krisengebiet Donbass entsenden. Der Konvoi solle am Donnerstag aufbrechen, sagte die Ostukraine-Beauftragte Irina Geraschtschenko.

Ein Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) reist nach Kiew und Moskau, um über die Auslieferung der Hilfsgüter zu verhandeln. Dieser wolle die Parteien mahnen, dass "Hilfslieferungen nicht politisiert werden" dürften und auf die "strikt humanitäre Rolle" des Roten Kreuzes hinweisen, teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit.

SPIEGEL ONLINE

Rebellen melden schweren Beschuss

Die Regierung in Moskau lieferte dem Internationalen Roten Kreuz eine Liste über die Ladung der Fahrzeuge. Diese sei auch nach Kiew gegangen. Unter anderem würden dort Lebensmittel, Wasser und Generatoren genannt. Rund 2000 Tonnen an Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern sollen sich an Bord befinden.

Unterdessen haben ukrainische Regierungstruppen nach Darstellung von Rebellen die Separatistenhochburg Donezk unter heftigen Beschuss genommen. Mehrere Viertel seien getroffen worden, berichtete die Separatisten-Webseite Noworossija (Neues Russland) am Donnerstag. Angaben über Verletzte oder Tote gab es zunächst nicht. Im Kampf gegen die Rebellen rückten die Regierungstruppen zuletzt immer weiter auf die Stadt vor, in der zu Friedenszeiten fast eine Million Menschen lebten.

fab/mga/AP



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insgesamt 198 Beiträge
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spon-facebook-10000012354 14.08.2014
1. Keine Kontrollen?
Zitat von sysopDPADer umstrittene russische Hilfskonvoi fährt in Richtung der Separatistengebiete in der Ostukraine - offenbar auf dem Weg nach Luhansk. Internationale Kontrollen könnten so womöglich umgangen werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russlands-konvoi-fuer-ostukraine-rollt-offenbar-in-richtung-luhansk-a-986032.html
"Kiew lehnt eine Einfahrt der Fahrzeuge kategorisch ab. Nur unter Kontrolle des Internationalen Roten Kreuzes und nach Abnahme durch ukrainische Grenzer sei eine Einreise möglich. Die Ukraine fürchtet eine Grenzüberquerung, weil man eine russische Militäraktion unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe befürchtet. Diese Verdächtigung hat Moskau inzwischen als "absurd" zurückgewiesen". Diese Vermutung ist wohl doch nicht so absurd....
Mancomb 14.08.2014
2. Russland wäre wohl kaum so blöd
und würde unter den Hilfsgütern Waffen verstecken. Dadurch würden sie sich nur vollends ins Abseits manövrieren. Auch wenn ich Putin vieles zutraue, aber das würde selbst er nicht machen.
Lightyear 14.08.2014
3. Jetzt wird Putin auch noch zum Schmugler...
... nur zu keinem gutem. Es ist doch vollkommen offensichtlich, dass bei den Konvois was faul ist. Jedes Land hat das Recht die Güter die eingeführt werden zu kontrollieren. Bei Putins Beziehung zu den Terroristen ist es offensichtlich, dass man die Transporte nicht einfach so durchlassen kann.
zack34 14.08.2014
4. @ redaktion
Zitat per C&P: ---Zitat--- Die eingeschlagene Route macht es unwahrscheinlich, dass die Russen die Lastwagen nicht Richtung Charkow bewegen würden. Dort kontrollieren ukrainische Regierungstruppen das Gebiet. ---Zitatende--- Also die Russen bewegen die Lastwagen doch in Richtung Charkow, wo das Gebiet durch ukrainische Regierungstruppen kontrolliert wird. Oder etwa nicht?
imZweifel-richtig 14.08.2014
5. War klar....
Zitat von sysopDPADer umstrittene russische Hilfskonvoi fährt in Richtung der Separatistengebiete in der Ostukraine - offenbar auf dem Weg nach Luhansk. Internationale Kontrollen könnten so womöglich umgangen werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russlands-konvoi-fuer-ostukraine-rollt-offenbar-in-richtung-luhansk-a-986032.html
Und dass das Ganze eine Grenzverletzung der Ukraine ist, auch wenn das Gebiet derzeit nicht unter Kiever Kontrolle steht, ebenfalls. Aber das juckt den Lupenreinen nicht. Was da wohl alles geliefert wird?
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