Saddams Guerilla-Krieg: Das Gespenst in den Häusern der Iraker
Saddam Hussein ist gefasst. Ist damit die Widerstandskraft der Iraker gebrochen? Bisher ging jede Hoffnung, der Kampf gegen die britische und amerikanische Kriegsallianz könnte aufhören, ins Leere.
Al-Dschasira veröffentlichte ein Video mit Widerstandskämpfern, die sich "Guerilleros" nennen
Wie ein Gespenst aus dem Off sprach plötzlich Saddam zu den Irakern. Die CIA erklärte die kratzige Stimme, die Mitte Juli über den arabischen Sender al-Dschasira ihren Weg in die Hütten und Häuser der Iraker fand, als authentisch. "Zuerst möchte ich sagen, dass ich im Irak bin", sagte die Stimme, "und ich vermisse euch alle, auch wenn ich mitten unter euch bin - ihr wisst ja, wie die Dinge stehen". "Oh Brüder und Schwestern", fuhr Saddam fort, "ich habe gute Nachrichten für euch: Zellen und Brigaden von Gotteskriegern haben sich bereits formiert."
Der Guerillakrieg war offenbar von langer Hand vorbereitet. Ein geheimes Dokument kursierte bei der irakischen Geheimpolizei Mukhabarat bereits im Januar, zwei Monate vor dem Krieg. Inhalt des Dossiers: "Was nach dem Fall der irakischen Regierung gegen die amerikanisch-britisch-zionistische Koalition zu tun nötig ist."
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Den Amerikanern blieb zwar der befürchtete zermürbende Häuserkampf während des Krieges erspart. Doch nahezu täglich greifen bewaffnete Marodeure, ehemalige Funktionäre der Baath-Partei, Fedajin, Saddams paramilitärische Kämpfer, amerikanische und britische Soldaten an. Die Amerikaner hatten den Fehler begangen, die komplette irakische Armee aufzulösen. Viele ehemalige Soldaten schlossen sich mangels Perspektive dem Widerstand an. Für jeden getöteten Amerikaner, so hieß es, habe Saddam ein Kopfgeld ausgelobt.
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Auch nach dem Tod der Saddam-Söhne Udai und Kussei am 22. Juli war der irakische Widerstand wider Erwarten ungebrochen. Die potenziellen Nachfolger Saddams hatten neben Ali Hassan al-Madschid (seit 21. August in Haft), genannt "Chemical Ali", und dem Saddam-Vertrauten Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan (festgenommen am 18. August) als Rädelsführer des Aufstands gegolten.
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Es ist nicht nur Saddams Geist, der die alten Getreuen - "Todgeweihte" wie sie Rumsfeld zu nennen pflegte - beflügelte, es ist auch der pure Hass auf die Amerikaner, der die Gotteskrieger in den Irak trieb. US-Geheimdienste und Pentagon berichteten einhellig, dass religiöse Fanatiker aus dem Jemen, aus Syrien und Saudi-Arabien in den Irak einsickerten, um dort im Heiligen Krieg zu dienen. Einer der führenden Prediger im Irak, Scheich Muajjad al-Adhami, stellte den religiösen Fanatikern das Höchste in Aussicht: "Wer im Kampf gegen die Amerikaner stirbt, wird als Märtyrer ins Paradies eingehen."
Der Widerstand der "Todgeweihten" ist ungebrochen: Rumsfeld
Lange hatte der Pentagon-Chef glauben machen wollen, gewöhnliche Kriminelle seien für die Anschläge auf die US-Armee verantwortlich. Der US-Oberbefehlshaber im Nahen Osten, John Abizaid, nahm erst einen Monat später (Mitte Juli) erstmals das Wort "Guerilla-Krieg" in den Mund. Rumsfeld wollte davon noch eine Woche zuvor nichts wissen. Doch wenn Gruppen von sechs bis acht Leuten mit Panzerabwehrraketen und Maschinengewehren bewaffnet angreifen, "wann und wo es ihnen beliebt", dann, so Abizeid, sei dies eine "klassische Guerillataktik".
Abizaid sprach indes nicht nur das verhasste Wort "Guerilla" aus. Er rührte auch an amerikanische Urängste, als er sagte, die US-Truppen könnten sich über kurz oder lang in einer Situation wieder finden, die der während des Vietnamkrieges ähnlich sein werde. Ob der irakische Guerillakrieg eine derartig blutige Dynamik entwickeln wird, bleibt glücklicherweise fraglich: In Vietnam starben rund 57.000 US-Soldaten.
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