Putin-Besuch in Italien Gekränkt

Beim G7-Gipfel blieb Russland draußen. Im Westen warnen einige Beobachter, man dürfe den früheren Partner nicht weiter isolieren. Jetzt nahm Präsident Putin zu dem Thema Stellung.


Die Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, Vize-SPD-Chef Ralf Stegner, Außenminister Frank-Walter Steinmeier - sie alle werben dafür, dass Russland bald wieder in die Runde der wichtigsten Industriestaaten zurückkehren darf. In Elmau war Präsident Wladimir Putin nicht dabei, die G7 tagte ohne ihn.

Putin, der isolierte russische Staatschef, meldete sich nun bei seinem Italien-Besuch zu Wort. Er warf der Gruppe der sieben führenden Wirtschaftsnationen Desinteresse an seinem Land vor. Als Teil der G8 - G7 und Russland - habe Moskau eine alternative Sicht der Dinge angeboten, sagte Putin am Mittwoch. Nun glaubten die anderen Staaten, dass sie das nicht mehr benötigten. "Unsere Partner haben entschieden, dass sie diese Alternative nicht mehr brauchen."

Gegenwärtig habe Russland "keine Beziehungen" zur G7, Putin schloss eine Zusammenarbeit aus. Moskau sei aber zu bilateralen Kontakten mit den Mitgliedern bereit, sagte Putin am Mittwoch. Neben Deutschland, den USA, Frankreich, Großbritannien, Japan und Kanada gehört auch Italien zu den G7-Staaten.

Putin (l.), Premier Renzi: Erhebliche Differenzen
AFP

Putin (l.), Premier Renzi: Erhebliche Differenzen

Zur Lage in der Ukraine erklärten Putin und sein Gastgeber, Ministerpräsident Matteo Renzi, das Minsk-Abkommen vom Februar müsse umgesetzt werden. Renzi sagte allerdings, es gebe weiter erhebliche Differenzen in der Bewertung des Konflikts.

Wegen der Ukraine-Krise war Russland im vergangenen Jahr aus dem G8-Format ausgeschlossen worden. In Elmau drohten die Industrienationen Moskau mit neuen Sanktionen. Falls die Lage in der Ostukraine weiter eskaliert, sollen die Strafmaßnahmen entsprechend verschärft werden.

Die G7 seien eine Gruppe von Staaten, die Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit teilten, hatte Kanzlerin Angela Merkel gesagt. "Zu unseren Prinzipien gehört es auch, dass wir das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit der Grenzen verteidigen, weil sie die Basis unserer Friedensordnung sind. Russlands Annexion der Krim war dagegen eine Verletzung des Völkerrechts", betonte sie. Merkel verwies darauf, dass Putin bei den regelmäßigen Treffen der G20 vertreten sei. Dort habe sich "eine sehr gute Arbeitsatmosphäre entwickelt".

Der Westen wirft Moskau vor, prorussische Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen und damit das Land zu destabilisieren. Die Lage in der Ostukraine verschlechterte sich zuletzt nach Einschätzung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit deutlich.

heb/dpa/Reuters

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rgw_ch 10.06.2015
1. Putins Sicht
Da es an sich immer gut ist, in einem Konflikt den Standpunkt beider Seiten zu kennen, sei darauf hingewiesen, dass Putin dem "Corriere Della Sera" ein recht ausführliches Interview gegeben hat. Das Interview ist auf italienisch und auf englisch publiziert. Hier die englische Version:http://goo.gl/fdiHMG. Wer sich auf den Standpunkt stellt: "Putin lügt sowieso immer und es interessiert mich nicht, was er zu sagen hat, und ich möchte nicht für einen Putinversteher gehalten werden", soll den Link lieber nicht anklicken.
heiko1977 10.06.2015
2.
Wo ist der russische Präsident, oder besser gesagt Russland, isoliert? Russland unterhält enge Beziehungen zu China und Iran (mit beiden Staaten auch militärische Bündnisse), Indien, Pakistan, Brasilien, Südafrika, Argentinien um nur die wichtigsten zu nennen. Was die Bewertung des Ukraine-Konflikts angeht, so sollte dies den Historikern überlassen werden wie dieser bewertet wird. So unterliegen Konflikte immer auch einem Wechsel der Bewertung je nach der Zeitspanne die vergangen ist. Der Vietnam-Konflikt wurde auch zu seiner aktuellen Zeit der 1960er und 70er Jahre anders bewertet als heute.
GlobalerOptimist 10.06.2015
3. Rußland unter Putin
kehrt zu altem Wein in alten Schläuchen zurück. Nun stinkt der Wein sogar schon gen Himmel. Schon hat Stalin-Verehrung eingesetzt und vieles mehr ... Irgendwann lesen wir dann die Losung "Lenin, Stalin, Putin". -:) P.S.: Fragt sich nur, wieviele Menschen voher noch sterben müssen.
and_one 10.06.2015
4. Die ticken wohl nicht mehr ganz richtig?
Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, Vize-SPD-Chef Ralf Stegner und Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollen wieder mit Putin kuscheln, während der im europäischen Nachbarland einen Angriffskrieg führt? Mit ihm reden? Klar. Ihn wieder integrieren? Nein, nicht so lange er diesen Krieg führt und nicht für die Folgen aufkommt. Dazu gehört auch die Rücknahme der Annexion der Krim.
seneca55 10.06.2015
5. Prima, dann geht ja alles seinen Gang
Putin verkehrt mit den westlichen Partnern nur noch im bilateralen Verhältnis und trifft in der G-20 auf die Gruppe des Westens zusammen mit seinen BRICS. Russland hat den Tritt wegen der Sanktionen aber noch nicht ganz verdaut, aber ob der Westen mit der schönen Ukraine glücklich werden wird, ist mehr als fraglich; denn das Brautgeld hat sich schon von 17 Mrd. auf 40 Mrd. USD innerhalb eines Jahres fast ver-2,5-facht. Die Ukraine wird bestimmt so teuer wie Griechenland.
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