Saddam-Regime Drittes Todesurteil gegen "Chemie-Ali"

Zweimal wurde der als "Chemie-Ali" bekannt gewordene Iraker Ali Hassan al-Madschid bereits zum Tode verurteilt. Wegen der Ermordung schiitischer Muslime verhängte ein irakisches Gericht gegen den Vetter von Saddam zum dritten Mal die Höchststrafe.


Bagdad - Der Iraker Ali Hassan al-Madschid wurde vom Obersten Strafgerichtshof in Bagdad wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Dem als "Chemie-Ali" bekannt gewordenen Madschid und 13 weiteren Angeklagten war vorgeworfen worden, in den Tod von Dutzenden Schiiten verwickelt zu sein. Diese waren im Jahr 1999 im Bagdader Stadtteil Sadr-City und in der Stadt Nadschaf im Süden des Landes ermordet worden.

Madschid war 2007 zum ersten Mal zum Tode verurteilt worden - damals wurde ihm die Niederschlagung des kurdischen Aufstands in den Jahren 1987 und 1988 zur Last gelegt. Ende vergangenen Jahres folgte dann die zweite Todesstrafe, zu der er wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung des Schiitenaufstands 1991 verurteilt wurde. Madschid, ein Vetter des Diktators Saddam Hussein, muss sich nun noch in einem vierten Prozess verantworten. Darin geht es um die Hinrichtung von 42 Geschäftsleuten im Jahr 1992.

Außer Madschid verurteilte das Gericht in dem sogenannten Freitagsgebet-Prozess noch einen weiteren Ex-Funktionär von Saddams Baath-Partei sowie einen ehemaligen Offizier zum Tode. Vier Angeklagte erhielten lebenslange Haftstrafen. Drei Ex- Funktionäre müssen sechs bis 15 Jahre hinter Gitter. Insgesamt vier Angeklagte wurden freigesprochen.

Der ebenfalls angeklagte frühere Vizeregierungschef Tarik Asis wurde freigesprochen, muss sich aber wegen weiterer Verbrechen verantworten.

Der Staatsanwalt habe nicht beweisen können, dass der ehemalige Außenminister vor zehn Jahren an der brutalen Niederschlagung eines Schiiten-Aufstandes beteiligt gewesen sei, hieß es in dem Urteil, das am Montag in Bagdad verkündet wurde.

als/dpa/AFP

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