Saddam am Galgen Hinrichtungsvideo wird Verkaufsschlager

Das heimlich mit einem Handy gedrehte Video von der Hinrichtung Saddams schürt den Hass zwischen Schiiten und Sunniten im Irak. In Bagdads Schiiten-Hochburg Sadr-City avanciert die Aufnahme zum Verkaufsschlager.


Bagdad - Der Franzose Emmanuel Ludot, einer der Anwälte Saddams, verlangte in einem Brief an den neuen Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Untersuchung der Hinrichtung. Sowohl das Video als auch die Hinrichtung seines Mandanten verstießen gegen die Genfer Konvention von 1949. Saddam sei bis zu seinem Tod vom Status her Kriegsgefangener gewesen, also hätte die Konvention auf ihn angewandt werden müssen, heißt es in dem in Auszügen veröffentlichten Schreiben.

Junge in Sadr-City verbrennt Banknote mit Saddam-Motiv: Jubel in der Schiiten-Hochburg
REUTERS

Junge in Sadr-City verbrennt Banknote mit Saddam-Motiv: Jubel in der Schiiten-Hochburg

Der Anwalt will außerdem wissen, wer die vermummten Henker waren, denn hochgestellte Saddam-Gegner könnten "in einem üblen Handel mit der Besatzungsmacht das Privileg erhalten haben, bei der Tötung selbst Hand anzulegen".

Der bei der Vollstreckung anwesende Staatsanwalt Munkith al-Farun hatte gestern erklärt, hochrangige irakische Regierungsmitarbeiter hätten die unerlaubten Video-Aufnahmen gedreht. Unter anderem sind in dem Video Hochrufe auf den radikalen Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr, einen der größten Gegner des Sunniten Saddam, zu hören. Der Ex-Diktator entgegnet: "Fahr zur Hölle". Als Saddam am Galgen hängt, bricht Jubel unter den Anwesenden aus - offenbar kommt er von Saddams Wächtern.

In der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City sei das Video zum Verkaufsschlager geworden, berichteten Anwohner. Zudem sei dort eine zweistündige CD im Umlauf, die die Urteilsverkündung im Prozess wegen der Ermordung von 148 Schiiten im Ort Dudschail 1982 in voller Länge zeigt - bisher waren auch davon nur Ausschnitte veröffentlicht worden. Zuvor hatten Sunniten in Bagdad und der Stadt Samara auch gegen das Hinrichtungs-Video protestiert.

Die Regierung hatte wenige Stunden nach der Exekution am Samstagvormittag nur ein kurzes Video ohne Ton veröffentlicht. Es bricht ab, als der Henker die Schlinge zuzieht. Das im Internet kursierende Video nebst Ton ist mehr als zwei Minuten lang und zeigt die Hinrichtung bis zum Ende.

Saddam sowie sein Halbbruder Barsan al-Tikriti und der Ex-Richter Awad al-Bandar waren am 5. November vergangenen Jahres zum Tode verurteilt worden. Saddam war im Morgengrauen am Samstag hingerichtet worden. Die Hinrichtung der beiden anderen war verschoben worden. Sie wird nach dem islamischen Opferfest erwartet, das für die Schiiten am heutigen Mittwoch zu Ende geht.

als/dpa



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