S.P.O.N. - Im Zweifel links Der Kampf der Bösen

Zehn Jahre nach dem 11. September 2001 gibt es nur Verlierer: Der Islam wurde von verblendeten Ideologen als Geisel genommen. Der Westen hat im Kampf gegen den Terror seine Werte verraten. Und jetzt haben wir auch noch die Islamophoben an der Backe.

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Was bleibt, zehn Jahre danach? Zwei Bilder, in denen die ganze Geschichte erzählt ist: Hier die brennenden Türme. Dort der Gefolterte von Abu Ghuraib. Das ist die Ikonografie des menschlichen Irrsinns. Das schreckliche Verbrechen von New York und das schreckliche Verbrechen des Kriegs gegen den Terror.

Gewalt wurde mit Gewalt bekämpft und hat nur noch mehr Gewalt gezeugt.

Wer geglaubt haben sollte, dass die Menschen aus den Kriegen des 20. Jahrhunderts etwas gelernt hätten, der wurde gleich zu Beginn des neuen Jahrtausends eines Besseren belehrt. Nein, wir haben nichts gelernt. Wir sind immer noch allzeit bereit uns gegenseitig auszulöschen, notfalls mit den bloßen Händen. Und wir haben dafür immer einen guten Grund. Wir sind immer im Recht.

Was bleibt, zehn Jahre danach? Die Erkenntnis, dass sich selbst verurteilt, wer dem Gesetz der Rache folgt. Und dass eine Bilanz des Schreckens am Ende niemals aufgehen kann. Die Politik der USA nach dem 11. September war nicht nur unmoralisch. Sie hat sich selbst geschadet.

Den knapp 3000 Toten des 11. Septembers folgten mehr als 6000 getötete US-Soldaten in Afghanistan und im Irak, ungezählte Opfer in der Zivilbevölkerung, fünf Millionen Flüchtlinge und Kosten, die zurzeit auf über drei Billionen Dollar geschätzt werden.

Was der Westen hätte tun sollen, nach den Angriffen auf Amerika? Mit der Vertreibung al-Qaidas aus Afghanistan hätte der "Krieg gegen den Terror" beendet werden müssen. Statt dessen haben die USA daraus einen ideologischen Weltkrieg werden lassen.

Aber sie haben sich in diesem Kampf so über jedes vernünftige Maß hinaus erschöpft, dass es zu Verschiebungen in der globalen Machttektonik gekommen ist. Der Aufstieg Chinas, vielleicht ohnehin unaufhaltbar, wurde beschleunigt. Und die USA haben sich überschätzt, die Allmachtsphantasien der Neocons sind gescheitert. Demokratie, wenn es darum jemals ging, lässt sich nicht von außen herbeibomben. Sie muss von innen wachsen.

Lebensgefährliche und unsinnige Spaltung der Welt

Was bleibt, zehn Jahre danach? Es bleibt, dass viele Muslime und Westler sich gegenseitig für fanatisch und gefährlich halten (die Muslime halten die Menschen im Westen überdies noch für korrupt und gierig). Es bleibt eine zugleich lebensgefährliche und unsinnige Spaltung der Welt in Muslime und Westler, die tiefer geht und irreparabler erscheint, als man sich das vor der Erfindung des Begriffs vom Kampf der Kulturen vorstellen konnte. Eine Spaltung, die Staaten und Kontinente trennt, die aber auch die westlichen Gesellschaften im Inneren zerreißt: Die pathologische Islamophobie, die sich in weiten Teilen Europas ausbreitet und rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen Zulauf verschafft, ist ohne 9/11 nicht denkbar. Die Taten des Massenmörders Anders Behring Breivik sind ohne 9/11 nicht denkbar.

Wenn man sich ansieht, was bleibt, zehn Jahre danach, dann spielt es schon keine Rolle mehr, dass Osama bin Laden, dieser Revolutionär des Bösen, sein eigentliches Ziel nicht erreicht hat. Das große, alle Muslime einigende Kalifat ist nicht errichtet worden. Im Gegenteil: Den einzigen Staat, in dem seine Heilsideen bereits weitgehend verwirklicht waren - vom Tonbandverbot über die Säureattacken bis zum Bildersturm - stürzte der Qaida-Chef durch seinen Angriff auf die Amerikaner ins Verderben: Afghanistan. Als Revolutionär ist bin Laden gescheitert. Als Terrorist war er über jedes Maß hinaus erfolgreich.

Zehn Jahre danach also nur Grund zur Verzweiflung? Nein. Es ist richtig, dass nicht einmal die Sintflut das Böse von der Erde waschen konnte. Gott hat am Ende resigniert: "Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf", heißt es im 1. Buch Moses. Aber, das was Franz Kafka im Prozess als das vollkommen Entsetzliche beschreibt: "Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht", setzt sich auf Dauer nicht durch.

Osama bin Laden liegt tot auf dem Meeresgrund, George W. Bush sitzt als Rentner auf irgendeiner Farm in Texas, und in Nordafrika hat der arabische Frühling begonnen. Ein Aufbruch.

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insgesamt 261 Beiträge
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Seite 1
sitting-bull 08.09.2011
1. Und...
die Medien sind in der Glaubwürdigkeitsfalle, in dem sie einfach alles der Bush-Regierung nachplapperten- siehe aktuelles Interview mit Gerald Baars auf tagesschau.de 9/11 ist zentrales Moment, Kumulationspunkt, dieser Glaubwürdigkeitskrise. Weil es eine Lüge ist.
KingChalid II 08.09.2011
2. Tja lieber Jakob...
Zitat von sysopZehn Jahre nach dem 11. September 2001 gibt es nur Verlierer: Der Islam wurde von verblendeten Ideologen als Geisel genommen. Der Westen hat im Kampf gegen den Terror seine Werte verraten. Und jetzt haben wir auch noch die Islamophoben an der Backe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785049,00.html
...so gleicht sich alles doch irgendwie aus! ...denn seit einer Weile haben alle die durchaus mit Recht auf klar zu erkennende Integrationsprobleme in diesem Lande hinweisen das Vergnügen von leicht hysterisierten Relativisten und Verniedlichern Ihrer Coleur als "krank" bezeichnet zu werden! (-;
sexobjekt, 08.09.2011
3. .....
Zitat von sysopZehn Jahre nach dem 11. September 2001 gibt es nur Verlierer: Der Islam wurde von verblendeten Ideologen als Geisel genommen. Der Westen hat im Kampf gegen den Terror seine Werte verraten. Und jetzt haben wir auch noch die Islamophoben an der Backe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785049,00.html
wo sind den all diese "Islamophoben"? Ich kenne nur Mitmenschen denen der Islam an sich völlig egal ist. Die damit nichts zu tun haben wollen, und das ist das wichtigste: sich durch diese Religion nicht auch nur ansatzweise irgendwie einschränken, bevormunden oder verurteilen lassen möchten. Wenn man seine Essgewohnheiten, seinen Alkoholkonsum, seine Kleidung so behalten möchte wie sie sind oder ist oder wenn man keine Einschränkungen der Badetage für Männer im Städtischen Schwimmbad möchte, ist man dann "ISLAMOPHOB"?
yast2000 08.09.2011
4. To late!
Sorry, lieber Jakob Augstein, ihre Analysen kommen mindestens sieben Jahre zu spät. Als ähnlich denkender Vollblutintellektueller bescheinige ich Ihnen hiermit ein gewisses Talent zum Langweiler. Wenn Sie dagegen mit der gleichen subtilen Raffinesse über Sinn und Unsinn von Euro und Europa schreiben würden, würden wir andachtsvoll zuhören. Aber dazu sind Sie wohl zu feige... :-) Gruß aus Berlin!
fluxkompensator, 08.09.2011
5. is klar
Zitat von sitting-bulldie Medien sind in der Glaubwürdigkeitsfalle, in dem sie einfach alles der Bush-Regierung nachplapperten- siehe aktuelles Interview mit Gerald Baars auf tagesschau.de 9/11 ist zentrales Moment, Kumulationspunkt, dieser Glaubwürdigkeitskrise. Weil es eine Lüge ist.
Klar, alles Lüge, was nicht in die ganz eigene "Realität" passt. Sie können sich jetzt ausloggen und weiter im Protokoll der XXVI. Sitzung des ZK der SED lesen, da steht garantiert die Wahrheit (russ.: Prawda) drin. Und warum kann man den SPON-Artikel über den Bombenfund in der Weddinger Moschee nicht kommentieren?
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