Guy Scott Präsident in Sambia Erstes weißes Staatsoberhaupt in Afrika seit 20 Jahren

Während Sambia um den verstorbenen Präsidenten Michael Sata trauert, steht der Nachfolger nun fest: Guy Scott wurde übergangsweise zum neuen Staatschef ernannt - der erste weiße Präsident seit Ende der Apartheid.

Der sambische Übergangspräsident Guy Scott in Lusaka: Erstes weißes Staatsoberhaupt in Afrika
AFP

Der sambische Übergangspräsident Guy Scott in Lusaka: Erstes weißes Staatsoberhaupt in Afrika


Eine solche Nachricht hätte man nach dem Untergang der Apartheid in Südafrika 1994 nicht für möglich gehalten: Ein weißer Mann wird Staatschef in einem afrikanischen Land. Einen Tag, nachdem der amtierende Präsident Michael Sata, 77, in einem englischen Hospital verstorben war, wurde Guy Scott zum Interimspräsidenten von Sambia ernannt.

Er ist damit der erste Weiße, der ein afrikanisches Land regiert, seit der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk im Wahlkampf vor 20 Jahren Nelson Mandela unterlag.

"Die Zeit der Staatstrauer beginnt heute. Wir werden unseren geliebten Präsidenten und Genossen vermissen", verkündete Scott in seiner ersten amtlichen Erklärung.

Man weiß nicht viel über den Mann mit schottischer Abstammung. Geboren wurde er 1944 in der britischen Kolonie Nord-Rhodesien, die seit der Unabhängigkeit vor 50 Jahren Sambia heißt. Der Ökonom war in einer früheren Regierung Landwirtschaftsminister und erntete für seine Maßnahmen nach der verheerenden Dürre 1992/1993 viel Lob.

Erst 2001 trat er in die Patriotic Front ein, die Regierungspartei von Michael Sata. Seit 2011 war er Vizepräsident und wurde oft als "Zeremonienmeister" bezeichnet.

Lange wird Guy Scott aber vermutlich nicht an der Spitze des Staates bleiben. Schließlich fehlt ihm zum dauerhaften Präsidentenamt eine wichtige Voraussetzung, die in der Verfassung festgeschrieben ist: Seine Eltern wurden nicht in Sambia geboren.

Derweil trauern die Sambier um ihren verstorbenen Staatschef. Er ist nach Levy Mwanawasa bereits der zweite Präsident in der kurzen Geschichte ihres Landes, der im Amt verstarb.

Der strenge Katholik Sata war während der Kolonialzeit Polizist, Eisenbahner und Gewerkschafter. In den Achtzigerjahren erwarb er sich den Ruf, der am härtesten arbeitende Gouverneur zu sein. Wegen seiner scharfen Zunge wurde er "King Kobra" genannt.

Sata gelang es erst im vierten Anlauf, das Präsidentenamt zu erobern. Die Bevölkerung machte sich große Hoffnungen, als er 2011 antrat und Wohlstand und Arbeit gelobte. Auch die ausufernde Korruption wollte Sata bekämpfen, doch schon bald enttäuschte er seine Anhänger. Am Ende wurde seine Amtszeit durch den wirtschaftlichen Niedergang Sambias überschattet.

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insgesamt 6 Beiträge
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KlausKram 29.10.2014
1.
Die Logik ist doch die: ein Schwarzer US-Präsident, warum kein Weißer sambischer Präsident? Die Hautfarbe eines Menschen interessiert nur noch die Ungebildeten und Ängstlichen.
braamsery 29.10.2014
2.
Zitat von KlausKramDie Logik ist doch die: ein Schwarzer US-Präsident, warum kein Weißer sambischer Präsident? Die Hautfarbe eines Menschen interessiert nur noch die Ungebildeten und Ängstlichen.
Logisch ist das keineswegs. In Amerika wurde die Schwarze Minderheit unterdrückt. - In den afrikanischen Ländern wurde die Schwarze Mehrheit von wenigen Kolonialistens unterdrückt, und das selten so "glimpflich" wie in den USA, eher mit Waffengewalt (in den USA war es dagegen "nur" Diskriminierung). - Deshalb finde ich das schon erstaunlich, zeigt aber eben, dass die Fähigkeiten eines Menschen gewürdigt werden, ungeachtet seiner Hautfarbe.
ph.latundan 30.10.2014
3. leider besteht ........
Zitat von KlausKramDie Logik ist doch die: ein Schwarzer US-Präsident, warum kein Weißer sambischer Präsident? Die Hautfarbe eines Menschen interessiert nur noch die Ungebildeten und Ängstlichen.
leider besteht die welt heute zu grossen teilen aus ungebildeten und aengstlichen. nicht nur in afrika sondern z.b. auch in europa/deutschland.
jiujoe 30.10.2014
4. Falsch
Guy Scott ist Präsident für 90 Tage, bis der nächste Präsident gewählt wird. Da seine Eltern keine Sambier waren, kann er nach der gültigen Rechtsprechung in Sambia nicht zum Präsidenten gewählt werden. Es gibt viele in der Regierungspartei Patriotic Front, die zutiefst bedauern, dass Sata keinen indigenen Sambier zum Vice president gemacht hat, aber das wäre wohl einem Eingeständnis seiner sehr schwachen Gesundheit glcie gekommen. Bis kurz vor seinem Tod wurde der schlechte Gesundheitszustand geleugnet, obwohl spätestens bei seinem letzten öffentlichen Auftritt der Parlamentseröffnung für jeden der schlechte Zustand Satas sichtbar wurde. Bei den seit langem andauernden Grabenkämpfen innerhalb der PF muss einiges befürchtet werden.
jiujoe 30.10.2014
5. Ungewollt
Sambia hat am vergangenen Freitag den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit gefeiert. Sata hatte E. Lungu als Acting President eingesetzt, da offenbar Scott die falsche Hautfarbe hat, um bei den Feierlichkeiten zu repräsentieren. In der PF hat es schon die ganze Zeit rumort, dass ein Weißer das Amt des Vize-Präsidenten bekleidet, der noch nicht einmal Präsident werden kann, da seine Eltern keine Sambier waren. Durch den Tod Satas ist das Lügengebäude der Patriotic Front zusammengebrochen, die bis zu seinem Tod immer steif und fest behaupteten, dass Sata gesund sei, obwohl man bei seinem letzten öffentlichen Auftritt bei der Parlamentseröffnung seinen schlechten Zustand sehen konnte. Es wird bereits kolportiert, dass Scott zusammen mit dem Besitzer der Zeitung POST daran sind, die Verfassung zu verbiegen. Auch Scott ist sichtbar nicht gesund und wird von vielen sambischen Ministern bereits gewschnitten.
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