Bin Ladens mutmaßlicher Ex-Leibwächter Sami A. offenbar auf freiem Fuß

Der mutmaßliche Islamist Sami A. ist offenbar in Tunesien vorläufig freigekommen. Der angebliche Ex-Leibwächter des Qaida-Chefs Osama Bin Laden war zuvor aus Bochum nach Tunesien abgeschoben worden.

Sami A. vor einer Polizeiwache in Bochum (Archivbild von 2012)
action press/ WAZ Fotopool

Sami A. vor einer Polizeiwache in Bochum (Archivbild von 2012)


Der nach Tunesien abgeschobene Sami A. ist in seinem Heimatland laut mehreren Nachrichtenagenturen vorläufig wieder auf freiem Fuß. Wie die tunesischen Behörden am Freitag mitteilten, entschied ein Untersuchungsrichter die vorläufige Freilassung, da zurzeit keine Anschuldigungen gegen den Mann erhoben werden könnten.

Der zuletzt in Bochum lebende A., ein mutmaßlicher Ex-Leibwächter des langjährigen Qaida-Chefs Osama Bin Laden, war am 13. Juli unter umstrittenen Umständen aus Deutschland abgeschoben worden.

Sami. A.s Anwältin in Deutschland, Seda Basay-Yildiz, konnte die Freilassung gegenüber dem SPIEGEL zunächst nicht bestätigen. Sie habe ihren Mandanten bisher nicht sprechen können, allerdings habe auch sie zuvor Hinweise erhalten, dass Sami A. freikommen könnte.

Unrechtmäßig abgeschoben?

Sami A. saß seit seiner Abschiebung aus Deutschland vor zwei Wochen in seinem Heimatland in Gewahrsam. Die tunesischen Behörden ermitteln gegen ihn wegen Terrorverdachts. Nach dem Recht des Landes durfte er maximal bis zu 15 Tage ohne Beschluss in Haft sitzen.

Der Tunesier war am 13. Juli aus Deutschland in seine Heimat abgeschoben worden, obwohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Abend zuvor entschieden hatte, dass dies nicht zulässig sei. Die Richter rügten die Aktion als "grob rechtswidrig". (Lesen Sie hier die SPIEGEL-Recherche zu dem Fall.)

Inzwischen hat das Verwaltungsgericht die Ausländerbehörde in Bochum unter Androhung eines Zwangsgelds von 10.000 Euro aufgefordert, Sami A. spätestens bis zum nächsten Dienstag zurückzuholen.

Bisher kein Gesuch aus Deutschland

Nach Angaben der tunesischen Antiterrorbehörde gab es aber bislang kein Gesuch aus Deutschland, Sami A. zurückzuschicken. Nach tunesischem Recht ist eine Auslieferung von Staatsbürgern im Fall von Terrorvorwürfen in einem anderen Land grundsätzlich möglich. In Deutschland gilt der Mann als Gefährder, die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Entsprechende Ermittlungen wurden eingestellt.

Die Anwältin des Tunesiers hatte vor zwei Wochen keine Gründe gesehen, die gegen eine Rückkehr nach Deutschland sprechen. Sobald Sami A. in Tunesien freigelassen werde, müsse die deutsche Botschaft ihm ein Visum ausstellen, erklärte Seda Basay-Yildiz.

höh/jdl/dpa/AFP



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