Griechenland-Hilfen Samaras gibt Deutschen Geld-zurück-Garantie

Der griechische Premier Antonis Samaras verspricht den Deutschen, sein Land werde alle Milliardenhilfen zurückzahlen. Das garantiere er persönlich, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Euro-Gruppen-Chef Juncker attestiert den Griechen allerdings eine Glaubwürdigkeitskrise.

Griechischer Premier Samaras: Garantie für deutsche Hilfszahlungen
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Griechischer Premier Samaras: Garantie für deutsche Hilfszahlungen


Athen/Berlin - Griechenlands Regierungschef hat den Deutschen versprochen, sein Land werde die Hilfen von mehr als hundert Milliarden Euro zurückzahlen. "Das garantiere ich persönlich", sagte Antonis Samaras der "Süddeutschen Zeitung". Vor seinem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag kündigte der Politiker neue Reformen an, darunter bessere Investitionsbedingungen und Privatisierungen von Staatsbetrieben. Damit will Samaras das Vertrauen der Kreditgeber wiedergewinnen.

Im Gespräch wollte der im Juni gewählte Premier die wachsende Skepsis gegenüber seinem Land kontern: "Ich versichere Ihnen: Wir werden liefern!" Der Parteichef der konservativen Nea Dimokratia sparte nicht mit Kritik an den Verhältnissen in seiner Heimat: "Ja, es ist viel falsch gelaufen. Es ist richtig, dass viele Griechen keine Steuern bezahlen. Wir müssen sicherstellen, dass das aufhört", sagte Samaras. Nun breche eine neue Zeit an, in der die ganze Politik Griechenlands auf Wachstum ausgerichtet werde. Der 61-Jährige sagte: "Mir ist nicht so wichtig, ob ich wiedergewählt werde. Ich möchte das Land verändern."

Konkret versprach er, Bürokratie abzubauen. Bisher hätten Investoren zu allen möglichen Ämtern rennen müssen und manchmal jahrelang nichts erreicht. Der Verkauf von Staatseigentum soll bis 2016 mindestens 30 Milliarden Euro einbringen. Frühere Regierungen kündigten allerdings immer wieder noch höhere Erlöse an, ohne dass viel passierte.

"Griechenland blutet, es blutet wirklich"

Es ist bereits Samaras' zweites Interview mit einem deutschen Blatt innerhalb von 24 Stunden. Im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung hatte der Premier zuvor auf einen Aufschub beim Sparen gedrängt. "Wir fordern kein zusätzliches Geld", sagte der Ministerpräsident. "Alles, was wir wollen, ist ein wenig mehr Luft zum Atmen, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen. Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Geld."

Den Wunsch nach Aufschub begründete er im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" mit der katastrophalen Wirtschaftslage seines Landes. "Griechenland blutet, es blutet wirklich", sagte Samaras.

Doch in Berlin stößt Samaras damit auf Widerstand. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle machte gegenüber SPIEGEL ONLINE klar, dass er auf der Einhaltung des Zeitplans bestehe. Einen anderen Ton schlug Bundespräsident Joachim Gauck an. "Wenn wir an der Idee von Europa festhalten wollen, müssen wir auch bereit sein, ein wenig länger Geduld zu haben", sagte Gauck in Ingelheim bei Mainz.

Juncker: Entscheidung über Hilfen erst im Oktober

Am Mittwochnachmittag traf Samaras in Athen mit Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zusammen. "Ich möchte sagen, dass ich absolut dagegen bin, dass Griechenland aus der Eurozone austritt", sagte Juncker nach der Begegnung. Allerdings verlangte Juncker von Griechenland weitere Anstrengungen zur Bewältigung der hohen Verschuldung. "Die weitere Konsolidierung der öffentlichen Finanzen Griechenlands ist von absolut vorrangiger Bedeutung", sagte er. "Es ist die letzte Chance für Griechenland."

Außerdem müsse Athen bei Strukturreformen etwa am Arbeitsmarkt aktiver vorgehen, forderte Juncker. Er fügte hinzu: "Der Privatisierungsprozess, der versprochen wurde, muss neu gestartet werden." Mehrfach betonte Juncker, das Land leide unter einer Glaubwürdigkeitskrise.

Juncker hatte vor seiner Abreise nach Athen RTL-Radio gesagt, über die Hilfen der Euro-Retter für Griechenland soll frühestens im Oktober entschieden werden. Man warte auf den Bericht der Troika. Die Experten der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wollen im September wieder nach Athen reisen und die Reformfortschritte überprüfen. Seit Wochen gibt es Gerüchte, dass die Experten der Regierung in Athen ein verheerendes Zeugnis ausstellen könnten.

Die griechische Regierung hatte mit den internationalen Geldgebern vereinbart, ihre Ausgaben bis 2014 um 11,5 Milliarden Euro zu reduzieren.

fab/dpa

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insgesamt 236 Beiträge
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Seite 1
sichersurfen 22.08.2012
1. Hilfe ist geboten
Zitat von sysopREUTERSDer griechische Premier Antonis Samaras verspricht den Deutschen, sein Land werde alle Milliardenhilfen zurückzahlen. Das garantiere er persönlich, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er kündigte neue Sparprogramme zu, auch wenn Griechenland "bereits blute". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,851549,00.html
Wenn jemand blutet, kaum mehr atmen kann, dann ist es doch ein Gebot der Menschlichkeit sofort zu helfen. Das ist ja auch politisch bereits entschieden. Wir sollten die Griechen nicht weiter quälen. Jetzt ist Hilfe geboten.
schlob 22.08.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSDer griechische Premier Antonis Samaras verspricht den Deutschen, sein Land werde alle Milliardenhilfen zurückzahlen. Das garantiere er persönlich, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er kündigte neue Sparprogramme zu, auch wenn Griechenland "bereits blute". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,851549,00.html
Der einzige Weg,der eine realistische Hoffnung zeigt,ist der von Thomas Mayer, Parallelwährungen zum Euro einzuführen.- Nur bei diesem ist ein Ende des desasters absehbar.- Mayer sieht 3 Gruppen- die Südländer,Frankreich mit einer lateinischen Mittelstellung und die harten Nordländer.- ME scheint es am günstigsten,wenn die Südländer den Euro voll behalten- dieser wird dann rapide abwerten,was alle Schulden abwertet- und die Finanzinvestoren trifft.- Ob nun Frankreich eine eigene Gruppe bildet,oder nicht- bei den Nicht-Südländern wird deren neue Paralellwährung aufwerten. Notabene- auch diese behalten den Euro als Zahlungsmittel.- Die Mechanismen,wie das alles elegant zu regeln sei. beschreibt Mayer genau http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mayers-weltwirtschaft/kolumne-mayers-weltwirtschaft-geuro-und-deuro-11860719.html
chr76 22.08.2012
3. ,,Das garantiere ich persönlich''
Was soll soetwas? Nicht einmal Bill Gates und Warren Buffet könnten das zusammen.Das ist der verzweifelte Versuch eines notorischen Reformverhinderes der Vergangenheit Glaubwürdigkeit durch objektiv uneinlösbare Zusagen zu erreichen. Die Amerikaner nennen das auch F***ing for virginity!
sentinel101 22.08.2012
4. Samaras ist lustig ...
Zitat von sysopREUTERSDer griechische Premier Antonis Samaras verspricht den Deutschen, sein Land werde alle Milliardenhilfen zurückzahlen. Das garantiere er persönlich, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er kündigte neue Sparprogramme zu, auch wenn Griechenland "bereits blute". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,851549,00.html
... wenn er glaubt, dass irgendjemand auch nur einen Pfifferling auf seine "Garantie" gibt. Und damit wird auch das restliche Blabla unglaubwürdig, denn mehr Zeit heisst automatisch mehr Geld: in dieser zusätzlichen Zeit braucht Griechenland ja wieder Finanz-Hilfen. Aber natürlich fangen deutsche Politiker an, allen voran Herr Gauck, wieder mal auf die Sirenen-Gesänge hereinzufallen. Jetzt heisst es: Troika-Bericht abwarten und nach dem zu erwartenden Ergebnis zügig Konsequenzen ziehen, d. h. Griechenland muss raus aus dem Euro. Das hätte schon vor zwei Jahren passieren sollen, aber auch da wollte man "etwas mehr Zeit" haben. Irgendwann ist genug, vor allem wenn Samaras irgendetwas persönlich garantiert, dann kann man garantiert davon ausgehen, dass man das in der Pfeife rauchen kann.
der_pirat 22.08.2012
5. Das habe ich mir mal gespeichert.
Nur für den "unwahrscheinlichen Fall", dass es mal dazu kommt, dass Geld nicht zurückgezahlt wird.
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