Nowitschok in Salisbury Großbritannien will Auslieferung verdächtiger Russen bewirken

Etwa fünf Monate nach dem Angriff auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal kommt Bewegung in den Fall. Einem Bericht zufolge will die britische Regierung beantragen, dass Russland zwei Verdächtige ausliefert.

Polizei vor dem Haus von Skripal
DPA/ PA

Polizei vor dem Haus von Skripal


Im Fall um den vergifteten Sergej Skripal könnte Großbritannien in Kürze die Auslieferung zweier Männer von Russland beantragen. Wie der britische "Guardian" berichtet, habe die Staatsanwaltschaft die entsprechenden Gesuche verfasst. Sie könnten demnach nun an Moskau übermittelt werden. Das Blatt beruft sich in seinem Bericht auf Regierungs- und Sicherheitskreise.

Skripal war ein früherer russischer Spion, der Dutzende Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten hatte. Anfang März wurden er und seine Tochter Julija in der englischen Stadt Salisbury bewusstlos gefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert. Großbritannien machte Russland für die Vergiftungen verantwortlich und identifizierte das Gift Nowitschok als Ursache.

Nowitschok gehört zu einer tödlichen Gruppe von Nervengiften, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren vom sowjetischen Militär entwickelt worden waren. Russland hat wiederholt jede Beteiligung an dem Angriff bestritten.

Bewegungen der Verdächtigen rekonstruiert

Der Fall sorgt seit Monaten für ein angespanntes Verhältnis zwischen London und Moskau. Dieses könnte sich nun noch verschlechtern. Die russische Verfassung verbietet die Auslieferung von russischen Bürgern ins Ausland. Bereits im Fall des mit einem radioaktivem Isotop getöteten Alexander Litwinenko hatten sich russische Beamten 2006 geweigert, die Verdächtigen an Großbritannien zu übergeben.

Wie der "Guardian" nun berichtet, hätten Hunderte britische Polizei- und Geheimdienstbeamter die Bewegungen der Verdächtigen rekonstruiert - beginnend mit der Einreise in Großbritannien bis zur Ausreise. Großbritanniens Innenministerium wollte sich zunächst nicht äußern.

Das Motiv für den Angriff auf Skripal ist noch unklar. Der ehemalige Spion war 2010 im Rahmen eines Agentenaustausches nach Großbritannien gekommen. Derweil gab es in Salisbury einen weiteren Fall: Im Juli war ein vergiftetes Paar in der Stadt entdeckt worden. Die 44-jährige Frau starb an den Folgen. Die beiden sind nach Angaben der Behörden keine Opfer eines gezielten Angriffs gewesen. Der Mann schenkte seiner Lebensgefährtin eine Flasche "Parfüm" mit dem Nervengift. Er hatte das Fläschchen zuvor gefunden.

asc/Reuters

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