Säuberungswelle Berlusconi fordert Entlassung kritischer Journalisten

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi hält nicht viel von Pressefreiheit. Er verlangt, dass zwei RAI-Journalisten den öffentlich-rechtlichen Sender verlassen sollen. Sie hatten kritisch über ihn berichtet.


Silvio Berlusconi räumt unliebsame Gegner aus dem Weg
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Silvio Berlusconi räumt unliebsame Gegner aus dem Weg

Rom - Die beiden Betroffenen sind prominente Vertreter des italienischen TV-Journalismus: Michele Santoro leitet eine populäre Politsendung und Enzo Biagi ist der Doyen des italienischen Journalismus. Der 82-jährige Biagi präsentiert jeden Abend im größten Sender Rai Uno die Sendung "Il Fatto" (Die Tasache), die sich mit aktuellen politischen Vorgängen befasst.

Silvio Berlusconi fordert zudem die Entlassung des Komikers Daniele Luttazzi, der vor der Parlamentswahl im Vorjahr in seiner Sendung den heutigen Ministerpräsidenten heftig angegriffen hatte. Damit ist der Reigen der unliebsamen Kritiker aber offenbar noch nicht geschlossen. Am Freitag sprach Berlusconi erneut von "Kriminellen" im Fernsehen, ohne jedoch Namen zu nennen.

Santoro und Biagi hatte Berlusconi zuvor ebenfalls vorgeworfen, sie hätten vom öffentlichen Fernsehen einen "kriminellen Gebrauch gemacht". Das berichten italienische Zeitungen am Freitag. Demnach hat sich der Ministerpräsident am Donnerstag während seines Besuchs im Bulgarien entsprechend über die beiden TV-Größen geäußert. Erst am Mittwoch hatten die Rai-Sender neue Direktoren erhalten, die größtenteils der Regierung nahestehen.

Berlusconi hatte Rai in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, ihm politisch geschadet zu haben. Der Ministerpräsident ist Eigentümer von drei landsweiten TV-Sendern. Mit den beiden neuen Direktoren hat er nach allgemeiner Einschätzung auch die Rai unter seiner Kontrolle. Die römische Tageszeitung "La Repubblica" titelte am Freitag: "Berlusconi leitet die Säuberungswelle in der Rai ein". Die Opposition zeigte sich empört von Berlusconis Äußerungen.



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