S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: George Bushs linke Erben

Von Jan Fleischhauer

Plötzlich wollen es alle gewusst haben - Präsident Mubarak ist ein Schurke und noch schlimmer sind die USA, die bis zuletzt zu ihm halten. Dabei war es gerade George W. Bush, der immer an die Demokratisierung der islamischen Welt glaubte - und von der versammelten Linken dafür verspottet wurde.

Also: Der Westen ist schuld. Gut, dass dies schon mal geklärt wäre. Wo immer sich der Volkszorn entlädt, wie jetzt in der arabischen Welt, darf der Verweis auf Amerika, den großen Satan, nicht fehlen. Die USA stehen eigentlich immer am Pranger, wenn es sich zu empören gilt, da kann man nie falsch liegen. Israel natürlich auch, allerdings erst im zweiten Satz, so viel Rücksicht auf die Geschichte nimmt man im aufgeklärten Lager dann doch.

Diesmal lautet der Vorwurf, die Amerikaner hätten das korrupte Regime in Ägypten gestützt und damit ihre Werte verraten.

Davon abgesehen, dass die Deutschen nie in die Verlegenheit kommen, ihre Werte aufzugeben, weil sie außenpolitisch keine nennenswerte Rolle spielen, muss man leider sagen: So ist das mit der Realpolitik. Wer die Interessen der freien Welt vertritt, darf bei der Wahl seiner Verbündeten nicht allzu wählerisch sein, sonst steht er schnell ziemlich allein da.

Die offene Gesellschaft hat außerhalb von Europa weniger Freunde, als wir gerne annehmen wollen. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, man würde nur mit Regierungen zusammenarbeiten, die unsere Vorstellungen von einem demokratischen Gemeinwesen teilen. Dann bliebe allerdings in der Region, auf die wir jetzt so gebannt schauen, nur Israel übrig, das einzige Land im Nahen Osten, das seinen Bürgern alle westlichen Freiheitsrechte garantiert, inklusive Frauen, Homosexuellen und Andersdenkenden. Aber das wäre ja irgendwie auch nicht recht.

Wo liegen die Sympathien aufrechter, linksdenkender Menschen?

Tatsächlich liegen die Sympathien gerade vieler aufrechter, linksdenkender Menschen nicht bei den Israelis, die selbst den arabischen Einwohnern in ihrer Mitte mehr Freiheiten gewähren als alle Nachbarstaaten zusammen, sondern erstaunlich oft bei den frauenverschleiernden, schwulenhassenden, minderheitenverachtenden Moslembrüdern im Umland. Rätsel Aufklärung.

Mit Sicherheit wäre man eher geneigt, den Anklagen Glauben zu schenken, wenn sich die Empörung über den Diktator Husni Mubarak und seiner Satrapenregierung schon früher Bahn gebrochen hätte.

Bei ARD und ZDF findet sich leider kein einziger Beitrag über die finsteren Seiten des ägyptischen Regimes, das jetzt ins Wanken gerät. Und was heißt überhaupt Diktator? Hieß der Mann nicht eben noch, von "taz" bis "Süddeutsche", respektvoll "Präsident Mubarak"? Na gut, auch im Journalismus setzt die Erkenntnis manchmal verspätet ein, dafür dann umso heftiger.

Nun wird also eine wertegeleitete Außenpolitik gefordert, die weltweit entschlossen für die Menschenrechte eintritt. Das klingt gut, wer will etwas dagegen haben? Eigenartig nur, dass die selben Leute, die jetzt so vehement mehr Idealismus einfordern, gerade eben noch die USA für ihre Abkehr von den Prinzipien der Realpolitik gescholten haben.

Bush glaubte an die Demokratisierung der islamischen Welt

Es war, so schmerzlich dies auch für den einen oder anderen sein mag, der verhasste George W. Bush, der an die Demokratisierung der islamischen Welt glaubte und sich dafür den Hohn und Spott der gesammelten Linken einhandelte.

Ohne auch nur einen Muslim näher zu kennen, wussten alle gleich, warum sich das Modell westlicher Demokratien nicht auf eine rückständige Gesellschaft wie den Irak übertragen lasse und der neokonservative Glaube an den universalen Drang nach Freiheit und Fortschritt naiver Unsinn sei. Möglicherweise hatten die Kritiker sogar recht, wenn auch aus den falschen Gründen. Für viele Menschen scheint die Aussicht auf Stabilität und Ordnung mindestens so wichtig zu sein.

Jetzt können wir nur gemeinsam hoffen, dass der Freiheitsdrang am Ende siegt. Die ägyptischen Muslimbrüder haben Amerika und Israel ebenfalls als die Schuldigen ausgemacht, allerdings in der umgekehrten Reihenfolge. Für sie ist Mubarak ein "zionistischer Agent", weshalb er wie die Zionisten vernichtet gehört, dann kommen die "Helfer" aus Amerika.

Die eigentliche Revolution ist so gesehen, dass die arabische Jugend nicht auf die Straße geht, um US-Flaggen zu verbrennen und Israel den Tod zu wünschen, sondern sich die eigene Regierung vornimmt.

Mal sehen, wie lange das anhält.

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insgesamt 405 Beiträge
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1. Der Unterschied...
delohf 07.02.2011
Der Unterschied, Herr Fleischhauer, ist, dass George W. Bush die Demokratie im Irak mit Gewalt erreichen wollte, durch Krieg und Besatzung. Was die linken schon immer gefordert haben war, die Demokratie vom Volk aus kommen zu lassen. Deswegen ist die Demokratisierung wie sie jetzt geschieht auch "gut" und die Demokratisierung wie sie George W. Bush erzwingen wollte nicht "gut".
2. Fleischhauer hat zuviel H.M. Broder gelesen und ...
Beobachter! 07.02.2011
...versucht ihm nachzueifern. Dafür können seine offenbar Thesen nicht Abstrus genug sein. Fehlt noch, dass er Bush zum Vater der ägyptischen Demokratiebewegung stilisiert.
3. visionär in blöd
silvousplait 07.02.2011
Zitat von sysopDabei war es gerade George W. Bush, der immer an die Demokratisierung der islamischen Welt glaubte - und von der versammelten Linken dafür verspottet wurde.
Und und diese Demokratisierungsbestrebungen zu unterstreichen, hat hat dieser geistige Tiefflieger kurzerhand den Irak überfallen und mit Guantanamo ein Vorzeigebeispiel für den zivilisierten Umgang mit der islamischen Welt geliefert. Danke Georgie!
4. Na denn man Prost
elpaso 07.02.2011
Herr Fleischhauer, so sehr man Ihnen zustimmen kann, aber da wartet Ihr Her Augstein gleich schon mit seiner Gutmenschenklatsche. Der wird es schon schaffen mit seinen abgedroschenen linksidealistischen Phrasen zu zeigen, was wirklich wahr ist! Der Westen sit einfach Schuld, egal was er tut. Nur die Linke hat die moralsiche Oberhoheit. Das gesagt von einem, der ebenfalsl gegen seinen inneren Willen vom Helmut Schmidt-Linken immer mehr in die konservative Richtung driftet, weil die Relalitäten nicht zu übersehen sind und die Ratio einfach stärker ist als ein diffuses linkes Gutmeschen-Bauchgefühl. Ich war vor 20 Jahren noch absoluter Verfechter von Multilulti und habe durch viele Auslandsaufenthalte und negative Erfahrungen mit Rassismus gegenüber Europäern meine Haltung komplett geändert. Migration mag da erträglich sein, wo sie keine islamsichen Mehrheiten schafft.
5. Ich sage voraus
sir.viver 07.02.2011
in 30 Jahren gilt George W. Bush als einer der groessten Praesidenten des 20. Jhdts. und Obama wird als Luftsack entlarvt sein, der nicht einmal eine zweite Amtszeit schaffte. Obama kann sich bei Losern wie Carter und L. B. Johnson einreihen, George W. Bush bei Roosevelt, Eisenhower, Reagan. Die Geschichte wird es zeigen. Der Schoenling Kennedy war auch nur ein Luftsack und Weiberheld, der die USA in den Vietnamkrieg vertrickt hat und damit fuer Jahrzehnte gelaehmt. Wenigstens hat er die Kubakrise sehr gut gemeistert. Der dramatische Tod hat ihn als "Legende" unsterblich gemacht, aber nicht sein Lebenswerk. Ebensowenig wird von Obama uebrig bleiben.
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