Bürgerkrieg in Syrien Putin hält unbeirrt an Assad fest

Wladimir Putin sieht trotz der anhaltenden Gewalt in Syrien keinen Grund für einen Rücktritt von Machthaber Assad. Regierung und Opposition sollten über die Zukunft des Landes diskutieren, sagte der russische Präsident.

Russlands Präsident Putin: Unterstützung für Syriens Machthaber Assad
AP

Russlands Präsident Putin: Unterstützung für Syriens Machthaber Assad


Moskau - Syriens umstrittener Machthaber Baschar al-Assad kann weiter auf die Unterstützung seines Verbündeten Russland setzen: Präsident Wladimir Putin hält an dem Diktator und seinem Gewaltregime fest. In einem Interview mit dem englischsprachigen Staatsfernsehsender Russia Today verlangte der Kremlchef am Donnerstag ein Ende der Gewalt, erteilte aber zugleich Forderungen nach einem Rücktritt Assads eine Absage.

Die Vetomächte Russland und China hatten bislang Maßnahmen der Weltgemeinschaft gegen das Assad-Regime blockiert, das mit äußerster Brutalität gegen Zivilisten vorgeht. Zu den Bemühungen des Weltsicherheitsrates sagte Putin: "Das ist ein komplizierter Prozess, aber nur als Resultat harter Arbeit können wir Erfolg haben." Russland pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zum Assad-Regime, welches es bis zuletzt auch mit Waffenlieferungen unterstützte.

Moskau sei sich bewusst, dass es in Syrien Veränderungen geben müsse, erklärte Putin. "Aber das heißt nicht, dass diese Veränderungen blutig sein müssen", fügte er hinzu. Zunächst müssten Regierung und Opposition am grünen Tisch über die Zukunft des Landes diskutieren. Erst danach könnten interne Strukturen verändert werden. Die Lösung dürfe nicht von einer Seite diktiert werden.

Putins Worte ließen auf keine rasche Änderung in der russischen Syrien-Politik schließen. Deutschlands Uno-Botschafter Peter Wittig beklagte die Unentschlossenheit des Weltgremiums. "Den Preis für unsere Uneinigkeit zahlen die Zivilisten", sagte Wittig am Mittwoch im Uno-Hauptquartier in New York.

"Wir bedauern, dass wir so gelähmt sind", sagte Wittig. "Die Situation in Syrien ist dramatisch und wir könnten nicht beunruhigter sein." Seine Hoffnungen ruhten nun auf dem neuen Sondervermittler Lakhdar Brahimi. "Die Erwartungen an ihn sind hoch, und wir sollten aufpassen, sie nicht zu hoch zu schrauben."

Syrische Truppen drängten indes am Donnerstag die Aufständischen im Süden des Landes aus einer strategisch wichtigen Region an der Grenze zu Jordanien zurück. Wie Aktivisten berichteten, hatten die Rebellen gegen die von Kampfjets unterstützten und mit 20 Panzern angerückten Armeeverbände des Regimes keine Chancen. Die Ortschaft Tel Schehab und ihre Umgebung wurden bislang von Tausenden syrischen Flüchtlingen auf ihrem Weg nach Jordanien genutzt.

Bewohner in den jordanischen Grenzdörfern Al-Turra und Theneib hörten Explosionen und Schüsse jenseits der Grenze. Die jordanischen Sicherheitskräfte verstärkten ihre Kontingente an der Grenze auf nahezu das Doppelte, sagten jordanische Militärs einem dpa-Reporter in der Region. Bis Donnerstagnachmittag trafen 500 neue syrische Flüchtlinge in Jordanien ein. Nach dem Fall von Tel Schehab rechnen die Behörden mit mehr als 3000 Kriegsvertriebenen aus dem Nachbarland.

Am Rand von Damaskus griffen die Rebellen mehrere Armeekontrollpunkte an. Bei den Gefechten im Stadtteil al-Kadam seien mindestens zehn Menschen getötet worden, berichteten Oppositionsaktivisten. Demnach sei es auch zu Vergeltungsaktionen der Regimetruppen gekommen. Soldaten hätten zivile Bewohner des Stadtteils aus ihren Häusern geholt und an Ort und Stelle erschossen, unter ihnen zwei Brüder eines örtlichen Rebellenkommandeurs, sagte ein Aktivist.

hen/dpa



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Atheist_Crusader 06.09.2012
1.
Zitat von sysopAPWladimir Putin sieht trotz der anhaltenden Gewalt in Syrien keinen Grund für einen Rücktritt von Machthaber Assad. Regierung und Opposition sollten über die Zukunft des Landes diskutieren, sagte der russische Präsident. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854407,00.html
Ja... witzig dass wir nur von den Ausschreitungen der Regierungstruppen so regelmäßig hören. Dabei muss doch jedem der ein bisschen Ahnung von solchen Kriegen hat klar sein, dass es ein ewiger Rattenschwanz an Aktionen und Reaktionen ist. Selbst eine gut ordentliche, disziplinierte Armee mit funktionierender Militärpolizei und -gerichtsbarkeit kann solche Vorfälle nicht ganz verhindern. Aber wir sollen glauben, dass ein Haufen zusammengewürfelter, radikalisierter Zivilisten ohne militärische Ausbildung (die schnelle Waffenausbildung mal ausgenommen), ohne geeinte Führung, ohne Militärpolizei und mit einer Wagenladung an persönlichen Agendas das schafft? Ein Bürgerkrieg ist wie ein Schlammringkampf; selbst wenn man mit der weißesten Weste begonnen hat - am Ende sind alle gleich dreckig.
Comander 06.09.2012
2. eine Schande
die russische Haltung ist eine Schande und trägt nur zur Verlängerung des Konflikts bei!
jesse01 06.09.2012
3. Sagt gerade Putin,
der ja genauso ein Massenmörder ist wie Assad!! Wieviele Tschetschenen hat Putin von seinen Truppen ermorden lassen?? Putin hat ebenso jeden Widerstand in den einzelnen Sowjetrepubliken blutig niederschlagen lassen. Er stellt Assad quasi einen Freibrief zum morden aus. Man sehen was Gas-Gerd zu seinem lupenreinen Demokratenfreund heute sagen würde!! Von Gas-Gerd hört man komischerweise überhaupt nichts. Er wird schon wissen warum.
dontbelievethehype 06.09.2012
4. Wenn man das allgemeine Geschehen
Zitat von Comanderdie russische Haltung ist eine Schande und trägt nur zur Verlängerung des Konflikts bei!
.. nur durch die Schwarz-Weiß Brille sieht und die einseitige Propaganda ungefiltert übernimmt, dann könnte man Ihnen recht geben. Leider ist die Welt nicht so. Man könnte Putin unter anderen Nationen auch als Rettungsanker für Syrien betrachten, der verhindert, dass die Terroristen noch mehr Unheil anrichten und endlich aus dem Land vertrieben werden. Um endlich ein Zeichen gegen den geopolitischen Raubbau der Nato Nationen zu setzen, sonst werden die Kriege nie aufhören. Ich bin kein Assad Freund, aber nach wie vor ist er das kleinere Übel und wäre auch zu Reformen bereit, wenn das mal im Interesse der Aggressoren wäre. Aber diese möchten um jeden Preis den Regime-Change. Und wer möchte als nächstes drankommen? Iran>Türkei>Saudi-Arabien und dann vielleicht Russland? Einfach nur furchtbar.
chefchen1 07.09.2012
5. ... und da isse wieder ...
Zitat von sysopAPWladimir Putin sieht trotz der anhaltenden Gewalt in Syrien keinen Grund für einen Rücktritt von Machthaber Assad. Regierung und Opposition sollten über die Zukunft des Landes diskutieren, sagte der russische Präsident. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854407,00.html
... die feine Propagandashow. Ich dachte schon, der SPON setzt aus. Sehr chick der Satz: "Die Vetomächte Russland und China hatten bislang Maßnahmen der Weltgemeinschaft gegen das Assad-Regime blockiert." Der Westen und die Golfdikaturen sind jetzt die Weltgemeinschaft? Allein China vertritt mehr Menschen als der Rest der VETO-Mächte. Wie auch immer - die "Freunde" Syriens werden ja nun auch immer weniger - waren es im Juli in Paris noch über 100, kamen in Berlin nur noch 50 Staaten und Organisationen zusammen.
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