Saddam-Exekution Mutmaßlicher Urheber von Hinrichtungsvideo festgenommen

Die irakische Regierung hat im Zusammenhang mit dem umstrittenen Video der Hinrichtung Saddam Husseins einen Verdächtigen festgenommen. Er soll die Exekution aufgenommen und den Film verbreitet haben.


Bagdad - Ist die Quelle des umstrittenen inoffiziellen Videos von der Exekution des ehemaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein gefasst? Die irakische Regierung jedenfalls glaubt, den Urheber der umstrittenen Aufnahmen ausfindig gemacht zu haben. Ein Berater des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, die Behörden hätten heute einen Mann festgenommen. Dabei handle es sich um einen "Offiziellen, der die Hinrichtung beaufsichtigte". Einen Namen nannte er nicht. Der vom arabischen Sender al-Dschasira und im Internet verbreitete Film hatte international Empörung ausgelöst. Er zeigt die Hinrichtung in voller Länge und im Unterschied zum offiziellen Video auch mit Ton.

Auszug aus dem Hinrichtungsvideo: "Ist das der Mut der Araber?"
AFP

Auszug aus dem Hinrichtungsvideo: "Ist das der Mut der Araber?"

Regierungschef Maliki hatte das Innenministerium angewiesen zu ermitteln, wer das Video machte und wer es an die Medien schickte. Auch die britische Tageszeitung "The Times" berichtet von einer Festnahme im Zusammenhang mit dem Hinrichtungsvideo. In dem Bericht ist allerdings nicht von einem Offiziellen, sondern einem Wachmann des Gefängnisses die Rede.

Die Zeitung zitiert den Regierungsberater Sadiq al-Rikabi mit den Worten: "Der Fehler wurde untersucht und nun ist die Person, die das Video aufgenommen und verbreitet hat identifiziert und festgenommen worden". Man werde prüfen, ob er die Aufnahmen gezielt gemacht habe, ob ihm jemand den Auftrag dazu gegeben habe oder ob er es tat, ohne sich der Folgen bewusst zu sein, sagte Rikabi der Zeitung.

Im Irak protestierten vor allem Sunniten nach der Ausstrahlung der Aufnahmen. Sie hatten ihren Sonderstatus nach dem Sturz Saddam Husseins im März 2003 verloren. In dem inoffiziellen Video ist zu hören, wie Zeugen der Hinrichtung den Namen des Schiitenführers Muktada al-Sadr rufen. Saddam Hussein fragt daraufhin: "Ist das der Mut der Araber?" Eine Stimme antwortet: "Zur Hölle".

Auch die Hinrichtung selbst ist zu sehen. Bei der Exekution waren eine nicht bekannte Zahl von Wachleuten und 14 ausgewählte Zeugen zugegen. Der irakische Staatsanwalt Munkith al-Farun sagte, dass zwei Zeugen der Hinrichtung entgegen der Bestimmungen ein Mobiltelefon dabei hatten und offen gefilmt hätten. "Es (das Video) entstand in aller Öffentlichkeit", sagte Farun dem Sender al-Irakija. Er sei daher von der "Medienhysterie" überrascht. Aufnahme und Verbreitung des Videos stelle nur im Falle einer kommerziellen Verwertung einen Straftatbestand dar.

Die Namen der Männer, die die Aufnahmen machten, wollte Farun nicht nennen. Die "New York Times" dagegen schrieb, Farun habe gesagt, einer der beiden sei Sicherheitsberater Mowaffak al-Rubai gewesen. Farun wies dies später zurück und sagte, er beschuldige Rubai nicht und habe auch nicht gesehen, dass er Aufnahmen gemacht habe. Auch Rubai selbst sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, er habe die Bilder nicht gemacht.

Die provozierenden Rufe seien von Wachleuten außerhalb der Hinrichtungskammer gekommen, erklärte Farun. Er selbst bemühte sich offenbar darum, für Ruhe zu sorgen: "Bitte nein, dieser Mann wird gerade hingerichtet, ich bitte Sie, nein", sagt eine Stimme in dem Video, die ihm zugeschrieben wird.

US-Soldaten nahmen unterdessen bei Razzien im westirakischen Ramadi am Mittwochmorgen 23 Terrorverdächtige fest. Die Männer sollen nach Militärangaben Verbindungen zu ranghohen Mitgliedern des Terrornetzwerks al-Qaida haben. Drei der Festgenommenen zündeten während des Einsatzes Sprengsätze, einer wurde beim Versuch zu fliehen angeschossen. Die US-Streitkräfte gaben den Tod eines weiteren US-Soldaten bekannt. Er sei am Sonntag südlich von Bagdad Opfer einer Bombenexplosion geworden.

phw/AP/AFP/dpa

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