"Unbekannte Substanz" Das ist über den jüngsten Vorfall bei Salisbury bekannt

Zwei Personen in Lebensgefahr, die Terrorabwehr im Einsatz: Vier Monate nach dem Angriff auf den Agenten Skripal kamen nahe Salisbury erneut Menschen in Kontakt mit einer bislang "unbekannten Substanz". Der Überblick.

Polizist in Salisbury
AP

Polizist in Salisbury


Die britische Anti-Terror-Polizei ist zu Ermittlungen zu einem neuen Vorfall mit einer rätselhaften Substanz nahe der Stadt Salisbury hinzugezogen worden. Zwei Menschen waren mit ihr in Kontakt gekommen und müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Die Polizei spricht von einem "größeren Vorfall". Das Szenario erinnert an den Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julija Anfang März. Das ist bisher bekannt:

Wer sind die Verletzten?

Es handelt sich um einen Mann und eine Frau im Alter von etwa 40 Jahren. Das Paar soll unter anderem eine Familienveranstaltung in einer Kirche besucht haben, bevor es am Samstagabend bewusstlos in seinem Wohnhaus entdeckt wurde. Der Mann und die Frau werden laut Polizei wegen "mutmaßlichen Kontakts mit einer unbekannten Substanz" im Krankenhaus in Salisbury behandelt. Das Paar schwebt demnach in Lebensgefahr.

Die Beamten seien zunächst davon ausgegangen, dass die beiden möglicherweise verunreinigtes Heroin oder Crack-Kokain eingenommen haben könnten und sich daher in kritischem Zustand befinden. Es werde aber noch genau untersucht, welche Substanz im Spiel gewesen sei.

Besteht eine Gefahr für die Öffentlichkeit?

In Salisbury und in dem Wohnort des Paares, Amesbury rund 13 Kilometer weiter nördlich, wurden einige Bereiche vorsichtshalber abgesperrt. Die Gesundheitsbehörde ging aber zunächst nicht von einer "bedeutenden Gesundheitsgefährdung" für die Öffentlichkeit aus. Diese Einschätzung werde im Falle neuer Erkenntnisse jedoch angepasst.

Der Sprecher von Premierministerin Theresa May sagte, der Vorfall werde mit äußerster Ernsthaftigkeit behandelt. May und ihre Minister würden regelmäßig über die Lage informiert.

Welche Behörden sind im Einsatz?

Beamte der britischen Terrorabwehr untersuchen den Fall in Amesbury gemeinsam mit der Polizei von Wiltshire. Da die aufgetretene Substanz unbekannt sei, sei die Zusammenarbeit mit der Terrorabwehr eine "arbeitstechnische" Maßnahme, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Verbrechen konnte die Polizei zunächst ebenso wenig ausschließen wie Drogenmissbrauch. Man gehe unvoreingenommen an den Fall heran.

Gibt es Verbindungen zum Fall Skripal?

Die Polizei traf zunächst aber keine Aussagen darüber, ob es sich um einen üblichen Kriminalfall oder um einen zweiten Fall Skripal handeln könnte. Laut Polizei besteht "kein Grund, zu denken", dass es eine Verbindung zum Fall Skripal gebe. Wie damals wurden Medienberichten zufolge nun auch Proben zur Untersuchung an das Chemielabor des britischen Militärs in Porton Down geschickt.

Im vergangenen März waren Teile der Innenstadt von Salisbury abgeriegelt worden, nachdem der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julija dort mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden waren. Sie saßen bewusstlos auf einer Parkbank.

Großbritannien machte Russland für die Tat verantwortlich; es kam zu einem diplomatischen Schlagabtausch und Ausweisungen zahlreicher Diplomaten. Die Skripals leben inzwischen an einem unbekannten Ort.

asa/dpa/Reuters/AFP



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