Saddams Söhne erschossen "Sie können keinen Schatten des Hasses mehr werfen"

George W. Bush und Tony Blair sind überglücklich. Nachdem die Ex-Kriegsherrn in Sachen Irak immer mehr in Erklärungsnöte geraten, gibt es wieder positive Nachrichten für die beiden: Udai und Kussei, die Söhne Saddam Husseins, sind tot. Die Iraker reagierten mit Freudenschüssen. Bleibt die Frage: Wo ist Saddam?




Familienfoto aus alten Zeiten: Saddam mit seinen Söhnen Udai (l.) und Kussei
AP

Familienfoto aus alten Zeiten: Saddam mit seinen Söhnen Udai (l.) und Kussei

Mossul/Washington - Bush hat den Tod der beiden Söhne des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein begrüßt. "Über Jahre sind diese beiden für zahllose Gräueltaten gegen das irakische Volk verantwortlich gewesen. Sie können keinen Schatten des Hasses mehr auf den Irak werfen", hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. "Obwohl noch viel zu tun ist im Irak, kann das irakische Volk jeden Tag Fortschritte in Richtung einer besseren und wohlhabenderen Zukunft ihres Landes sehen", hieß es.

Udai, 39, und Kussei, 37, waren wenige Stunden zuvor in einem sechsstündigen Feuergefecht mit US-Soldaten in der nordirakischen Stadt Mossul erschossen worden. Das US-Militär war nach dem Hinweis eines Irakers zu dem Wohnhaus gefahren, das einem Cousin von Saddam gehört. Von dem ehemaligen Machthaber fehlt weiter jede Spur. Es gilt jedoch als unsicher, ob sich Saddam tatsächlich noch im Irak aufhält und die Guerilla-Angriffe auf US-Soldaten organisiert.

Nach Ansicht des britischen Premierministers Tony Blair markiert der Tod der beiden "einen großen Tag für den neuen Irak". "Diese beiden speziellen Personen standen an der Spitze eines Regimes, das nicht nur wegen seiner Waffenprogramme eine Bedrohung war, sondern auch für die Folterung und den Tod abertausender unschuldiger Iraker verantwortlich war", sagte Blair während seines Besuchs in Hongkong.

Der britische Außenminister Jack Straw erklärte, "Udai und Kussei Hussein teilten die Verantwortung ihres Vaters für viele Jahre des Leidens des irakischen Volkes". Die Nachricht, dass Saddams Söhne keine Bedrohung mehr für die Sicherheit des Irak seien, werde eine Beruhigung für das irakische Volk sein.

"Saddam ist verwundbarer geworden"

Die Nachricht vom Tod der Saddam-Söhne gilt als positive Meldung für Bush und Blair selbst, die in den vergangenen Wochen zunehmend wegen ihrer Begründung des Irak-Krieges in die Kritik geraten waren. Ihnen war vorgeworfen worden, Berichte über das irakische Waffenarsenal aufgebauscht zu haben. Die USA und Großbritannien hatten den Einmarsch in den Golfstaat im März vor allem damit begründet, das Land verfüge über Massenvernichtungswaffen. Hierfür sind sie auch mehr als drei Monate nach dem Sturz Saddams die Beweise schuldig geblieben.

Das niedergebrannte Haus von Saddams Cousin in Mossul
AP

Das niedergebrannte Haus von Saddams Cousin in Mossul

Saddam Hussein sei durch die Tötung seiner beiden Söhne "erheblich verwundbarer" geworden, sagte das Mitglied des provisorischen irakischen Regierungsrates, Ahmed Tschalabi, in New York. Kussei sei als früherer Chef der Geheimdienste und Kommandeur der Republikanischen Garde nach dem Sturz des Regimes ein Organisator des Widerstandes gegen die neue Macht im Lande gewesen. Der Tod der beiden werde zu einer deutlichen Verminderung der Angriffe auf die US-Soldaten beitragen, sagte Tschalabi.

"Wenn sie weg sind, wird die Opposition weniger gut organisiert und finanziert sein, und der psychologische Reiz des früheren Regimes wird sich mehr und mehr verflüchtigen", sagte der Nahost-Experte Gary Sick von der Columbia Universität. Owen Fitzpatrick von Deutsche Bank Private Banking sagte, die Leute hätten sich Sorgen über die Opferzahlen und die Kosten gemacht. "Die Art von Nachrichten, wie wir sie heute hatten, macht dem nicht ein Ende, aber es sieht weniger danach aus, als ob die Sache sich hinziehen wird."

Der Tod der Diktatorensöhne wurde vom Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, nach dem Ergebnis entsprechender DNS-Analysen am Abend in Bagdad bestätigt. "Eine irakische Quelle hat heute die 101. Luftlandedivision davon informiert, dass mehrere Verdächtige - darunter Kussei und Udai - sich in der Residenz verstecken", sagte Sanchez. "Sie starben in einem heftigen Schusswechsel."

Informant kann sich auf 15 Millionen Dollar freuen

Vier verbrannte Leichen seien geborgen und zur Identifizierung nach Bagdad gebracht worden. Die Identität der beiden anderen Leichen sei noch nicht bekannt. Aus US-Kreisen verlautete, einer der Toten könnte Kusseis 14-jähriger Sohn sein. Auf amerikanischer Seite wurden vier Soldaten verwundet. Auch einige Bewohner Mossuls gerieten ins Kreuzfeuer. Mehrere Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht.

Die US-Soldaten gingen gegen die Villa nach dem Hinweis eines irakischen Informanten vor, wie Sanchez sagte. Das Gebäude brannte nieder. Die USA hatten für Informationen, die zur Ergreifung von Udai und Kussei Hussein führen, eine Belohnung von jeweils 15 Millionen Dollar ausgesetzt. Auf die Frage, ob die Belohnung gezahlt werde, sagte Sanchez: "Ich vermute schon, dass das geschehen wird."

Kussei Hussein war als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt worden. Der studierte Jurist leitete die Elitetruppen der Republikanischen Garde. Er stand auf der Liste der meistgesuchten Iraker hinter seinem Vater. Bruder Udai schien zuvor lange Zeit zum Nachfolger von Saddam Hussein auserkoren - bis er 1996 angeschossen und schwer verletzt wurde. Er hatte einen Sitz im Parlament und stand dem Irakischen Olympischen Komitee vor. Außerdem führte er den Fernsehsender Youth TV und die Tageszeitung "Babil".

Zweifel in arabischen Ländern

Der US-Zivilverwalter Paul Bremer sagte, er wolle nicht darüber spekulieren, wie sich der Tod von Saddam Husseins Söhnen auf die Sicherheitslage im Irak auswirke. "Es ist sicherlich eine gute Nachricht für das irakische Volk", sagte Bremer in Washington.

Exil-Iraker reagierten mit Befriedigung auf die Nachrichten. Der in Kairo lebende frühere irakische Minister Ahmed al-Habubi sagte: "Das ist das Schicksal aller Tyrannen und ihrer Gefährten." Er hätte sich aber einen Prozess gegen die beiden gewünscht, damit das Volk von ihren Verbrechen erfahren hätte.

In Stimmen aus der Bevölkerung arabischer Länder waren aber Zweifel zu hören. Der Bericht über den Tod der Söhne Saddam Hussein sei vielleicht nur ein Propagandatrick, um den irakischen Widerstand zu schwächen, hieß es.

In Bagdad war Stunden nach der Meldung über den Tod Söhne Saddam Husseins heftiges Gewehrfeuer zu hören. Vermutlich handele es um Freudenschüsse, erklärte Generalleutnant Sanchez. Es sei durchaus verständlich, wenn jetzt gefeiert werde, erklärte er. Der Aufenthalt auf den Straßen von Bagdad war gefährlich.

Ein ehemaliger Produzent in Udais Fernsehstation, Alaa Hamed, sagte, er wäre enttäuscht, wenn der ältere Sohn tot wäre. "Ich will ihn nicht tot. Ich will ihn vorher foltern", sagte er. Udai persönlich habe ihn mit Kabeln geschlagen, wenn er Fehler gemacht habe.



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