Moskau - Wladimir Putin sitzt an einem ausladenden Schreibtisch, vor ihm sind zwei Mikrofone aufgebaut, der blau verhängte Saal ist perfekt ausgeleuchtet: Seine Jahrespressekonferenz hat der russische Präsident perfekt inszenieren lassen.
Hunderte Journalisten aus der ganzen Welt - ausgerüstet mit Blöcken, Laptops, Kameras - hören den Ausführungen des Kreml-Chefs zu. Sie erleben einen Präsidenten, der auf die große Bühne zurückgekehrt ist und sich offenbar sehr gerne reden hört. Eine Zeitvorgabe für den Fragenmarathon gibt es nicht. Putins Rekord bei Pressekonferenzen bislang: hundert Fragen in vier Stunden und 40 Minuten.
Der Präsident verfüge über "eine große Menge Informationen in allen Lebensbereichen" und habe sämtliche Zahlen und Statistiken im Kopf, kündigte Putins Sprecher Dmitri Peskow die Pressekonferenz an. Das sei eine "gigantische Leistung".
"Ein kraftvoller Mann"
Auch die Medien zeigten sich von dem Kreml-Chef äußerst beeindruckt. Als eine Journalistin sich nach seiner Gesundheit erkundigt, leitet sie ihre Frage mit den Worten ein: "Sie sehen aus wie ein attraktiver, kraftvoller Mann."
Das hört Putin sehr gerne. Die Gerüchte, es stehe um seine Gesundheit nicht gut, seien falsch. "Das dient nur den Oppositionellen, die die Legitimität und Effizienz der Regierung in Frage stellen wollen", antwortet er.
Bereits vor einer Woche hatte er die Spekulationen zerstreuen wollen. Die Gerüchte waren aufgekommen, weil der Staatschef zwei Monate lang keine Auslandsreisen unternahm. Wochenlang wiederholte sein Sprecher, der Kreml-Chef erfreue sich bester Gesundheit. Nur zeigten TV-Bilder anderes: Putin hinkend auf dem Roten Platz oder sich abstützend auf einem Rednerpult.
Auf der Jahrespressekonferenz dagegen musste er sich nicht auf dem Rednerpult abstützen. Auf dem gigantischen Bildschirm hinter ihm lief das Spruchband Kremlin.ru sowie mehrere Einblendungen von den Umrissen Russlands oder Sehenswürdigkeiten des Landes.
Putin ging während seiner Pressekonferenz auf das geplante Adoptionsverbot für russische Kinder durch US-Familien ein. Er verteidigte die von dem russischen Parlament am Mittwoch verabschiedete Regelung - die auch eine Reaktion auf Strafmaßnahmen der USA gegen Russland ist. Der "Magnizki Act" vergifte die Beziehungen zwischen Moskau und Washington, so Putin. Die USA lebten in der Vergangenheit, wenn sie ein antirussisches Gesetz gegen ein anderes austauschten, sagte Putin. Auch die USA würden Menschenrechte verletzen, etwa auf Kuba im Lager Guantanamo: "Stellen Sie sich vor, bei uns gäbe es das."
Weitere Themen der Pressekonferenz? Putin scherzte über den vermeintlichen Weltuntergang am Freitag ("Ich weiß, wann das Ende der Welt kommt - in etwa viereinhalb Milliarden Jahren, wenn ich mich richtig an den Lebenszyklus unserer Sonne erinnere") und sprach über Gérard Depardieu. Der Schauspieler hat angekündigt, den französischen Pass abzugeben, und Putin bot ihm die russische Staatsbürgerschaft an. "Falls Gérard wirklich eine russische Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass will, so ist diese Frage bereits positiv entschieden."
kgp/dapd
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